Automation 25. Jun 2021 Von Martin Ciupek

Darum entsteht die KI-Zukunftsfabrik im Museum

Eigentlich ist es ein Widerspruch, zukunftsträchtige Roboter- und KI-Lösungen in einem Museum aufzubauen – noch bevor sie ihre Leistungsfähigkeit in der Praxis belegen können. Doch für die Initiatoren der KI.Fabrik in München gibt es dafür gute Gründe. Das wurde diese Woche im Deutschen Museum deutlich.

Symbolische Grundsteinlegung für die KI.Fabrik in München: Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (re.) und Sami Haddadin, Direktor der Munich School of Robotics and Machine Intelligence an der TUM, mit der Zeitkapsel.
Foto: Fabian Vogl / TUM

Weltweit arbeiten Forscher daran Roboter raus aus den industriellen Anwendungen hinter Schutzzäunen und hin zu den Menschen zu bringen. Am Ende sollen die Maschinen so einfach zu bedienen sein wie ein Smart­phone, auch aus der Ferne. So ist zumindest die Vision. In München wurde diese Woche ein wichtiger Schritt in diese Richtung gemacht. Bis zum Jahr 2030 soll hier der Prototyp einer bayrischen KI.Fabrik entstehen. Dazu unterstützt der Freistaat Bayern die Technische Universität München (TUM) mit insgesamt 15 Mio. €. Geplant ist zunächst ein vierjähriges Verbundvorhaben für Forschung und Entwicklung, bei dem die Unternehmen BMW, Franka Emika, Linde Material Handling, Reactive Robotics, TQ-Systems und Wittenstein als Konsortialpartner eingebunden werden. Am Ende sollen mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) multifunktionale, feinfühlige Roboter direkt oder auch über weite Entfernungen hinweg mit menschlichen Beschäftigten zusammenarbeiten.

Nähe zur Gesellschaft

Bei der Grundsteinlegung in München wurde vorgestern deutlich, wohin die Reise gehen soll. Die KI.Fabrik entsteht im Deutschen Museum und soll mit anderen Standorten vernetzt arbeiten. Dabei soll sie der Gesellschaft als Schaufenster für „KI zum Anfassen“ dienen. Genau deshalb wurde auch das Museum als Standort gewählt und keine klassische Forschungsfabrik. Ein signifikanter Unterschied zu bisherigen Konzepten ist dabei laut den Initiatoren die direkte physische Interaktion der zentralen KI der Fabrik mit der Fabrikumgebung mittels Robotern und ähnlichen Systemen sowie die intuitive und transparente Verbindung zwischen Mensch und Maschine in der KI.Fabrik unter anderem mittels am Körper getragener Technologien, sogenannter Wearables. Eine Besonderheit im Vergleich zu etablierten Fertigungshallen sei die Multifunktionalität der dort eingesetzten feinfühligen Maschinen und Roboter. Sie könnten viele verschiedene Produkte auch in kleiner Stückzahl herstellen und sind nicht auf klar definierte Bewegungsabläufe beschränkt

Die auf insgesamt zehn Jahre angelegte Leuchtturminitiative ist Teil der Hightech Agenda des Freistaats Bayern und wird an der Munich School of Robotics and Machine Intelligence (MSRM) der Technischen Universität München (TUM) unter Führung von MSRM-Direktor Sami Haddadin umgesetzt. So war es auch kein Zufall, dass die Zeremonie parallel zur Fachmesse Automatica Sprint und im Rahmen der erstmals veranstalteten munich_i stattfand, einer neu geschaffenen Plattform von Automatica, Messe München und MSRM, die den Dialog zu KI und Robotik zwischen für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft fördern soll.

Roboter übernimmt Teil der Zeremonie

Obwohl es noch einige Monate dauern wird, bis zuerst die Infrastruktur aufgebaut und dann die ersten Roboter aufgestellt sind, war bei der symbolischen Grundsteinlegung bereits der erste Roboter im öffentlichkeitswirksamen Einsatz zu sehen. Ein kollaborierender Roboter übernahm unter anderem zusammen mit dem bayrischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, dem TUM-Präsidenten Thomas F. Hofmann und dem MRSM-Direktor Haddadin die Grundsteinlegung. Er platzierte einen gravierten Edelstahlzylinder, die sogenannte Zeitkapsel, im Grundstein. Der Roboter wurde dabei durch Teleoperation von einem Mitarbeiter aus der Ferne gesteuert – symbolisch für den künftigen Home-Arbeitsplatz für Fabrikarbeiter.

