Vertical Farming 15. Nov 2019 Von Hanna Büddicker

VDI-Studierende erfinden Farmingbox für Eigenbedarf

In Kooperation mit dem VDI Brazil entwickelten Studierende aus beiden Ländern ein Konzept für den urbanen Gemüseanbau und stellten es in São Paulo vor.

Die binationale Projektgruppe mit ihrer eigens entwickelten Gemüsebox zu Gast auf dem deutsch-brasilianischen Ingenieurtag in São Paulo mit VDI-Präsident Mauricio Muramoto (rechts).
Foto: VDI Brasilien

Es ist 9 Uhr morgens in São Paulo. Der graue Van schiebt sich Stück für Stück langsam durch die verstopften Straßen der Megastadt auf dem Weg zum Teatro da Universidade, Schauplatz des diesjährigen deutsch-brasilianischen Ingenieurtags. An Bord: zehn deutsche und brasilianische VDI-Studierende, die noch ein letztes Mal voller angespannter Vorfreude ihre Präsentation durchgehen.

Ein Jahr lang haben sie im Rahmen einer Qualifizierungsinitiative zur fachlichen und überfachlichen Förderung junger Ingenieurstudierender und Young Professionals des VDI Deutschland und des VDI Brazil gemeinsam an einem Projekt zum Thema Food Security gearbeitet. Gefördert hat es die Reinhard Frank-Stiftung, die den VDI seit Jahren immer wieder bei der Durchführung solcher Projekte unterstützt.

Nachhaltig aus dem 3-D-Drucker

Nun dürfen sie die Ergebnisse ihrer Arbeit den rund 400 Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vorstellen. Ihre Idee: eine erschwingliche Gemüsebox, mit der Vertical Farming für den Eigenbedarf sowohl in Deutschland als auch in Brasilien möglich ist.

Den Projektabschluss bildete eine gemeinsame Woche in São Paulo Ende Oktober. In den Räumlichkeiten der Mauá Universität gab das binationale Team dem Prototypen den letzten Feinschliff. „Wir möchten mit dem eigenständigen Anpflanzen von Gemüse Verbrauchern die Nahrungsproduktion bewusst machen. Der Anbau von Nahrungsmitteln geschieht rein ökologisch, da keinerlei Pestizide eingesetzt werden. Außerdem wird nur das angepflanzt, was wirklich gebraucht wird. So reduziert man gleichzeitig Abfall“, erklärt Lukas Hoppe aus dem Projektteam die Vorteile der Box. Über ein geschlossenes System ließe sich sowohl die Bewässerung, das Licht, als auch die Temperatur automatisch steuern. „Die Box haben wir mit nachhaltigen Materialien konzipiert und im 3-D-Drucker hergestellt.“

Sponsoren gesucht

Das Ziel: die tatsächliche Anwendung. Nicht zuletzt freuten die Teammitglieder sich daher – neben ihrer öffentlichen Präsentation auf dem deutsch-brasilianischen Ingenieurtag –, ihre Arbeit beim Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland, Axel Zeidler, in São Paulo Vertretern deutscher Unternehmen mit Sitz in Brasilien vorzustellen. „Wir würden uns sehr freuen, Sponsoren für unsere Box zu gewinnen“, heißt es aus der Projektgruppe. Ein Marketingkonzept haben die Studierenden daher gleich mitentwickelt.

Neben den technischen Skills stellten sie dadurch vor allem ihre Fähigkeiten auf fachfremden Gebiet unter Beweis. „An der Uni lernen wir überwiegend technisches Know-how. Das Projekt hat mich vor allem in Sachen Projektmanagement weitergebracht“, erzählt Christina Bauer, Absolventin der Verfahrenstechnik an der Uni Erlangen-Nürnberg. „Außerdem hat uns die internationale und interdisziplinäre Arbeit gezeigt, wie wichtig eine möglichst genaue Kommunikation im Team ist. Gerade dann, wenn Englisch von niemandem die Muttersprache ist, kann es schnell zu Missverständnissen kommen“, berichtet sie von ihren Erfahrungen mit der internationalen Teamarbeit. Trotz der sprachlichen und teils kulturellen Barrieren sowie vor allem der geografischen Entfernung seien über die gesamte Projektlaufzeit tiefe Freundschaften entstanden.

Vertcal Farming in größerem Stil

Wie Vertical Farming im etwas größeren Stil aussieht, schaute sich die Projektgruppe bei Fazenda Cubo in São Paulo an. Dort arbeitet der 30-jährige Paulo mit seinem Vater und zwei weiteren Angestellten. Der studierte Umweltingenieur hat hinter seiner kleinen Ladentheke zur Straße ein vertikales Gewächshaus, in dem vom Fenchel über Rucola bis hin zu Spinat alles wächst. Bis zu 300 kg Gemüse werden hier monatlich produziert. Die Ernte verkauft Paulo an umliegende Restaurants. Ein gut laufendes Geschäft, das allerdings viel Vorarbeit benötigte: „Ich habe zu Beginn unzählige Gespräche mit Restaurantbetreibern geführt, um mein Angebot genau auf die Bedürfnisse anzupassen.“ Ab 7 Uhr steht er jeden Morgen in seiner Vertical Farm und erprobt immer wieder neue Techniken für Bewässerung, Licht, Kühlung und Anbau. „Meine Farm ist Produktion und Labor in einem.“ Derzeit experimentiere er mit unterschiedlichen Materialien als Nährboden. „Eine Lösung könnte Kokos­erde sein“, erklärt Paulos Vater.

Nach der Woche nahmen die Studierenden eine Fülle fachlicher Impulse mit nach Hause. Denkbar wäre ebenfalls eine App zur Steuerung der klimatischen Verhältnisse in ihrer Box. Dafür besuchten sie das Digital Experience Center von Siemens, in dem große Datenströme gemessen und gesteuert werden. „Für die berufliche Entwicklung der Projektmitglieder waren die Erfahrungen äußerst hilfreich. Ein Projekt inklusive Prototyp über solch eine Distanz zu realisieren, bedarf jeder Menge Disziplin, Kommunikation und Know-how“, gratuliert Thomas Kiefer, VDI-Projektkoordinator in Deutschland, dem Team zu seiner Leistung.

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