Zeitenwende 05. Sep. 2022 Von Sebastian Wolking Lesezeit: ca. 4 Minuten

Warum ein Ingenieur als Reservist in der Bundeswehr dient

Für die Landesverteidigung sind die Reservisten der Bundeswehr unverzichtbar. Der Ingenieur Andreas Eigenstetter ist als Soldat im Heimatschutz einer von ihnen.

Der Reservedienst in der Bundeswehr ist körperlich fordernd. Da ist es wichtig, im Zivilleben fit zu bleiben. Hier helfen US-Soldaten einem deutschen Reservisten, den Marsch zur Erlangung des Reservistenleistungsabzeichens durchzuhalten.
Foto: Sgt. Kiara Flowers, US Army/public domain

An einem normalen Arbeitstag entwickelt Andreas Eigenstetter Maschinen zur Glasherstellung. An anderen räumt er im Flecktarn Keller aus, die nach einer Jahrhundertflut unter Wasser stehen. Oder er befreit Dächer, die einzustürzen drohen, von gewaltigen Schneemassen. „An die Einsätze habe ich durchweg positive Erinnerungen“, sagt der Oberpfälzer. Viel Dankbarkeit habe er erfahren, als er 2019 in Reit im Winkl ein Seniorenheim vom Schnee freischaufelte. Als er 2013 im niederbayerischen Deggendorf, die Donau war gerade über die Ufer getreten, mit seinen Kameraden geschwind das Mobiliar von Anwohnern aus den Kellern trug. Im Hauptberuf ist Eigenstetter Entwicklungsingenieur für Sondermaschinen bei der Schott AG in Landshut, die Spezialglas herstellt. Nebenbei dient er als Reservist in der Bundeswehr. „Es ist ein interessanter Ausgleich zum normalen Arbeitsalltag“, sagt er lapidar. Von seinem Arbeitgeber kann er sich für Einsätze freistellen lassen, dafür einen Verdienstausfall geltend machen.

„Ich bin da irgendwie hängen geblieben“, sagt Ingenieur Andreas Eigenstetter über seinen Reservedienst bei der Bundeswehr. „Ich wollte den Kontakt nicht abreißen lassen.“ Foto: privat

Mehr als 31 000 Reservisten üben regelmäßig bei der Bundeswehr

Die Bundeswehr ist „zwingend auf eine verlässliche Reserve angewiesen“. So steht es im jüngsten Wehrbericht der Bundesregierung. 183 700 Soldatinnen und Soldaten leisten aktuell Dienst, angepeilt ist eine Truppenstärke von 203 000. Reservisten sollen die gröbsten Personallücken in der Truppe abfedern, bei Naturkatastrophen zur Schaufel greifen und – Gott bewahre – im Verteidigungsfall zur Waffe. Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst erhalten Grundwehrdienstleistende, Soldaten auf Zeit und Berufssoldaten automatisch den Status Reservist. Von ihnen hat aber längst nicht jeder Lust, Reservistendienste zu übernehmen oder Schießtrainings zu absolvieren.

Viele aber schon. Nach Schätzungen des Reservistenverbandes Deutschland, der die Interessen der Reserve vertritt, gibt es derzeit rund 31 500 Reservistinnen und Reservisten, die einen festen Dienstposten in der Bundeswehr haben und regelmäßig an Übungen teilnehmen.

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