Aufgaben in der Fertigungs- und Produktionstechnik 19. Nov 2021 Von Chris Löwer

Fachkräfte für Automatisierung gesucht

Automation, Digitalisierung und Vernetzung wandeln die Fertigungs- und Produktionstechnik grundlegend – und damit die Anforderungen an die Fachkräfte.

Ein anspruchsvoller Job: Fachkräfte in der Automatisierungs- und Fertigungsindustrie brauchen interdisziplinäres Know-how.
Foto: PantherMedia / Gorodenkoff

Die Automatisierungs- und Fertigungstechnik erfindet sich neu – was klassisch ausgebildete Kräfte, sozusagen jene aus der Abteilung „Mechanik“, zu spüren bekommen. Und Firmen sowieso. „Insbesondere die Industrieunternehmen stellen vermehrt fest, dass für Industrie-4.0-Anwendungen Skills vonnöten sind, die nur über Vertreter grundverschiedener Ausbildungen abgedeckt werden können“, sagt Jean Haeffs, Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik. „Den Ingenieur zu Industrie 4.0 gibt es nicht!“ Denn dafür seien sehr verschiedene Kenntnisse zu Netzwerk, Data-Science, Analyse, Automatisierung, Big Data … gefordert. Haeffs: „Das sind zudem grundverschiedene Charakteristika von Menschen, die solche Studienausrichtungen ergreifen.“

Das gesuchte Skillset verändert sich

Auch wenn sich niemand eine eierlegende Wollmilchsau backen kann, lässt sich sehr klar ausleuchten, welche Kräfte und Fähigkeiten gefragt sind. Zunächst: Fertigungsingenieure werden unverändert stark nachgefragt. Das belegen Fachkräfteindizes des Personalvermittlers Hays. „Allerdings verändert sich das gesuchte Skillset sukzessive“, berichtet Katharina Hain, Senior Department Manager bei Hays. Die steigende Komplexität und Intelligenz von Maschinen mitsamt deren Mess- und Steuerungsmöglichkeiten stelle vor allem Fachkräfte im Bereich Fertigungsplanung und -steuerung vor neue Herausforderungen. „Ihr Fachwissen allein wird künftig nicht mehr ausreichen. Sie müssen sich zunehmend mit neuen Aufgabenfeldern ‚anfreunden‘“, weiß Hain.

Know-how aus dem Ingenieurwesen und der IT nötig

Um Maschinen zu vernetzen und entsprechende Systemwelten dafür zu entwickeln, bräuchten sie zunehmend integriertes Wissen aus den Disziplinen Softwareentwicklung und Ingenieurwesen. Hain: „Diese Berufsbilder werden früher oder später zusammenlaufen, womit sich ihre jeweilige Qualifizierung auch deutlich verändern dürfte.“

Der Fertigungsingenieur oder -ingenieurin müsse Prozesse überwachen und managen, brauche aber auch Kenntnisse zur Entwicklung einer Maschine. Softwareentwickler programmieren, müssten gleichzeitig aber auch die Kundenerwartungen managen können.

„Wenn es um Trends in der Automatisierung und Fertigungstechnik geht, sehen wir aktuell eine starke Entwicklung in Richtung künstlicher Intelligenz“, berichtet Hain. Vor allem im Bereich intelligenter Wartungssysteme, also der vorausschauenden Instandhaltung von Maschinen.

Werden Probleme hier nicht rechtzeitig erkannt, kommt es nicht nur zu hohen Wartungs- und Reparaturkosten, sondern möglicherweise zu Produktionsausfällen in Millionenhöhe. „Wer hier rechtzeitig auf Datenanalyse oder selbstlernende Systeme wie die künstliche Intelligenz setzt, wirtschaftet langfristig effizienter und riskiert keine Kostenexplosion“, betont Hain. Im Kommen sei überdies die virtuelle Inbetriebnahme über Simulationstechniken vor der On-Site-Inbetriebnahme.

