500 Firmen im Check beim Managerinnenbarometer 2021 19. Jan 2022 Von Claudia Burger

DIW: Frauenanteile in Vorständen steigen stärker als zuvor

Der Frauenanteil in den Vorständen der Top-200-Unternehmen stieg um gut drei Prozentpunkte auf fast 15 %. Das geht aus dem neuesten Managerinnenbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor.

Dem neuesten Managerinnenbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zufolge gab es im vierten Quartal des Jahres 2021 in den 200 umsatzstärksten Unternehmen 139 Vorständinnen, 38 mehr als ein Jahr zuvor.
Foto: panthermedia.net/Edvard Molnar

Forscherinnen von DIW Berlin und FU Berlin haben rund 500 große Unternehmen, darunter die 200 größten, in Deutschland hinsichtlich des Frauenanteils im Topmanagement unter die Lupe genommen. Fazit: Große Unternehmen der Privatwirtschaft in Deutschland haben zuletzt deutlich mehr Frauen in ihre Vorstände berufen. Dem neuesten Managerinnenbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zufolge gab es im vierten Quartal des Jahres 2021 in den 200 umsatzstärksten Unternehmen 139 Vorständinnen, 38 mehr als ein Jahr zuvor. Der Frauenanteil in den Vorständen der Top-200-Unternehmen stieg damit um gut drei Prozentpunkte auf fast 15 %. So stark ging es seit Beginn des DIW-Managerinnenbarometers im Jahr 2006 noch nie nach oben, versichern die Forschenden. „Vorständinnen sind in vielen großen Unternehmen zwar noch immer deutlich unterrepräsentiert, aber die jüngste Entwicklung ist sehr bemerkenswert“, sagt Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics am DIW Berlin.

In den Aufsichtsräten fiel die Dynamik deutlich geringer aus

In den Aufsichtsräten gab es 2021 anders als in den Vorjahren deutlich geringere Zuwächse, allerdings auf höherem Niveau von fast einem Drittel Frauen. Ausschlaggebend für die positive Entwicklung in den Vorständen ist laut DIW offenbar die neue gesetzliche Mindestbeteiligung. Gebunden daran sind börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen ab einer Vorstandsgröße von vier Personen. Sie müssen ab August dieses Jahres im Zuge der Neubesetzung von Vorstandsposten mindestens eine Frau – oder im umgekehrten, nicht vorhandenen Fall mindestens einen Mann – in das Gremium berufen. Auch wenn dies derzeit nur auf 66 Unternehmen zutrifft, scheine die neue gesetzliche Vorgabe Antizipationseffekte auszulösen: Zwölf Unternehmen, die im Herbst 2020 noch ohne Frau im Vorstand waren, hatten ein Jahr später eine Vorständin in ihren Reihen, betonte Wrohlich. In noch 19 der 66 Unternehmen waren die Vorstände im Spätherbst 2021 reine Männerdomänen. Während die Unternehmen, die an die Mindestbeteiligung im Vorstand gebunden sein werden, ihren Frauenanteil in diesem Gremium von gut 14 % auf gut 19 % erhöhten, betrug der Anstieg in den anderen Unternehmen lediglich knapp drei Prozentpunkte auf rund 14 %. „Ähnlich wie die gesetzliche Geschlechterquote für Aufsichtsräte scheint auch die Mindestbeteiligung für Vorstände ein effektives Instrument zu sein, um den Frauenanteil in Spitzengremien zu erhöhen“, sagt Virginia Sondergeld, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsgruppe Gender Economics am DIW Berlin.

