Technikgeschichte 21. Feb 2022 Von Fabian Kurmann

Polaroidkamera: ein Dreivierteljahrhundert alt

Knipsen, Fotoeffekt drauf und dann sofort im sozialen Netzwerk teilen – das konnte die Polaroidkamera schon vor Jahrzehnten. Heute wird sie 75 Jahre alt.

Der Schnappschuss in Reinform: Die Polaroidkameras beherrschten das Knipsen und anschließende Teilen mit anderen schon vor 75 Jahren. Heute gehört das auf dem Smartphone zum Alltag. Die App Instragram hatte in früheren Versionen eine Polaroidkamera als Logo. Sowohl die Regenbogenfarben als auch die Kamera sind heute nur noch in starker Abstraktion vorhanden.
Foto: imago/imagebroker

Es war der 21. Februar 1947, als der US-Amerikaner Edwin Land seinen Apparat vorstellte, der ein neues Paradigma der Kommunikation begründen sollte. Das „Model 95“ der Firma Polaroid konnte Fotos schießen, die man sich im Kreis der Freunde und Bekannten kurz danach schon anschauen konnte. Um das Warten zu überbrücken, wurde mit dem Foto in der Luft gewedelt, was die Spannung noch mehr anfachte. Dann konnte man Grimassen, Posen oder ein vom Blitz überraschtes Haustiergesicht mit dem sozialen Kreis teilen.

Klar, mit dem Smartphone macht man das heute täglich Dutzende Male. Aber vor Entwicklung der Polaroidkamera musste man eine Situation entweder erzählen oder ein begabter Zeichner musste aus seinem Gedächtnis schnell die Situation auf Papier bannen. Es gab zwar schon die Fotografie, aber dafür musste der Film in einem umständlichen Prozess erst entwickelt und dann das Bild auf Fotopapier kopiert werden. Das war okay für Urlaubsfotos, aber eine Party war vorbei, wenn die Bilder davon fertig waren – bis eben 1947.

Polaroid im Professionellen: Bei Ärzten und der Polizei beliebt

Nicht nur Partygäste freuten sich über das Produkt, auch an Tatorten konnte die Polizei schnell Fotos machen und diese direkt an Tafeln für die Suche nach den Tätern verwenden. Auch Ärzte nutzten die Kameras zur Dokumentation ihrer Patienten. Das schnelle Bild war allerdings recht teuer, weshalb die klassische Schwarz-Weiß-Fotografie für weniger gut betuchte das Mittel der Wahl blieb. Auch waren die klassischen Kameras deutlich schlanker als die klobigen Sofortbildkästen. Heute hat es uns das in der Hosentasche verstaubare Smartphone schon deutlich angenehmer mit dem Transport gemacht.

Auch die Abbildungsleistung war damals nicht der Hammer. Die Farben waren leicht übersteuert und verblassten mit der Zeit, zum Rand hin gab es eine Vignettierung. So nennt man eine Verschattung des Bildes, wenn die Lichtstrahlen durch mehrere Öffnungen wie Linsenränder oder Blenden müssen, bevor sie die Bildebene erreichen. Die Vignettierung betont dabei besonders die Bildmitte, was als Effekt auch gewollt sein kann. Mit ihrer speziellen Fotoästhetik setzte die Sofortbildkamera daher auch ein Zeichen der Zeit. Die App Instagram nutzte in ihrer frühen Version eine Polaroidkamera inklusive Regenbogen als Logo. Heute sind der Regenbogen und das Kameragehäuse nur noch in stark abstrahierter Form erkennbar. Das Teilen von Fotos in einem speziellen Look funktioniert aber nach dem alten Prinzip. Nicht umsonst ist der Name an die Instant Camera, die Sofortbildkamera, angelehnt.

Polaroidfotos: Totgesagte leben länger

Die ursprüngliche Firma ist 2001 insolvent geworden. Liebhaber wie der Österreicher Florian Kaps haben aber 2008 die letzte Fabrik von Polaroid in einer filmreifen Aktion gerettet: Die ganze Geschichte der Polaroidrettung lesen sie hier.

Mit Druckern wie Prynt werden Smartphones zu Polaroidkameras. Das Gadget wird aufgesteckt und druckt Bilder direkt an Ort und Stelle aus.
Foto: Prynt

Inzwischen wurden Sofortbildkameras neu aufgelegt, wenn auch in kompakteren Formaten. Es gibt sogar Sofortbilddrucker, mit denen Smartphone-Fotos auf analogem Weg mit Freunden und Bekannten geteilt werden können. Es zählt der Eindruck einzeln festgehaltener und anfassbarer Momente. In der Bilderflut der 2020er sind sie wieder zu einer Besonderheit geworden.

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