Alexander Heise von Hays über den Ingenieurarbeitsmarkt 24. Feb 2021 Von Peter Steinmüller

„Neue Jobperspektiven, aber nicht im Ausbildungsberuf“

Wie Ingenieurinnen und Ingenieure ihre Karriereplanung auf den veränderten Arbeitsmarkt ausrichten können, erklärt Alexander Heise, Director beim Personaldienstleister Hays.

"Abwarten, was passieren könnte, ist die denkbar schlechteste Variante", warnt Alexander Heise von Hays die Ingenieurinnen und Ingenieure, deren Arbeitsmarkt sich gerade verändert.
Foto: Hays

VDI nachrichten: Herr Heise, die Erholung auf dem Ingenieurarbeitsmarkt verläuft im Vergleich zu anderen akademischen Qualifikationen wie IT und Personalwesen den Zahlen Ihres Fachkräfteindex zufolge eher schleppend. Müssen sich Ingenieurinnen und Ingenieure Sorgen um ihre Karrierechancen machen?

Heise: Das kann man nicht generalisieren. Für hoch qualifizierte Fachkräfte wird es immer Beschäftigung geben. Geht es allerdings speziell um die Automobilindustrie, kann man sagen, dass hier ein großer Veränderungsdruck herrscht. Der kommt aus mehreren Richtungen: nachhaltige Kaufentscheidungen des Endverbrauchers, Sharing-Trend sowie alternative Antriebstechnologien. Zwar ist der Rückgang der Nachfrage an Antriebsingenieuren direkt auf diese Entwicklung zurückzuführen, dennoch heißt das nicht, dass hier das berufliche Fortkommen gefährdet ist. Viele betroffene Unternehmen analysieren derzeit ihre Wertschöpfungsstränge im Hinblick auf die Jobcluster. Das heißt konkret, sie machen sich Gedanken über Lösungsszenarien wie: Gibt es mittel- und langfristig Möglichkeiten, Mitarbeiter von wegfallenden Aufgaben für neu entstehende Tätigkeiten zu qualifizieren?

Diese Weiterqualifizierungen erstrecken sich nicht nur auf den eigenen Funktionsbereich, sondern auch darüber hinaus. Das bedeutet für den Ingenieur, er bekommt neue Jobperspektiven. Wenn auch nicht in seinem klassischen Ausbildungsberuf …

Sie sprechen von einem Strategie- und Kurswechsel des verarbeitenden Gewerbes aufgrund der Corona-Krise. Welche Veränderungen kommen auf die Branche zu?

Hier geht es in erster Linie um die Veränderungen der Wertschöpfungsstränge in Kombination mit der Beschäftigtenstruktur. Nehmen wir die Auswirkungen der Elektromobilität und der Digitalisierung auf die qualitative Beschäftigung. Es geht um die Effizienz, die Qualität und die Innovation. Insbesondere das verarbeitende Gewerbe sollte das miteinander in Relation setzen. Welche erkennbaren Effekte hat ein bestimmter Technologiereifegrad auf die aktuelle Beschäftigtensituation?

Der Bereich Fahrzeuglogistik wird automatisiert und durch intelligente Entscheidungshilfen, durch KI, sowie digitale Lieferdokumente stark verändert. Das hat Auswirkungen auf die Anzahl der Beschäftigten in diesem Bereich sowie auf deren bisherige Tätigkeit.

„Wichtig ist, dranzubleiben und sich zu engagieren“

Wie können sich Ingenieurinnen und Ingenieure dagegen wappnen?

Sie sollten sich für die Beschäftigung in Bereichen interessieren, die auf Basis neuer Technologien entstehen oder weiterentwickelt werden. Wichtig ist, dranzubleiben und sich dahingehend, intern wie extern, zu engagieren.

Abwarten, was passieren könnte, ist die denkbar schlechteste Variante.

Und was bedeutet das für Führungskräfte bezüglich ihrer fachlichen und sozialen Kompetenzen?

Vor allem die sozialen Kompetenzen werden großgeschrieben. Es wird tendenziell immer weniger darum gehen, dass die Führungskraft dem Mitarbeiter fachlich sagt, wo es langgeht. Da sind die Mitarbeiter meist viel stärker spezialisiert. Für die Führungskräfte wird es mehr denn je darum gehen, Vertrauen bei den Mitarbeitern aufzubauen und diese eigenverantwortlich arbeiten zu lassen. Das gilt übrigens für beide Seiten. Nur ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis ist eine solide Basis für Veränderungen. Bereits die Corona-Krise hat gezeigt, dass Führungskräfte mehr denn je in ihren sozialen Kompetenzen gefordert sind, beispielsweise wenn es darum geht, Mitarbeiter etwas stärker anzutreiben, zu motivieren oder aber ihnen Ängste zu nehmen.

„Wir überlegen uns Umschulungsmöglichkeiten für Ingenieure“

Wie stellen sich Personaldienstleister auf diese Entwicklungen ein und was bedeutet das für Ingenieurinnen und Ingenieure, die dort beschäftigt sind?

Natürlich müssen diese Entwicklungen in unserem Markt berücksichtigt werden. Zum einen konzentrieren wir unsere Sourcing Center vor allem auf Berufe und Qualifikationen, die derzeit besonders gefragt sind (wie Automatisierungsingenieure & Software- und Systementwickler). Zum anderen überlegen wir uns auch Umschulungsmöglichkeiten für Ingenieure. Nur weil konventionellere Gruppierungen in einer bestimmten Industrie nicht mehr so stark nachgefragt werden, heißt das nicht, dass diese nicht in anderen Branchen mit einer gewissen Zusatzausbildung benötigt werden. In diesem „Lift & Shift“ sehen wir ein riesiges Potenzial in Deutschland.

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