TUM-Präsident Hofmann betonte: „In Zeiten, in denen sich die Arbeitswelt rapide wandelt, eröffnet die KI.Fabrik eine enorme Chance für den Technologiestandort Bayern. KI-Roboter dienen künftig als eine Erweiterung unserer Laptops und können aus der Ferne gesteuert werden. Eine solche dezentrale Produktion reduziert die Arbeitsbelastung für die Menschen bei komplexer werdenden, ermüdenden Vorgängen und ermöglicht gleichzeitig eine höhere Präzision und konstante Produktqualität.“

Zukunftsforschung erleben

Wirtschaftsminister Aiwanger sieht darin einen wichtigen Beitrag zur lokalen, krisensicheren und wirtschaftlichen Herstellung modernster Produkte in Bayern. Für den bayrischen Wissenschaftsminister Bernd Sibler, der per Videobotschaft zugeschaltet war, sollen damit künftig die Kenntnisse der Wissenschaft in die Gesellschaft getragen werden. „Genau diese Brücke schlägt die neue KI.Fabrik mit ihrem Showroom im Deutschen Museum: Hier können wir Zukunftsforschung hautnah erleben und verstehen, wie die Technologien arbeiten“, machte er deutlich.

Für den Wissenschaftler Haddadin ist die KI.Fabrik Prototyp und Forschungslabor zugleich. „Sie bietet Wissenschaftlern wie Unternehmen die Möglichkeit, ihre Technologien unter ‚realen‘ Bedingungen zu testen und weiterzuentwickeln“, hob er hervor.

Weltweite Initiativen

Die Münchener sind mit ihren Investitionen in die Robotik der Zukunft nicht die Einzigen. Das wurde auch in den Vorträgen auf dem Technologiegipfel munich_i deutlich, wo unter anderem Experten Stanford, Tokio und Zürich über ihre Entwicklungen berichteten. Vor wenigen Wochen hatte zudem die International Federation of Robotics (IFR) eine Analyse veröffentlicht, in der sie konkrete Forschungsprogramme und Investitionsmaßnahmen in wichtigen Ländern auflistete. Genannt wurden darin unter anderem das Sonderprogramm „Intelligente Roboter“ in China sowie die New-Robot-Strategie in Japan.

Just in dieser Woche verkündete der südkoreanische Automobilhersteller Hyundai Motor Group den Abschluss der Übernahme eines Anteils von 80 % am US-Roboterspezialisten Boston Dynamics. Die restlichen 20 % verbleiben beim bisherigen Mehrheitshalter Softbank. Insgesamt 1,1 Mrd. $ war das dem Automobilbauer wert, der damit die strategische Transformation des Konzerns zum Smart-Mobility-Solution-Provider vorantreibt. Hyundai hat dazu bereits in andere Zukunftstechniken investiert, darunter autonomes Fahren, KI, Urban Air Mobility sowie Smart Factory, und nun auch Robotik mit der Übernahme von Boston Dynamics.

In Deutschland entstehen neben München zudem weitere Robotikcluster beispielsweise in Dresden und in Bochum. Wie in München sollen im sächsischen Robot Valley in Dresden Kompetenzen von Wissenschaftlern und Unternehmen gebündelt werden. Gleichzeitig will man dort der Gesellschaft die Möglichkeiten der neuen Technik nahebringen. In Bochum hat die Rethink Robotics GmbH große Pläne. Der ehemalige US-Roboter Sawyer wird seit einiger Zeit in Deutschland weiterentwickelt. Mithilfe der RAG-Stiftung und Siemens will das Unternehmen dafür auf dem ehemaligen Opel-Gelände eine eigene Roboterproduktion etablieren.

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