Vernetzung von Systemen verschiedener Anbieter ist eine Herausforderung

Für Johannes Korablin, Head of Automation beim Exoskeletthersteller Ottobock, ist das Megathema die Vernetzung von Systemen verschiedener Anbieter in der Automatisierungs- und Fertigungstechnik. Darüber hinaus, so Korablin, Maschinenkonfiguration sowie Steuerung und Service über Cloud-Dienste aus der Ferne. „Ein weiterer Trend sind die echtzeitfähige Datenerfassung von großen Datenmengen, Stichwort: Big Data, und flexible, automatisierte sowie einfach konfigurierbare Analysewerkzeuge ohne großen Programmieraufwand“, ergänzt Korablin. Ottobock hält insbesondere nach Kräften Ausschau, die in Sachen künstlicher Intelligenz, Machine Learning, Nutzung von Blockchain-Technologien im Kontext von Industrie 4.0 sowie Data-Analyse in der Automatisierungstechnik sattelfest sind.

Aber wie tief müssen Ingenieurinnen und Ingenieure in solche Themen eintauchen? „Sehr tief“, sagt Haeffs, „aber das können klassisch ausgebildete Ingenieure nicht alleine, das muss und kann nur ein Team. Und die Protagonisten einer solchen Gruppe sprechen oft nicht mal dieselbe ‚Sprache‘, heißt, das Wording der Spezialisten ist oft sehr verschieden.“ Das heißt auch: Zumindest ansatzweise sollte man sich fachsprachlich in andere (IT-)Welten einfuchsen.

Interkulturelle Kompetenzen und Sprachkenntnisse spielen eine Rolle

„Es ist nicht so, dass ein Ingenieur am Ende ein Softwareentwickler wird“, beruhigt Hain. „Aber wenn es um die automatisierte Steuerung großer Anlagen geht, sollten alle am Projekt beteiligten Ingenieure, IT-Experten und Datenanalysten Querschnittswissen aus den jeweils anderen Disziplinen mitbringen.“ Etwa im Bereich Embedded Software Programming oder Engineering Robotics oder auch der Datenanalyse. Hain: „Damit einher gehen natürlich auch Soft Skills wie interkulturelle Kompetenzen und Sprachkenntnisse sowie agiles Denken und Handeln. Denn die Steuerung großer Anlagen wird meist von internationalen Teams verantwortet.“

Die Qualifikationsanforderungen sind also hoch. Ein anspruchsvoller Job, der sich künftig womöglich mit dem Grad der Automatisierung zumindest in Teilen überflüssig macht? So weit möchte Hain nicht gehen: „Flächendeckende Automatisierung reduziert die Anzahl der Beschäftigten. Demgegenüber entstehen wieder neue, höherwertige Tätigkeiten. Allerdings nicht in gleichem Maße.“ Dieses Spannungsfeld sollte stärker in den Fokus gerückt werden, um entsprechende Weiterbildungsangebote zu entwickeln. Denn auch für die höherwertigen Tätigkeiten bräuchten Unternehmen Kompetenzen, die sie noch nicht zur Verfügung hätten.

„Automatisierung vernichtet keine Arbeitsplätze, sondern erhält im Gegenteil Unternehmen am Leben.“ Jean Haeffs, Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik

Denn das geforderte Skillset ist nicht nur in Produktionshallen gefragt. „Und der demografische Wandel übt noch zusätzlich Druck auf den Kessel aus“, warnt Haeffs. „In den nächsten fünf bis zehn Jahren gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Ruhestand – über alle Branchen und Hierarchieebenen hinweg.“ Aus dieser Sackgasse führt aus Haeffs Sicht nur die Automatisierung: „Sie vernichtet keine Arbeitsplätze, sondern erhält im Gegenteil Unternehmen am Leben, weil sie die entstehenden Lücken füllt und Mitarbeiter ersetzen kann.“

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