Im exekutiven Bereich liegt Deutschland unter dem EU-Durchschnitt

Berechnungen auf Basis europäischer Daten für die Jahre 2003 bis 2021 würden die Wirksamkeit von Quoten bestätigen. Demnach sind Frauen in der Gruppe der EU-Länder, die eine Geschlechterquote eingeführt haben, in Spitzengremien mittlerweile deutlich besser repräsentiert als in der Gruppe der übrigen EU-Länder. Dies bestätige sich auch, wenn in den Berechnungen berücksichtigt wird, dass sich die Länder etwa in den kulturellen Normen bezüglich der Geschlechterrollen oder der Arbeitsmarkt- und Familienpolitik unterscheiden, unterstreichen die Forschenden. Ende 2021 belief sich der Frauenanteil unter den exekutiven Direktorinnen und Direktoren (CEOs) der größten börsennotierten Unternehmen im EU-Durchschnitt auf knapp über 20 %. In Deutschland lag der Frauenanteil unter den nichtexekutiven Gremienmitgliedern mit 36 % Prozent zuletzt über dem EU-Durchschnitt von gut 33 %. Hingegen blieb der Frauenanteil unter den exekutiven Direktorinnen der größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland – trotz des starken Anstiegs im vergangenen Jahr – mit knapp 18 % unter dem EU-Durchschnitt von gut 20 %. In den anderen großen EU-Mitgliedstaaten wie Frankreich, Italien oder Spanien ist – ebenso wie in Deutschland – der Frauenanteil unter den nichtexekutiven Gremienmitgliedern mit knapp 48 %, fast 45 % und rund 38 % Prozent deutlich höher als der Frauenanteil unter den exekutiven (knapp 24 %, rund 14 % und rund 17 %). Ausnahmen, in denen anteilig mehr Frauen unter den exekutiven als unter den nichtexekutiven Gremienmitglieder vertreten sind, sind beispielsweise in Rumänien und Estland mit einem Frauenanteil von knapp 32 % beziehungsweise gut 31 %.

DIW-Forscherinnen empfehlen Ausweitung der Vorgaben

Mit Blick auf Deutschland lasse der starke Anstieg von Frauen in Vorständen hoffen, dass gleichstellungspolitischer Schwung entstehe, so die Studienautorinnen. „Vorständinnen haben direkten Einfluss auf die Unternehmenskultur, Gehaltsschemata, die Personalpolitik und vieles mehr. Im Vergleich zu Aufsichtsrätinnen sind sie zudem für andere Beschäftigte eines Unternehmens deutlich sichtbarer und wirken somit noch besser als ‚Rollenvorbilder‘“, betont Anja Kirsch, Professorin für Gender, Governance und internationales Management an der Freien Universität Berlin. Deshalb spreche vieles dafür, solche Vorgaben gegebenenfalls noch auszuweiten, zumal die Reichweite des Beteiligungsgebots für Vorstände in Deutschland mit 66 Unternehmen im europäischen Vergleich äußerst gering sei. „Die Politik sollte daher erwägen, die Mindestbeteiligung in Vorständen auszuweiten, beispielsweise auf sämtliche börsennotierte Unternehmen“, so Wrohlich.

EU-Kommissarin von der Leyen will EU-weite Frauenquote für Aufsichtsräte

Kommissionschefin Ursula von der Leyen plant, allen EU-Staaten eine Frauenquote in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen vorzugeben. Demnach sollen Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen künftig zu mindestens 40 % mit Frauen besetzt werden. Kleine und mittlere Unternehmen sollen nicht betroffen sein. Mit der neuen Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP bestehe Hoffnung, dass Deutschland seinen Widerstand aufgebe, sagte die CDU-Politikerin. Bereits 2012 gab es einen Vorstoß, der jedoch von der Bundesregierung unter der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (ebenfalls CDU) abgelehnt wurde. Damals waren in Deutschland nur 15,6 % der Aufsichtsräte weiblich. Eine ausreichende Mehrheit unter den EU-Ländern kam nicht zustande. In Deutschland sind große Unternehmen seit 2015 gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Aufsichtsräte mit mindestens 30 % Frauen zu besetzen. Zudem einigte sich die frühere große Koalition aus Union und SPD kurz vor der Sommerpause vergangenes Jahr auf eine Quote für Vorstände.

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