Bereinigtes Ebit liegt bei minus 1,6 Mrd. €, 11 000 Stellen fallen weg 19. Nov 2020 Von Claudia Burger

Thyssenkrupp: Stellenstreichung fast verdoppelt

Der Stellenabbau beim Stahlkonzern Thyssenkrupp wird deutlich umfangreicher ausfallen als bisher bekannt. Insgesamt werden 11 000 Stellen gestrichen. Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen. Ein Verkauf des Stahlbereiches schließt Thyssenkrupp nicht aus.


Foto: thyssenkrupp AG

Hiobsbotschaft aus Essen: Das einstige Vorzeigeunternehmen Thyssenkrupp wird in den kommenden drei Jahren 5000 weitere Stellen streichen, zusätzlich zu den bereits bekannten 6000. Auch betriebsbedingte Kündigungen werden dabei laut Unternehmensangaben nicht mehr ausgeschlossen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20 (Stichtag ist dabei der 30. September) rutschte der Konzern tief in die roten Zahlen. Vor allem das Stahl- sowie das Zuliefergeschäft liefen schlecht, nachdem im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie die Nachfrage vor allem aus der Automobilindustrie eingebrochen war. Das bereinigte Ebit lag laut Konzern mit minus 1,6 Mrd. € erwartungsgemäß unter dem Vorjahreswert (minus 110 Mio. €). „Die nächsten Schritte können schmerzhafter werden als die bisherigen. Wir werden sie dennoch gehen müssen“, sagte Vorstandschefin Martina Merz (Foto) angesichts der Situation, die heute auf der Bilanzpressekonferenz vorgestellt wurde: Thyssenkrupp müsse die Schlagzahl seines Umbaus erhöhen. Das Stahlgeschäft steuerte mit einem Verlust von fast 1 Mrd. € den größten Teil zum Minus bei. Für das Geschäftsjahr 2019/2020 weist Thyssenkrupp (inkl. nicht fortgeführter Aktivitäten) nach eigenen Angaben einen Jahresüberschuss von 9,6 Mrd. € auf (Vorjahr: minus 260 Mio. €). Darin enthalten ist der erzielte Gewinn aus dem Verkauf des Aufzuggeschäfts von rund 15. Mrd €.

Ein Verkauf des Stahlbereichs ist nicht ausgeschlossen

Zur Situation im Stahlbereich gebe es auch Gespräche mit der Regierung. Es würden verschiedene Optionen geprüft. „Sie werden verstehen, dass wir zum Optionenraum heute aber keine weitergehenden Aussagen treffen. Sie wissen, ein erstes, nicht-bindendes, indikatives Angebot von Liberty Steel liegt uns vor. Das prüfen wir gerade eingehend. Dabei gilt wie immer: Wir gehen ergebnisoffen an alle Optionen heran. Und: Ja, wir brauchen eine Lösung – je eher, desto besser. Dennoch werden wir uns nicht zu Schnellschüssen verleiten lassen. Eine solche Richtungsentscheidung muss gut vorbereitet sein. Wir rechnen damit, dass wir im Frühjahr 2021 Klarheit über die weitere Vorgehensweise haben werden“, sagte Finanzvorstand Klaus Keysberg.

Betriebsbedingte Kündigungen sollen „Ultima Ratio“ sein

Durch die im letzten Jahr begonnenen und umgesetzten Restrukturierungen seien von den 11 000 genannten Stellen bereits etwa 3600 Stellen realisiert. Oliver Burkhard, Personalvorstand der Thyssenkrupp AG: „Wir befinden uns mitten im größten Restrukturierungsprozess seit Bestehen von Thyssenkrupp. Dazu gehört auch ein weiterer Stellenabbau, daran führt leider kein Weg vorbei. Wir werden das gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern vor Ort angehen und passende Instrumente finden – je nach Ausmaß und Härte der wirtschaftlichen Lage. Betriebsbedingte Kündigungen sind nach wie vor die Ultima Ratio. Wir können sie im Moment aber nicht ausdrücklich ausschließen.“ Die IG Metall lehnt die zusätzlichen Stellenstreichungen ab. „Kostenreduzierungen, die sich auf Personalabbau und Mitarbeiterbeiträge konzentrieren, lehnen wir ab. Ein solches Vorgehen ist kontraproduktiv für die Motivation in den einzelnen Geschäften von Thyssenkrupp. Deshalb lehnen wir konzernweite Abbauprogramme ab“, sagte Jürgen Kerner, Hauptkassierer der Gewerkschaft und Vizechef des Aufsichtsrats von Thyssenkrupp, der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.

