VDI 29. Dez 2022 Von Ken Fouhy

Volker Kefer: VDI-Präsident zieht Bilanz

Zum Ende seiner Amtszeit zieht VDI-Präsident Volker Kefer Bilanz. Viel Lob gibt es, wie auch Vorschläge für weitere Veränderung.

Bisheriger VDI-Präsident: Finanziell gut aufgestellt, übergibt Volker Kefer am 1. Januar den VDI e. V. an seinen Amtsnachfolger Lutz Eckstein.
Foto: Catrin Moritz/VDI

VDI nachrichten: Herr Kefer, Sie waren vier Jahre Präsident der größten wissenschaftlich- technischen Vereinigung Europas. Was waren in der Zeit die wichtigsten Projekte?

Kefer: Als Verein die Pandemie unbeschadet zu überstehen, war die größte Herausforderung – das ist uns auch gut gelungen. Wir haben wegbrechende Einnahmen weitgehend kompensieren können, indem wir die Kosten zurückgeschnitten haben. Wir haben uns auch gleichzeitig Gedanken gemacht, wie wir zukünftig Liquiditätsengpässe oder eine Aufzehrung des Eigenkapitals vermeiden. Hierzu haben wir zwei Ansatzpunkte entwickelt. Der eine war, dass wir gesagt haben, der VDI e. V. muss kostenmäßig mit seinen Einnahmen selbstständig auskommen und sich nicht dauerhaft von entsprechenden Ergebnissen aus den Beteiligungs-GmbHs finanzieren. Und der zweite war, dass wir gesagt haben, das Ergebnis der GmbHs kann vom VDI e. V. erst abgenommen werden, wenn dieses tatsächlich feststeht, und nicht, wie in der Vergangenheit, wenn es erst als Planergebnis verbucht war. Heute ist dieses Verfahren im VDI eingeführt, wenn auch noch nicht fest etabliert. Es ist von der Vorstandsversammlung entsprechend beschlossen worden. Aber was ich feststelle ist, dass die Akzeptanz noch nicht in voller Breite im Verein gegeben ist. Es gibt immer noch Teile des VDI, die der Ansicht sind, dass man wieder zum alten System zurückgehen sollte. Ich bin der Ansicht, dass man das aus den geschilderten Gründen nicht tun sollte und weil es für den VDI insgesamt zur solideren Wirtschaftsführung und Finanzführung führt.

Digitalisierung des Deutschen Ingenieurtags

Eine große Leistung war der erstmalig digital durchgeführte Deutsche Ingenieurtag im Jahr 2021. Für die Zukunft heißt das: That‘s the way to go, denn digital hatten wir mehr als 7000 Teilnehmende im Vergleich zu etwa 1400 bei vergangenen Präsenzveranstaltungen. Im Jahr 2023 werden wir am 25. Mai den Deutschen Ingenieurtag als eine Hybridveranstaltung durchführen. Dort werden wir das Beste aus der realen und der virtuellen Welt erleben.

Eine weitere große Leistung war die Erneuerung der VDI-Marke mit der Markenpositionierung, die wir in diesem Jahr begonnen haben und die weiter fortgeführt werden muss, um den VDI als moderne und attraktive Heimat für Ingenieurinnen und Ingenieure zu festigen.

Welche Änderungen sind Ihrer Meinung nach noch im VDI notwendig?

In der Vorstandsversammlung Ende dieses Jahres haben wir eine Reihe von Punkten aufgerufen, von denen ich der Ansicht bin, dass der VDI Veränderungsbedarf hat. Ich halte die jungen Leute und den weiblichen Anteil an der Vorstandsversammlung für unterrepräsentiert.

Änderung in der Vorstandsversammlung

Ich sage das so deutlich, weil wir wissen, dass wir in der Größenordnung 30 000 jüngere Mitglieder haben, die bei 100 Teilnehmenden in der Vorstandsversammlung nur eine Stimme haben. Das ist nicht angemessen und nicht repräsentativ.

Bei den Frauen ist es ein bisschen besser. Aber es ist ebenfalls noch ein deutliches Stück entfernt von dem, was man dort tun müsste, damit auch eine angemessene Repräsentation der Frauen im VDI gegeben ist. Ich glaube, dass man auch in der Satzung einiges ändern muss, um der heutigen Situation Rechnung zu tragen. Das geht los mit der Klärung der Rollen, die die Vorstandsversammlung, das Präsidium, die Geschäftsführung der Hauptgeschäftsstelle hat und die die Bezirksvereine zukünftig haben.

Das Dritte ist, dass man in der Art der Zusammenarbeit ebenfalls zu einem anderen Modus finden muss. Ich glaube, dass die Vorstandsversammlung schlichtweg zu groß ist, um operative Entscheidungen zu treffen und dafür zu selten tagt. Wir müssen uns, wenn wir schneller werden wollen, Strukturen schaffen, um schneller zu Entscheidungen zu kommen. Es kann nicht sein, dass wir jedes Mal die Vorstandsversammlung einberufen, wenn Entscheidungen anstehen. Das muss entweder delegiert werden oder es muss entsprechende Ausschüsse geben.

Mehr Bedeutung in der Öffentlichkeit

Zudem brauchen wir inhaltlich nach wie vor eine verstärkte Wirkung nach außen. Wir wissen, dass wir als VDI ein hohes Ansehen in der Öffentlichkeit genießen. Wir wissen auch, dass wir einen relativ guten Verbreitungsgrad haben. Wir wissen aber auch, dass wir eigentlich gemäß dieser Bedeutung, die wir uns selbst zuschreiben, in der Öffentlichkeit zu wenig gehört werden.

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