Erneuerbare Energien 26. Sep 2022 Von Georg Dlugosch Lesezeit: ca. 4 Minuten

Windkraft: Arbeit für die Energiewende ist ein Knochenjob

Strikte Voraussetzung, damit sich 30 000 Windmühlen in Deutschland bewegen können und dürfen, sind Inspektion, Wartung und Reparatur – ein milliardenschwerer Markt. Angesichts der Ausbauziele der Bundesregierung ein Wachstumsmarkt.

Windkraftanlagen werden rund um die Uhr überwacht. Regelmäßig kommt Servicepersonal vorbei, um die Anlagen zu warten. Teilweise ein Knochenjob. Die großen Instandhaltungsunternehmen der Branche suchen händeringend neues Personal, soll doch in Zukunft ein Windpark nach dem nächsten neu errichtet werden.
Foto: imago images/Westend61

Der Arbeitsplatz ist 10 °C wärmer als die Außenluft? Dann mag das im Winter kuschelig sein. Bei Außentemperaturen von 30 °C wird es zur ernsten Belastung, zumal auch noch körperliche Tätigkeit hinzukommt. Die Wartung von Windkraftanlagen hat ein spezielles Flair: Luftig und mit unglaublich guter Fernsicht gäbe es keinen schöneren Arbeitsplatz – wenn man denn die Muße hätte, ihn zu genießen.

Flugroboter flattert schneller als ein Insekt

In der Regel verlangt der Hersteller einer Anlage an Land jährlich zwei Sichtprüfungen, die mit Reinigung, kleinen Reparaturen und Wartung verbunden sind. Weitere Checks kommen hinzu. Das bedeutet: Jede Windkraftanlage erhält regelmäßig Besuch. „Vereinfacht kann man 20 000 € pro 1 MW installierter Leistung für die technische Instandhaltung ansetzen“, erläutert Deutsche-Windtechnik-Vorstand Matthias Brandt die Rechnung seiner Organisation, die mit 2300 Beschäftigten und über 8000 gewarteten Anlagen mit 14 GW Leistung zu den Großen der Instandhaltungsbranche zählt. „Wir suchen Hunderte von Leuten“, beschreibt er den Wettbewerb um Talente. „Das ist unser limitierender Faktor.“

Windkraft ist technisch hoch verfügbar

Die Windkraft „ist sehr zuverlässig und mit 97 % auch technisch hoch verfügbar“, sagt Brandt. Eine Anlage produziert durchschnittlich 25 bis 30 Jahre lang Strom. In den ersten Jahren ist der Hersteller dafür verantwortlich, dann findet häufig der Wechsel zu einem unabhängigen Serviceunternehmen statt.

Hydraulik bringt Windenergie zum Generator

Technologisch und technisch sei Deutschland führend beim Bau von Windkraftanlagen, wird allerorten bestätigt. Dennoch scheint der Vorsprung wenig zu bedeuten: Die Nordex Group schloss vor vier Monaten das letzte Werk für Rotorblätter in Deutschland. Und laut IG Metall Küste wurden 60 000 Stellen im letzten halben Jahrzehnt abgebaut. So reißt die Marktbereinigung in der Mitte der Wertschöpfungskette ein Loch. Der Schwerpunkt der deutschen Branche verschiebt sich auf die Seite von Service und Wartung.

Lebenszyklus von Windkraftanlagen ist auf zwei Jahrzehnte ausgelegt

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