Arbeitsmarkt: Agrarwirtschaft setzt auf Digitalisierung 08. Nov 2021 Von Chris Löwer

Landtechnik bietet Ingenieurinnen und Ingenieuren Chancen

Tablet statt Trecker: Die Automatisierung der Feldarbeit ist in vollem Gange und eröffnet Ingenieurinnen und Ingenieuren ausgezeichnete Karrierechancen.

Agrarrobotertechnik, Drohnensysteme, 3-D-Assisstenzsysteme und Feldsensortechnik sind Bestandteile der modernen Landtechnik.
Foto: PantherMedia/Andriy Popov

CAD kennt jede und jeder. Aber CAF? Hierbei geht es nicht um computergestützte Konstruktion, sondern um „Computer-Aided Farming“, um Rechenpower statt Bauernpower auf dem Acker. Klar, Landwirte werden auch künftig nicht arbeitslos sein oder zu reinen Büroarbeitern, aber ihr Job wandelt sich gerade dramatisch. Er wird digitaler. Den Boden dafür bereiten Ingenieurinnen und Ingenieure, die den technologischen Kulturwandel vorantreiben.

„Sowohl die Softwaresteuerung von Baugruppen in Landmaschinen als auch deren vernetzungsbasiertes Management hält heute Einzug in die Landwirtschaft“, erklärt Andreas Herrmann vom VDI-Fachbereich Max-Eyth-Gesellschaft Agrartechnik. So seien beispielsweise die autonome Spurführung von Landmaschinen und der Einsatz von Melk­robotern schon längere Zeit nichts Besonderes mehr in den Betrieben. Hermann: „Digitalisierung und verbesserte Sensorik sind die Treiber bei der Technikentwicklung in der Landwirtschaft.“

Ein komplexes Berufsfeld, das immer IT-lastiger wird

Vernetzung, Datenanalyse und Robotik sind eben nicht nur der Industrie vorbehalten. „Schon heute ist die Landtechnik ein sehr komplexes Berufsfeld und wird sich in Zukunft noch weiterentwickeln, wenn beispielsweise Agrarrobotertechnik, Drohnensysteme zur Geländevermessung, 3-D-Assisstenzsysteme, Feldsensortechnik breit eingesetzt werden“, sekundiert Torsten Grantz vom Bundesverband Landbautechnik. „Kurz gesagt, der Beruf wird für Ingenieure und Mechatroniker IT-lastiger, was ihn noch vielfältiger und abwechslungsreicher macht.“ Schon heute pflücken Roboter als kostengünstige Erntehelfer Erdbeeren oder beteiligen sich an der Weinlese, wobei sie dank ihrer Scanner und Rechner genau zwischen reifen und unreifen Früchten unterscheiden können. Und natürlich fahren Roboter nicht mit Dieselantrieb über die Äcker, sondern elektrisch – satellitengesteuert, zentimetergenau entlang der Fahrfurchen. Dabei erfassen sie etliche Daten automatisch, wie Feuchte, Temperatur, Nährstoffversorgung oder Wachstumszustand der Pflanzen. Selbst Blattgröße und -farbe, Fruchtgröße und -form sowie der Chlorophyllgehalt werden bestimmt und automatisiert analysiert.

Im Blick: „Precision Farming“, also das hochgenaue Bewirtschaften von Böden

Landwirtschaft: Agrarrobotertechnik, Drohnensysteme, 3-D-Assisstenzsysteme und Feldsensortechnik sind im Kommen.


Foto: VDI

„Digitalisierung und verbesserte Sensorik sind die Treiber bei der Technikentwicklung in der Landwirtschaft.“ Andreas Herrmann, VDI-Gesellschaft Technologies of Life Sciences, Fachbereich Max-Eyth-Gesellschaft Agrartechnik

All das ermöglicht „Precision Farming“, also das hochgenaue Bewirtschaften von Böden, durch das beispielsweise nur da gepflanzt wird, wo Flächen fruchtbar sind und exakt dosiert gedüngt werden kann. „In der Landwirtschaft nimmt der Technikeinsatz eine zentrale Stellung ein. Agraringenieurinnen und Agraringenieure müssen daher Investitionen planen und Investitionsentscheidungen treffen“, erklärt Andreas Herrmann vom VDI. „Für die konkreten betrieblichen Bedingungen sind angepasste Landtechnik und effiziente Maschinenketten in den Bereichen Pflanzenbau und Tierhaltung auszuwählen.“ Hochkomplexe Maschinensysteme, die unter komplizierten Einsatzbedingungen eingesetzt werden und sich in kurzen Zeiträumen amortisieren sollen, müssen Ingenieurinnen und Ingenieure entwickeln und managen. Nicht zuletzt müssen dabei, so Herrmann, ökologische und ökonomische Aspekte berücksichtigt werden.

