HIDDEN CHAMPION 07. Sep 2017 Sabine Neumann

„Wir gehen nicht von hier weg“

KettenWulf hat den Hauptsitz im Sauerland. Mit einer Gelenkkettenmanufaktur fing alles an.

Am Haken: Das segmentierte Kettenrad mit Geräuschdämpfung wird an die Schüttgutindustrie geliefert, eine der wichtigsten Kundenbranchen.
Foto: KettenWulf

Ein bodenständiges Weltunternehmen und dazu heimlicher Weltmarktführer ist seit mehr als 90 Jahren im beschaulichen Sauerland zuhause. In Eslohe-Kückelheim ist KettenWulf, Hersteller von Förder- und Antriebsketten sowie Kettenrädern, eine Institution. „Wir gehen auch nicht von hier weg“, sagt lächelnd Günter Wulf (69), Seniorgeschäftsführer des Familienunternehmens. „Wir waren und sind unserer Heimat immer verbunden. Auch wenn wir hier sehr ländlich liegen, so erreichen wir doch – dank eines guten Verkehrssystems – innerhalb von 24 Stunden jeden Punkt der Erde.“

„Made in Sauerland“

KettenWulf GmbH aus Eslohe-Kückelheim produziert seit über 90 Jahren Förder- und Antriebsketten sowie Kettenräder.
Das Unternehmen der Antriebsbranche hat zehn Standorte in Europa, Australien, Amerika und Asien und beschäftigt über 1 400 Mitarbeiter.

Günter Wulf zieht mit seinen Kindern Julia (Betriebswirtin), Ansgar (Wirtschaftsingenieur) und Tobias (Ingenieur) schon über viele Jahrzehnte hinweg an einem Strang – sie führen das Familienunternehmen gemeinsam.

Mit mehr als 1400 Mitarbeitern in Deutschland, Belgien, Österreich, China, Polen, Indien, der Türkei, Australien, Kanada und den USA ist KettenWulf Weltmarktführer in der Fahrtreppenindustrie. Ketten für Rolltreppen sind die Spezialität der Sauerländer; diese sind überall auf dem Erdball zu finden. Sowohl in der freistehenden Fahrtreppe auf der Zeche Zollverein in Essen als auch in der New Yorker Metro und der Londoner „Tube“, an den Flughäfen Hartsfield-Jackson, Atlanta International Airport und London-Heathrow. Sogar am Flughafen von Simbabwe in Harare gibt es zwei kleine Fahrtreppen.

Angefangen hatte alles mit einer Idee der beiden Brüder Josef und Johannes Wulf. Im Oktober 1925 gründeten sie eine Gelenkketten-Manufaktur im Sauerland. Mit einer Eintragung ins Handelsregister setzte KettenWulf zwölf Jahre später einen weiteren Meilenstein in der über 90-jährigen Firmengeschichte, auf die 1939 die Gründung einer offenen Handelsgesellschaft mit der Firmenbezeichnung „Gelenkkettenfabrik Josef und Johannes Wulf Kückelheim ü./Meschede“ folgte.

„Um uns auf die Produktion von Buchsenförderketten zu spezialisieren, haben wir vor über 50 Jahren ein zweites Werk hier in Kückelheim errichtet“, erklärt Günter Wulf, der am 1. Juli 1978 als Vertreter der dritten Generation in die Geschäftsleitung eintrat, „denn die Förderkette ist gewissermaßen im Laufe von Jahrzehnten der ‚Hidden Champion‘ unter den Maschinenelementen geworden.“

In den 60er- und 70er-Jahren ging es zügig für das sauerländische Familienunternehmen voran: „Wir erweiterten unser Angebot mit der Produktion von Ketten für die Fahrtreppenindustrie,“ erinnert sich der Seniorgeschäftsführer, „und eröffneten dann wenig später auch die erste Niederlassung in Belgien.“

Die stärksten Konkurrenten von KettenWulf kommen aus dem asiatischen und amerikanischen Markt.

Im Jahr 2000 konnte das Traditionsunternehmen stolz auf seine 75-jährige Firmengeschichte zurückblicken: 500 Mitarbeiter, 40 000 m2 Produktionsfläche, sechs Standorte und ein Umsatz von 70 Mio. € Euro jährlich. Um das Geschäft zu vergrößern, erfolgte 2001 die Übernahme der Firma AFAM S.A. in Frankreich.

Ein Jahr später ging es nach China: Das Joint Venture Hangzhou Wulf Chain Co., Ltd. entstand. Aber schon im Jahr 2005 nahm KettenWulf die Geschäfte selbst in die Hand. So wurde der chinesische Standort ein 100 %iges Mitglied der KettenWulf Gruppe. Mittlerweile arbeiten in dieser Metropole mit 7 Mio. Menschen circa 600 Mitarbeiter für KettenWulf. Damit ist dieses Tochterunternehmen – neben dem Firmensitz in Eslohe-Kückelheim – der zweitgrößte Produktionsstandort. „Das war ein wichtiger Schritt für uns“, sagt rückblickend der Seniorchef. „In China suchen wir derzeit händeringend gute Leute. Im Jahr 2002 wurden in China 5000 Fahrtreppen pro Jahr gebaut; weltweit waren es etwa 19 000. Mittlerweile sind es 60 000 in China und 70 000 weltweit, Tendenz steigend. Wir haben daran einen Marktanteil von circa 60 %.“

Aktuell entwickelt, produziert und vertreibt das sauerländische Familienunternehmen an zehn verschiedenen Standorten in Europa, Amerika, Australien und Asien individuelle Lösungen in der Förder-und Antriebstechnik. Zu den wichtigsten Auftraggebern gehören die Schüttgutindustrie, Automobilindustrie, Maschinen-und Anlagenbau sowie die Stahlindustrie: „Hier liefern wir Förder-und Transportketten, aber auch Spezialförderketten und Kettenräder, die beispielsweise in Sinteranlagen, bei Hochofen-und Stahlwerksanwendungen sowie bei Walzwerksanwendungen eingesetzt werden“, sagt Günter Wulf.

Die Produktanforderungen sind dementsprechend hoch: Reduzierung des Abrasionsverschleißes an Kratzerketten im Erz-und Kohlemischbett bis hin zu Temperaturbeständigkeit von Förderketten für den Heißguttransport erfordern immer wieder innovative Konzepte. Dazu gehört auch eine Qualitätskontrolle, denn die Produkte müssen haltbar sein in Sibirien (bis zu -25 °C), aber auch in der Stahlindustrie (bis zu 600  °C).

„Wir investieren auch in unseren Nachwuchs“, versichert Günter Wulf. Vor mehr als 30 Jahren entstand das Ausbildungszentrum. Derzeit gibt es 70 Auszubildende, die entweder Industriemechaniker, technischer Produktdesigner, Werkstoffprüfer, Werkzeugmechaniker, Stanz- und Umformmechaniker, Zerspanungsmechaniker oder Elektroniker im technisch gewerblichen Bereich werden können oder Industriekaufmann und Kaufmann für Büromanagement im kaufmännischen Bereich.

„Jedes Jahr stellen wir neue Azubis ein. Wir sind auf Berufsbildungsmessen vertreten und arbeiten mit Hochschulen der Region eng zusammen. So beschäftigen wir derzeit auch circa 20 Werkstudenten“, sagt Wulf. cer

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