Tipps für die Unternehmensführung 11. Okt 2021 Von Jürgen Schmid

Im Changeprozess führt Klarheit zum Unternehmenserfolg

Wie es Firmenchefs und -chefinnen gelingt, ihr im Unternehmen konsequent auf Innovationen auszurichten.

Jürgen Schmid: Ist der Glaube an den Erfolg vorhanden, ergibt sich das Engagement aller Beteiligten fast von selbst.
Foto: Martina Draper

„Ich weiß nicht, ob ich mir das noch antun soll“, sagte der Inhaber eines größeren Automobilzulieferers, Mitte 50, mit Blick auf die aktuelle Lage. Und ich kann ihn durchaus verstehen.

Denn schauen Sie sich um: Wir leben in einer nie gekannten Umbruchphase. Alles ist in Bewegung geraten, Konstanten gibt es kaum noch: Wandel in der Mobilität, in der Fertigung, im Energiesektor, im Umweltschutz, in der Wirtschaftspolitik, in der Demografie, in der Sprache – das sind nur einige Beispiele. Und die Industrieunternehmen als tragende Säule der Gesellschaft wackeln gewaltig.

Taktieren gefährdet Innovationen

Dieses Wackeln erzeugt Unsicherheit und Angst vor einem Einsturz. Deshalb denken viele Unternehmerinnen und Unternehmer ähnlich wie mein Gesprächspartner darüber nach, ob sie wirklich noch mal alles riskieren oder sich lieber zurückziehen sollen. Das pflanzt sich in ihren Unternehmen fort, wo dann nicht mehr viel vorangeht. Wo das Taktieren die Oberhand gewinnt über die Strategie, werden Innovationen eingefroren, große Projekte auf Eis gelegt.

Doch ich erlebe auch die Gegenbeispiele. Wer bei unserem Unternehmen anklopft, tut das, weil er gerade jetzt auf Innovationen setzt. Ich beobachte zwar, dass manche das nur halbherzig tun – doch die geben sich in der Regel schnell zu erkennen: Es fehlt ihnen an Klarheit.

Ablesen können wir das zum Beispiel an den Antworten auf unsere Onlinebefragung zu geplanten Projekten. Wir führen sie standardmäßig mit 15 oder 20 Führungskräften des potenziellen Kunden durch, bevor wir mit einem Projekt starten. Eindeutige und übereinstimmende Antworten fallen denjenigen leicht, die über die nötige Klarheit verfügen. Alle anderen finden schon die Fragen schwierig, und wir bekommen widersprüchliche Antworten. Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass solche Aufträge nur selten profitabel werden.

Die entscheidende Faktor für den Projekterfolg

Im Maß der Klarheit spiegelt sich der Glaube an den Erfolg des Projekts wider. Ist der vorhanden, ergeben sich Entscheidungsfreude und Experimentierlust genauso wie Termintreue und Engagement aller Beteiligten fast von selbst – also das, was den Erfolg dann auch möglich macht. Das erlebe ich aktuell unter anderem bei diesen vier Unternehmen:

Die Firma Handlingtech entwickelt und baut Automationssysteme. Die ganze Branche ist von der Coronakrise extrem hart getroffen worden. Die Auslastung in der Industrie ist im letzten Jahr massiv zurückgegangen und die Unternehmen konnten ihr Personal in der Produktion oft gar nicht durchgehend beschäftigen. Deshalb ist auch die Nachfrage nach Automatisierung in manchen Bereichen um bis zu 90 % eingebrochen. Eine Lage, in der viele verzweifeln. Der Inhaber Jörg Hutzel lässt sich nicht beirren. Er verfolgt konsequent sein Ziel, modulare Roboterzellen zu entwickeln. Er ist überzeugt, dass Handlingtech damit zukünftige Anforderungen und Kundenwünsche noch wirtschaftlicher und noch schneller erfüllen kann.

Bekum baut Marktführerschaft aus

Bekum als führendes Unternehmen in der Kunststoffverarbeitung entwickelt konsequent Anlagen für den internationalen Mark. Während andere Firmen noch überlegen, ob sie sich angesichts der Unsicherheit überhaupt global engagieren sollen, nutzen Geschäftsführer Michael Mehnert und sein Team intelligent und mutig die Gunst der Stunde und bauen die Marktführerschaft aus.

Ein Hersteller von Reinigungsanlagen hatte wie die gesamte Branche der Metall verarbeitenden Industrie wirtschaftlich schwierige Zeiten. Doch das gehört der Vergangenheit an. Mit bewundernswerter Entschlossenheit wird das Unternehmen aktuell von einem weitsichtigen Management konsequent auf die Zukunft ausgerichtet, mit überwältigendem Elan werden dort innovative Anlagen entwickelt. Da ist ein sensationell engagiertes Team am Werk. Dieses Engagement ist angesichts der jüngsten schwierigen Phase wirklich erstaunlich, doch ich bin ganz sicher, dass sich diese Firma dank eines erstaunlichen Mindsets mit Wucht in eine führende Marktposition bringen wird.

Die Firma Arburg hat schon lange bei Spritzgießmaschinen diese hervorgehobene Position. Auf ihren Lorbeeren ausruhen und hoffen, dass der Sturm vorbeigeht, das ist nicht ihre Devise. Die Unternehmerfamilien haben gerade erst noch zwei Firmen dazugekauft und packen weiter an. Großartig!

Ja, selbst von Konzernen bekommen wir Anfragen für eindrucksvolle, zukunftsweisende Projekte, auch wenn die – unter uns gesagt – eher von Sparten kommen, die relativ konzernunabhängig operieren.

Kreativität von Start-ups übernehmen

Denn wenn wir feststellen, dass die Verantwortlichen die Vorlage für die Geheimhaltungsvereinbarung lieber aus dem Internet herunterladen, anstatt auf die konzerneigene Vorlage zurückzugreifen, dann ist das für mich ein Zeichen einer kreativen und innovativen Ausrichtung, die eher an ein Start-up als an einen Konzern erinnert. Ich staune und freue mich über diesen Wandel.

Solche Unternehmen, die großen wie die kleinen, machen mir Mut, dass die deutsche Wirtschaft die Erschütterungen für Veränderungen nutzt und damit große Fortschritte erzielt.

Tags: Management, Unternehmensführung

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