Hays Fachkräfte-Index 31. Jan 2024 Von Peter Steinmüller Lesezeit: ca. 3 Minuten

Arbeitsmarkt für Ingenieure zieht nach langer Zeit wieder an

Die Nachfrage nach Ingenieuren liegt weiterhin unter der für Fachkräfte insgesamt. Insbesondere Bauingenieure, Projektmanager und Konstrukteure sind jedoch gesucht.

Zwar sind die Aussichten auf dem Ingenieurarbeitsmarkt nicht berauschend, aber Projektingenieurinnen und -ingenieure werden weiterhin gesucht.
Foto: panthermedia.net/ goodluz

Trotz schrumpfender Wirtschaft und anhaltender Krisen zog die Nachfrage nach Fachkräften im letzten Jahresviertel 2023 leicht an. Nachdem die Zahl der Stellenausschreibungen zwei Quartale in Folge rückläufig war, scheint der Abwärtstrend nun vorerst gestoppt. Mit einem Zuwachs von acht Prozentpunkten (PP) verzeichnet der Fachkräfte-Index im vierten Quartal wieder mehr Stellengesuche. Wobei der Wert von 117 % im Jahresvergleich immer noch um 11 PP unter dem Vorjahresquartal liegt. Obwohl die absolute Zahl an ausgeschriebenen Stellen um knapp 5 % niedriger ist als vor einem Jahr, befindet sich die Nachfrage insgesamt auf einem sehr hohen Niveau.

Unternehmen suchen wieder mehr Ingenieurinnen und Ingenieuren

Bei Ingenieurinnen und Ingenieuren verzeichnet der Index nach sechs Quartalen erstmals wieder leichte Zuwächse (+6 PP) und klettert auf 96 %, liegt damit allerdings deutlich unterhalb der Gesamtnachfrage. Gleiches gilt für die Stellenangebote für Bauingenieure. Mit einem Nachfrageplus von 3 PP lässt sich nach dem zuvor stetig rückläufigen Suchvolumen bei dieser zahlenmäßig stark vertretenen Berufsgruppe zumindest eine vorsichtige Trendwende beobachten. Stärker steigt die Zahl der offenen Positionen für Projekt- und Konstruktionsingenieuren (+28 PP bzw. +24 PP). Die Nachfrage nach Verfahrens- und Prozessingenieuren schwächt sich hingegen weiter ab.

Energiekosten und politische Risiken halten Unternehmen von der Einstellung von Ingenieuren ab

„Wir spüren insgesamt betrachtet, nach wie vor eine hohe Zurückhaltung bei Neueinstellungen, trotz einiger Ausreißer, beispielsweise bei den Projektingenieuren“, erklärt Rene Gruner, Division Manager Digital Technology and Engineering bei Hays. „Das liegt daran, dass hohe Energiekosten und der unsichere politische Rahmen wenig Anlass für mittel- oder langfristige Personalplanung geben. Wir beobachten das beispielsweise im Automobilsektor, wo kürzlich gestrichene Subventionen für Greentec /E-Mobility durch die fehlende Finanzierung auch die Personalsituation belastet. Gleichzeitig bemerken wir einen wachsenden Bedarf nach Hochtechnologien wie der künstlichen Intelligenz, integriert in Produkte und Services. Hier sind vor allem Projekt-/Betriebsingenieure gefragt.“

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Die Jobchancen für Projektingenieure sind laut Gruner besonders im Maschinenbau und der Automobilbranche sehr gut. „Hier gibt es zum einen gute Entwicklungsmöglichkeiten aber auch entsprechend attraktive Zusatzleistungen, wie flexible Arbeitsmöglichen, finanzielle Anreize und Gesundheitsangebote.“

Den höchsten Anstieg von Stellenausschreibungen gab es bei Finance

Wesentlich besser als in der Industrie steht es um Stellenausschreibungen im Bereich Finance: Die Berufsgruppe führt den Index mit einem überdurchschnittlichen Nachfrageplus von 17 Prozentpunkten nun wieder deutlich an und liegt mit 135 % auf dem dritthöchsten Wert seit Beginn der Erhebung. Insbesondere Tax Manager (+31 PP), Finanzbuchhalter (+29 PP) und -berater (+29 PP) werden in Q4 verstärkt gesucht. Auch an die zahlenmäßig stark vertretenen und sehr begehrten Controller richten sich wieder mehr Stellengesuche als im Vorquartal (+ 18 PP).

Während im dritten Quartal die Zahl der ausgeschriebenen Positionen für den Bereich IT erstmals seit über zwei Jahren unter die Grenze von 100 000 Stellengesuchen gefallen war, verzeichnet der Fachkräfte-Index im letzten Jahresviertel einen Zuwachs von 10 PP und steigt damit wieder über diese Marke (+ 136 PP). Der Blick auf die einzelnen Berufsgruppen zeigt eine Trendwende bei den IT-Administratoren und den IT-Security-Spezialisten. Nach drastischen Rückgängen (-48 PP und -89 PP im dritten Quartal 2023) zieht die Nachfrage nach diesen beiden Berufsgruppen um jeweils 25 Prozentpunkte nun wieder deutlich an. Übertroffen wird der Nachfrageschub nur noch von den SAP-Entwicklern mit +48 %.

HR-Nachfrage: Operative Positionen bevorzugt gesucht

Bei den HR-Fachkräften ist eine Konsolidierung auf hohem Nachfrageniveau festzustellen. Verzeichnete diese Berufsgruppe in Q3 noch einen deutlichen Rückgang von 36 Prozentpunkten, beträgt dieser im aktuellen Betrachtungszeitraum nur noch 3 PP, die Nachfrage liegt damit bei 209 %. Stellenspezifisch ergibt sich ein gemischtes Bild: Nach einer zuletzt stark gesunkenen Nachfrage nach HR-Managern (-57 PP/Q3) werden nun wieder vermehrt Stellen in diesem Bereich ausgeschrieben (+34 PP). Gleiches gilt für die Personalreferenten (+7 PP). Leicht gesunken sind hingegen erneut die Stellengesuche für die zahlenmäßig stark vertretenen Recruiter (auf +284 P) und deutlich gesunken sind die für die HR-Business Partner mit einem Rückgang von 124 PP (auf +499 P).

Positive Signale mit einem Plus von 8 % vermeldet der Index auch bei der zweitgrößten Berufsgruppe, den Sales&Marketing-Spezialisten. Auch hier liegt das Nachfrageniveau mit 79 % weit unter dem Durchschnitt in Q 3 und zudem auf dem zweitniedrigsten Wert seit zwei Jahren. Deutliche Spitzenreiter in der Nachfrage sind die Social-Media-Manager mit einem Anstieg von 52 PP auf das enorm hohe Niveau von 615 %. Auch Content- und Key-Account-Manager werden verstärkt gesucht (+22 bzw. + 17 PP).

Der Hays Fachkräfte-Index basiert auf einer quartalsweisen Auswertung der index Internet und Mediaforschung GmbH. Einbezogen werden Stellenanzeigen der meistfrequentierten Online-Jobbörsen, von Tageszeitungen sowie dem Business-Netzwerk Xing. Der Fachkräfte-Index zeigt die prozentuale Veränderung zum Ausgangswert vom 1. Quartal 2015 an.

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