Welche beruflichen Perspektiven sich dabei Landtechnikingenieurinnen und -ingenieurinnen eröffnen, umreißt Bernd Scherer, VDMA-Geschäftsführer Landtechnik: „Ob sie als Konstrukteur Maschinenelemente für mechanische oder hydraulische Baugruppen entwickeln, als Versuchsingenieur im Feldeinsatz den neuesten Prototypen erproben, als Softwareingenieur ein Farmmanagementsystem aufs Gleis setzen oder als Produktmanager eine interdisziplinäre Schnittstellenfunktion zwischen den Abteilungen im Unternehmen wahrnehmen – immer geht es um ganzheitliche Lösungen, die das Produkt und den Prozess voranbringen.“

Bernd Scherer istMitglied der Hauptgeschäftsführung, Geschäftsführer VDMA Landtechnik und VDMA Feuerwehrtechnik.
Foto: VDMA

„Dass sämtliche Positionen auch auf internationaler Ebene möglich sind, zeigt, dass motivierten Ingenieuren und Informatikern in der Landmaschinenindustrie auch in der persönlichen Weiterentwicklung alle Türen offenstehen.“ Bernd Scherer, Mitglied der Hauptgeschäftsführung, Geschäftsführer VDMA Landtechnik und VDMA Feuerwehrtechnik

Fachkräftemangel trifft auch Firmen wie Claas

Aktuell seien Agraringenieurinnen und -ingenieure in den Bereichen Produktmanagement, Marketing, Service und Vertrieb der Landmaschinenindustrie ebenso gefragt wie als Betriebsleiter oder technischer Leiter von Landwirtschaftsbetrieben, berichtet Herrmann. Beim Landmaschinenhersteller Claas herrscht zurzeit besonderer Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren mit Schwerpunkt Elektrotechnik, lässt die Personalabteilung wissen. „Selbstverständlich ist das technische Know-how“, sagt Corinna Eggers, Head of Corporate Employer Branding bei Claas, „aber auch Kommunikationsstärke und Empathie. Wichtig, dass als Ingenieur beides mitgebracht wird.“

Den Fachkräftemangel bekommt auch Claas zu spüren, weswegen die gesamte Klaviatur des Recruitings bespielt wird. Gelockt wird mit der Aussicht auf spannende Jobs: „Ingenieure sind bei uns ganz nah am Produkt, verantwortlich für das Gesamtprodukt – und nicht nur für eine einzelne Komponenten, wie in der Automobilindustrie.“ Die Mischung aus den Bereichen Feld, Versuch und Entwicklung lägen bei dem Unternehmen sehr eng beieinander.

Der Weg muss landwirtschaftlich Interessierte aber nicht zwingend in die Industrie führen. „Nicht zuletzt ist das breite Wissen des Agraringenieurs mit speziellen agrartechnischen Kenntnissen auch in der Beratung, in der Verwaltung und in der Entwicklungshilfe gefragt“, so Herrmann. Keine Frage: Die Kräfte seien vielseitig einsetzbar. Die deutsche und europäische Landmaschinenindustrie biete auf den Gebieten Forschung, Entwicklung und Konstruktion ebenso gute Einsatzmöglichkeiten wie die Bereiche Service, Marketing und Vertrieb. „Dass sämtliche Positionen auch auf internationaler Ebene möglich sind, zeigt, dass motivierten Ingenieuren und Informatikern in der Landmaschinenindustrie auch in der persönlichen Weiterentwicklung alle Türen offenstehen“, betont Scherer. Alles in allem ein für Ingenieurinnen und Ingenieure fruchtbares Feld, das reiche Ernte verspricht.

Ein Interview mit Bernd Scherer vom VDMA und ein Porträt von Ingenieur und Gründer Bernhard Peschak lesen Sie in den aktuelle VDI nachrichten. Peschak ist Gründer und Chef der Firma IDeAS. Seine Technologie ermöglicht es Landwirtinnen und Landwirten, Traktoren nachzurüsten und von selbst ausschwärmen zu lassen.

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