Mittelstandsstudie 27. Apr 2021 Von André Weikard

Ein Drittel der Unternehmen ohne Fahrplan für eine klimaneutrale Zukunft

Die Politik zieht die Daumenschrauben an, um Europas CO2-Emissionen zu senken. Erweiterte Berichtspflichten für Unternehmen, ein höherer CO2-Preis und strengere Abgasnormen werden kommen. Dennoch hat jeder dritte Mittelständler in Deutschland noch immer keine Nachhaltigkeitsstrategie, so das Ergebnis einer aktuellen Befragung der Commerzbank.

2050 soll es vollbracht sein. Die Staaten der EU wollen bis dahin klimaneutral sein.
Foto: panthermedia.net/Olivier Le Moal

Von den rund 2000 beteiligten mittelständischen Unternehmen gaben jeweils 32 % an, noch über keine Nachhaltigkeitsstrategie zu verfügen oder damit noch in der Planung zu sein. Nur 35 % der Befragten haben bereits eine Strategie entwickelt. Michael Kotzbauer, Firmenkundenchef der Commerzbank, die die Umfrage in Auftrag gegeben hat, räumt ein: „Dieses Resultat mutet zunächst niedrig an, schließlich ist die Debatte um Nachhaltigkeit – allein vor dem Hintergrund des Klimawandels – ja nicht neu.“ Er sieht die Ursachen für das zurückhaltende Engagement in Klimafragen allerdings nicht allein bei den Unternehmen. „Fehlende Klarheit, Transparenz und Berechenbarkeit, gesetzliche Rahmenbedingungen stellen gravierende Hindernisse dar“, so Kotzbauer. Die Corona-Pandemie habe auch dazu geführt, dass das Thema Nachhaltigkeit gegenüber den operativen Themen etwas in den Hintergrund gerückt sei, glaubt er.

„Bei kleineren oder mittelgroßen Unternehmen ist Nachhaltigkeit Chefsache“

Entsprechend fallen auch die Antworten der Umfrageteilnehmer zu den größten Hindernissen bei der Umsetzung von Klimaschutz-Maßnahmen aus. Jedes zweite Unternehmen gab an, dass Aufwand und Ertrag nicht einschätzbar seien, auch die „Unübersichtlichkeit der Förderprogramme“ (49 %) und „unsichere gesetzliche Rahmenbedingungen“ (46 %) beklagen die Mittelständler.

„Bei kleineren oder mittelgroßen Unternehmen ist Nachhaltigkeit Chefsache, es fehlen aber oftmals Fachabteilungen, die es zusätzlich bearbeiten“, beobachtet Kotzbauer zudem. Entsprechend könne eine zu hohe Arbeitsbelastung der Führungsebene „ebenfalls eine Verzögerung oder ein Hemmnis darstellen“.

Die kommende Ausgabe der VDI nachrichten (Heft 17/21) enthält eine exklusive Auswertung der Studie „Wirtschaft im Umbruch – Chancen des Green Deal“ für das Verarbeitende Gewerbe. Die Ausgabe erscheint am 30. 4. 2021, das E-Paper bereits am Vorabend.

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