Merz gab auch bekannt, dass bei Grobblech eine Schließung deutlich wahrscheinlicher sei, da sich kein Interessent mehr im Bieterprozess befindet. Für eine Schließung des Standorts Hüttenheim gebe es laut Merz bereits Regelungen.

Restrukturierung des Geschäftsbereichs System Engineering

Gleichzeitig gab das Unternehmen bekannt, dass mit Gewerkschaftsvertretern eine Einigung zur Restrukturierung der deutschen Standorte des Geschäftsbereichs System Engineering erzielt wurde. Dazu hätten sich die Tarifpartner auf eine Rahmenvereinbarung und einen Sozialplan für die insgesamt sieben betroffenen Standorte in Deutschland geeinigt. Das Verhandlungsergebnis sehe einen sozial verträglichen Abbau von insgesamt 385 Stellen an diesen Standorten vor. Felix Bader, Geschäftsführer Personal und Arbeitsdirektor bei Thyssenkrupp System Engineering: „Mit der erzielten Einigung haben wir einen wichtigen Meilenstein bei der Teilung und Neuaufstellung des automobilen Anlagenbaus von Thyssenkrupp erreicht. In Rekordzeit haben wir ein tragfähiges Restrukturierungskonzept abgeschlossen, das den neuen Geschäftseinheiten, die aus der Teilung hervorgehen, eine wettbewerbsfähige Startposition als eigenständige Unternehmen ermöglicht.“ Anfang Oktober wurde die operative Teilung des automobilen Anlagenbaus bei Thyssenkrupp gestartet. Die bisherige Business Unit System Engineering wurde dazu im laufenden Geschäftsjahr kaufmännisch, operativ und rechtlich in zwei eigenständige Geschäftseinheiten aufgeteilt. Zukünftig werde es einen auf Karosseriemontage spezialisierten Anlagenbauer geben, der weiterhin im automobilen Zuliefer- und Servicesegment (Automotive Technology) von Thyssenkrupp geführt wird. Die bisherigen Aktivitäten im Bereich der Antriebs- und Batteriemontage werden laut Bader in einem Unternehmen gebündelt, das zum Portfoliosegment (Multi Tracks) von Thyssenkrupp gehört. Sowohl die Teilung des Unternehmens als auch ein durch die Coronakrise drastisch verschärfter Einbruch des Auftragseingangs im zurückliegenden Geschäftsjahr machten laut Thyssenkrupp eine Restrukturierung im In- und Ausland notwendig.

Standorte Baden-Württemberg, Saarland und Hessen betroffen

Im Zuge der Restrukturierung werden im Karosserieteil des Unternehmens 157 Stellen an Standorten in Baden-Württemberg, dem Saarland und Hessen wegfallen. Auf den Antriebs-und Batterieteil entfällt ein weiterer Abbau von 228 Stellen an Standorten in Bremen und Sachsen. Ein wesentlicher Baustein sei dabei die Bündelung aller Aktivitäten für Speichertechnologien am Standort Chemnitz. Bisher betreibt das Unternehmen in Hohenstein-Ernstthal noch einen zweiten Standort für Batteriemontage in Sachsen. Die dortigen Aktivitäten sollen laut Bader bis zum Ende des Geschäftsjahres vollständig nach Chemnitz verlagert werden. Aus dem Marktrückgang und der Zentralisierung der Speichertechnologien an einem Standort ergebe sich ein Abbaubedarf von 154 Stellen in Hohenstein-Ernstthal und Chemnitz.

Die Business Unit System Engineering betreibt laut Thyssenkrupp in Deutschland derzeit neun Entwicklungs-und Produktionsstandorte. In Bremen und Langenhagen (Niedersachsen) entwickelt und fertigt das Unternehmen Montage- und Testanlagen für Verbrennungs-, E-Motoren und Brennstoffzellen. An den Standorten Heilbronn (Baden-Württemberg), Lockweiler (Saarland) und Burghaun (Hessen) werden Montageanlagen für den Karosseriebau entwickelt und produziert. Zudem betreibt das Unternehmen in Hohenstein-Ernstthal und Chemnitz (Sachsen) zwei Werke für Batteriemontageanlagen. An den Standorten Mühlacker und Weinsberg (Baden-Württemberg) werden darüber hinaus Leichtbaulösungen für Fahrzeuge entwickelt und in Serie gefertigt. Insgesamt sind in Deutschland derzeit knapp 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im automobilen Anlagenbau bei Thyssenkrupp beschäftigt.

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