Hochbau 11. Okt 2013, 14:13 Uhr Lars Wallerang

Baulogistik tritt heraus aus ihrer Nische

An allen Bauteilen wird parallel gearbeitet: Ein Parkhaus und drei Bürogebäude entstehen auf der "grünen Wiese" bei Ditzingen. Allein 10 000 m2 Deckenschalung von Doka waren gleichzeitig im Einsatz und wurden für die nächste Decke lediglich vertikal versetzt.
Foto: Doka

Die Baulogistik ist eine vergleichsweise junge Entwicklung. Erst vor wenigen Jahren wurde unter Punkt 090 im Standardleistungsbuch Bau durch den Gemeinsamen Ausschuss Elektronik im Bauwesen (GAEB) eine Beschreibung von Baulogistikleistungen geschaffen. Auch die Praxis einer solchen standardisierten Planung gibt es erst seit rund 20 Jahren. „Als in den 90er-Jahren der Potsdamer Platz bebaut wurde, haben erstmals Baulogistiker den Prozess mitgesteuert“, sagt Joseph Dörmann, Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML). Auch bei der Berliner Museumsinsel sei baulogistische Planung im Spiel gewesen.

„Das Ziel ist es, vagabundierende Leistungen zusammenzufassen.“ Dafür bedürfe es des Baulogistikers als übergeordneter Person. Wichtig sei es dabei allerdings, dass Baulogistik und Baustellenlogistik sauber auseinandergehalten würden. In der Baulogistik werden die Voraussetzungen für einen reibungslosen Bauablauf geplant und die Rahmenbedingungen festgelegt für alle am Bau beteiligten Auftragnehmer. Die Baustellenlogistik hingegen liegt im Zuständigkeitsbereich eines jeden Auftragnehmers und regelt dessen Eigenversorgung der Baustelle mit Material und Personal.

„Der Bauherr plant entweder selbst die Baulogistik, in der die Baustellenlogistik berücksichtigt wird, oder vergibt die Planung an einen Fachplaner“, so Dörmann. Dieser schreibe dann die Baulogistik aus. Jeder Bieter erhalte in seinen Vergabeunterlagen Informationen zum Baulogistikkonzept samt Krankonzept, Wegeplanung und anderen Parametern und berücksichtige diese in seiner Kalkulation sowie seinem Angebot.

Baulogistik verbessert die Effizienz auf der Baustelle

Bau: Die TU Dortmund hat unlängst ermittelt, dass nur 30 % der Arbeitszeit auf der Baustelle auf die Haupttätigkeit entfallen. Etwa ein Drittel der Zeit wird danach für Transporte, Materialsuche, Wege, Umräumen und störungsbedingte Unterbrechungen aufgewendet. Die Ursache für diesen Mangel an Effizienz sei größtenteils auf einen unzureichend koordinierten Materialfluss zurückzuführen. rok
Die Regularien, die im Leistungsbereich 090 vor fünf Jahren festgeschrieben wurden, seien ein wichtiger Durchbruch gewesen, sagt Jörg Böing, Sprecher der Geschäftsführung des in Herdecke ansässigen Projektmanagementunternehmens Reichel. „Damit ist die Baulogistik aus ihrem Nischenbereich heraus in die Öffentlichkeit gekommen.“

Die Logistik sei nun ein eigenständiges Gewerk, in dem die großen Konzerne eigene Tochterunternehmen unterhielten. Gewiss sei dies alles mit zusätzlichen Kosten verbunden. „Man muss erst einmal Geld in die Hand nehmen“, so Böing. Die Kosten betrügen ca. 3 % bis 5 % der Bausumme. Doch könnte sich die Investition durch kürzere Bauzeiten und insbesondere durch Vermeidung von Behinderungen amortisieren.

Die TU Dortmund habe unlängst festgestellt, dass nur 30 % der Bauzeit auf die Haupttätigkeit entfallen. Etwa ein Drittel der Zeit werde für Transporte, Materialsuche, Wege, Umräumen und störungsbedingte Unterbrechungen aufgewendet. Die Ursache sei größtenteils auf einen unzureichend koordinierten Materialfluss zurückzuführen. Mit einem gewerkeübergreifenden Materiallogistikkonzept könnten zumindest in Teilbereichen die Schwachstellen minimiert und damit die Effizienz erhöht werden.

Das Fraunhofer IML hat unterdessen ein Kompendium geschaffen, das die wichtigsten Parameter der Baulogistik beinhaltet. Das fängt an mit der Planung der Verkehrssituation im Umfeld der Baumaßnahme unter Berücksichtigung von Auflagen der Stadt oder mögliche Begehren der Anwohner. Es geht weiter mit einem Lager- und Bestandsmanagement zur Verhinderung von Materialverlusten durch sachgemäße Lagerung bis hin zu Fragen des optimalen Ausschreibungsumfangs und der Vertragsgestaltung.

Die seit 1968 bestehende Ingenieurgesellschaft Reichel hat seit Längerem ein eigenes baulogistisches Konzept in ihr Portfolio aufgenommen. Dabei sollen auf Bauherrenseite Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den einzelnen Firmen die Möglichkeit eröffnen, ihre eigene Baustellenlogistik zur Abwicklung ihres Auftrags koordiniert einzusetzen. Ferner unterscheidet man nach Art der Logistik, die da sind Beschaffungs-, Erstellungs- und Entsorgungslogistik (vor, auf und nach der Baustelle).

Aus der Praxis kennt Jörg Böing jede Menge Fallbeispiele, bei denen durch intelligente Planung Verluste vermieden werden. Türen sollten möglichst sofort eingebaut werden, da sich das Risiko einer Beschädigung durch längere Lagerung auf der Baustelle deutlich erhöhe. „Wir haben einmal für ein großes Bürogebäude 1600 Glastüren innerhalb weniger Tage eingebaut“, berichtet Böing. Ein ähnlich rasches Vorgehen empfehle sich auch für empfindliche Fassadenteile, die „just in time“ eingebaut werden sollten. Ohne die Anwendung moderner Baulogistik sei solch perfektes Timing heutzutage kaum mehr zu realisieren. LARS WALLERANG

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