Erster bundesweiter Digitaltag 18. Jun 2020 Von Jens D. Billerbeck

Digitalisierung: Unternehmen müssen umdenken

Morgen ist der erste bundesweite Digitaltag. Für Ralf Peters, Fachvorstand Digitalisierung, Finance & Value Chain der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG), Grund genug, sich mit dem Status quo der digitalen Transformation auseinanderzusetzen. Der Tag hat das Ziel, die digitale Teilhabe in allen Bevölkerungsschichten zu fördern.


Foto: panthermedia.net/Mike Espenhain

„Ob schwaches Handynetz, langsames Internet oder unumgängliche Behördengänge: Wenngleich für Deutschland als Industriestandort eigentlich kein Weg an der digitalen Transformation vorbeiführt, so geht es bisher noch viel zu schleppend voran“, schreibt Ralf Peters, Fachvorstand Digitalisierung, Finance & Value Chain der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG), in einem Kommentar aus Anlass des ersten bundesweiten Digitaltags am morgigen Freitag. Die Diagnose gelte auch für Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Peters: „Obwohl die Unternehmen rein technologisch bereits einen hohen Digitalisierungsgrad erreicht haben könnten, zaudern sie, z. B. Zahlungsverfolgung, Lieferströme oder die Anpassung der Produktion an neue Bedingungen und Zusammenarbeitsmodelle ‚digital‘ zu denken und zu realisieren.“

Peters verweist auf den DSAG-Investitionsreport 2020. Dieser belege, dass die Unternehmen längst nicht weit genug bei der digitalen Transformation sind. Im Report wurde der Status quo in den Unternehmen ohne direkten Bezug zu SAP erfasst. Aktuell sehen sich 63 % der Befragten als „nicht sehr weit“. Peters: „Das sah vor zwei Jahren noch anders aus – die digitale Euphorie war größer.“ Doch dann habe sich gezeigt, dass der Aufwand für die Digitalisierung in manchen Bereichen größer ist als ursprünglich angenommen. Die DSAG sieht nun die große Gefahr, dass aufgrund von Corona speziell solche Transformationsprojekte hintangestellt werden, die auf den ersten Blick wirtschaftlich unattraktiv scheinen.

„Diese Entwicklung sehen wir kritisch“, schreibt Peters, „da es keine Alternativen zum digitalen Wandel gibt.“ Dieser berge wirtschaftlich enorme Potenziale. Auch glaubt der DSAG-Fachmann, dass die Unternehmen im deutschsprachigen Raum durchaus zu Innovationen fähig sind. Doch er ist überzeugt: „Zuvor muss ein Umdenken stattfinden. Digitale Geschäftsmodelle gewinnen wie erwähnt an Bedeutung und können schon heute darüber entscheiden, ob sich ein Unternehmen erfolgreich im Wettbewerb durchsetzt.“ Zu viele Unternehmen begnügten sich damit, bestehende Geschäftsprozesse zu automatisieren. Besser wäre es laut Peters, einen umfassend strategischen Blick auf die Geschäftsmodelle zu werfen.

Bei diesem Prozess tun sich kleine und mittlere Unternehmen besonders schwer. Peters: „Das überrascht nicht, da der digitale Wandel ganzer Geschäfts- und vielleicht sogar Produktionsmodelle teuer sein kann und viele Mitarbeiter benötigt. Hier macht sich jedoch der Fachkräftemangel bemerkbar.“ Um den Hightech-Standort Deutschland zu stärken und die wirtschaftliche und die damit verbundene gesellschaftliche Transformation zu meistern, muss aus Sicht der DSAG vor allem ein stärkerer Wissenstransfer zwischen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Wirtschaft erfolgen, um junge Talente praxisnah auszubilden.

Dass nicht alle Menschen hierzulande mit der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft Schritt halten können, zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage der Initiative „Digital für alle“, die als Trägerin hinter dem Digitaltag steht. Demnach empfindet jeder Siebte (15 %) das Tempo des Wandels als zu schnell. Dagegen kann die digitale Transformation für knapp die Hälfte (47 %) noch deutlich an Tempo zulegen: Sie empfinden sie als zu langsam. Für „genau richtig“ votierte ein gutes Drittel (36 %).

Der Digitaltag soll helfen, eine Spaltung der Gesellschaft in Digitalisierungsgewinner und -verlierer zu verhindern. „Die Digitalisierung eröffnet Chancen und Potenziale für jede und jeden“, sagte Digitaltag-Projektleiterin Anna-Lena Hosenfeld. „Es muss darum gehen, Zugänge für wirklich alle zu eröffnen. Diesen großen Umbruch müssen wir gemeinsam gestalten und alle Menschen in die Lage versetzen, sich souverän und sicher, selbstbewusst und selbstbestimmt in der digitalen Welt zu bewegen.“

Mehr als 1300 Aktionen – von Webcasts, Webinaren und Livestreams über Onlineberatungen, virtuelle Führungen und Tutorials bis hin zu Hackathons – weist das Programm aus, das unter www.digitaltag.eu/aktionen abgerufen werden kann. Ein Höhepunkt ist sicher die Schalte zum Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der die Gewinner des „Preises für digitales Miteinander“ virtuell im Schloss Bellevue empfangen wird. Die mit 30 000 € dotierte Auszeichnung geht in der Kategorie „Digitale Teilhabe“ an das Projekt „Dorf.Zukunft.Digital“, in der Kategorie „Digitales Engagement“ an das Projekt „tatkräftig“ und der Corona-Sonderpreis an das Projekt „Rettungs-Ring“.

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