Kohleausstieg erfordert Umdenken 30. Apr 2020 Von Fabian Kurmann und André Weikard

Beton im Umbruch

Mit dem absehbaren Kohleausstieg in Deutschland gehen der Baustoffindustrie wichtige Rohstoffe wie Steinkohlenflugasche verloren. Die Suche nach neuen Betonrezepturen hat begonnen.


Foto: PantherMedia / jonson

Seit Mitte April sind mit Österreich nun acht Länder Europas aus der Kohleverstromung ausgestiegen. In Deutschland arbeiten Bundestag und Bundesrat noch am Ausstiegsgesetz. Damit ist für die Beton- und Zementindustrie absehbar, dass wichtige Bestandteile für die Herstellung des grauen Goldes wegfallen werden: Steinkohlenflugasche und Gips aus Entschwefelungsanlagen.

Es geht um große Mengen: Bis spätestens 2038 muss die Branche Ersatz für aktuell jährlich 2,5 Mio. t in Deutschland produzierter Flugasche finden. Industrie und Unis forschen daran, bereits bekannte Ersatzbestandteile wie Kalkstein in größerem Umfang anzuwenden. Andererseits bekommen gebrannte Tone, mit denen bereits die Römer bauten, eine neue Chance.

Auch Ansätze auf der Nachfrageseite könnten den Bedarf an Rohstoffen für Beton senken. So brauchen Bauteile mit Carbonbewehrung deutlich weniger Beton als heutige mit Stahlbewehrung.

Auch Sand und Kies machen Probleme

Denn auch bei den Massenrohstoffen Sand und Kies kam es in den vergangenen Jahren immer häufiger zu regionalen Versorgungsengpässen. Zudem lassen sich die kostbaren Körner nur über kurze Strecken wirtschaftlich tranportieren.

Deren Abbau konkurriert außerdem mit anderen Flächennutzungen, vom Ackerbau über Umweltschutzgebiete bis zur Wohnbebauung. Alternativen zum Bausand wie Polymerbeton oder Granulat aus dem Hochleistungsbetonmischer taugen bislang nur für Nischenanwendungen.

Den Fokus „Beton im Umbruch“ lesen Sie im aktuellen E-Paper der VDI-nachrichten.

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