Absurde Idee? 31. Okt. 2024 Von dpa Lesezeit: ca. 2 Minuten

Teilzeit-Krankschreibung: Flexibilität versus Gesundheit?

Teilzeit-Krankschreibung: Eine kontroverse Idee – trotz Krankheit arbeiten oder die eigene Gesundheit riskieren? Während Ärztepräsident Klaus Reinhardt für mehr Flexibilität durch stundenweise Krankschreibung plädiert, warnt der Deutsche Gewerkschaftsbund vor den Folgen. Wo liegt die Grenze zwischen Fürsorge und Belastung?

Teilzeit-Krankschreibung – flexibles Arbeiten trotz Krankheit oder gefährlicher Trend für die Gesundheit der Arbeitnehmer?
Foto: PantherMedia / Bernd Leitner

Sollen Beschäftigte „Teilzeit-Krankschreibungen“ für einige Stunden am Tag bekommen können? Dafür spricht sich der Präsident der Bundesärztekammer Klaus Reinhardt aus: „Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren sehr stark verändert, insbesondere durch die Digitalisierung und die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten“, sagte er im Funke-Interview.

Trotzdem werde im Gesundheitswesen weiterhin nur grundsätzlich zwischen Arbeitsfähigkeit und Arbeitsunfähigkeit unterschieden. „Eine praktikable Form von TeilzeitKrankschreibung für einige Stunden täglich könnte den neuen Möglichkeiten Rechnung tragen und für mehr Flexibilität sorgen.“ Der Ärztepräsident betonte: „Klar ist natürlich, dass dabei das Wohlergehen und die ungefährdete Genesung der Erkrankten immer an erster Stelle stehen muss.“

Arbeit in begrenztem Umfang möglich?

Reinhardt verwies auf gute Erfahrungen mit Wiedereingliederungsprogrammen nach langen Krankheitsphasen, bei denen die Arbeitszeit schrittweise erhöht wird. Diese Erfahrungen ließen sich sicher auch auf weniger schwere Erkrankungen übertragen. „Ein Beispiel dafür sind Bagatellinfekte, bei denen der direkte Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen im Büro vermieden werden sollte. In solchen Fällen bietet das Arbeiten im Homeoffice aber unter Umständen die Möglichkeit, im begrenzten Umfang berufliche Aufgaben wahrzunehmen und sich dennoch zu erholen.“

DGB nennt Teilzeit-Krankschreibungen „absurd“

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lehnt Überlegungen zu „Teilzeit-Krankschreibungen“ für einige Stunden am Tag ab. Die Idee sei „schlicht absurd“, sagte Vorstandsmitglied Anja Piel. „Wer krank und arbeitsunfähig ist, soll sich vollständig auskurieren. Ansonsten steigt das Risiko, länger und ernsthafter zu erkranken.“ Schon heute gingen viel zu viele krank zur Arbeit oder arbeiteten krank im Homeoffice. „Sie gefährden damit sich und andere und setzen auf Dauer ihre Gesundheit und Erwerbsfähigkeit aufs Spiel.“

Belegschaften mit längeren Krankheitszeiten

DGB-Vorstand Piel mahnte, auch der demografische Faktor müsse bedacht sein. „Älter werdende Belegschaften mit mehr Beschäftigten, die später in Rente gehen, haben im Vergleich zu jüngeren Belegschaften absehbar längere Krankheitszeiten.“ Die richtige Antwort darauf seien mehr betriebliche Gesundheitsvorsorge, altersgerechte Arbeitsplätze und gute Rehamaßnahmen, damit Krankheiten sich nicht weiter verschlechterten oder gar chronisch würden. „Kluge Arbeitgeber haben das längst begriffen und die Weichen dafür gestellt.“

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