Mobilität 27. Juni 2022 Von Stephan W. Eder Lesezeit: ca. 2 Minuten

Daimler betankt Wasserstoff-Lkw mit Flüssigwasserstoff

Während Daimler einen Lkw erprobt, der direkt mit Flüssigwasserstoff betankt wird, bestellt DB Schenker seine ersten Wasserstoff-Trucks. Allerdings nicht bei Daimler, sondern beim Leasing-Dienstleister Hylane.

Betankung des Prototyps Mercedes-Benz GenH2 Truck mit Flüssigwasserstoff: Möglich machte das eine neu installierte prototypische Tankstelle im Entwicklungs- und Versuchszentrum in Wörth. Während des Betankungsvorgangs wird -253 °C tiefkalter Flüssigwasserstoff in zwei jeweils seitlich am Fahrgestell montierte 40-kg-Tanks gefüllt.
Foto: Daimler Truck AG

Seit vergangenem Jahr testet Daimler den Brennstoffzellenprototyp Mercedes-Benz GenH2 Truck sowohl auf der hauseigenen Teststrecke als auch auf öffentlichen Straßen. Nun nimmt Daimler Truck einen weiteren Prototypen in Betrieb, um den Einsatz von Flüssigwasserstoff zu erproben. An einer neu installierten prototypischen Tankstelle im Entwicklungs- und Versuchszentrum Wörth sei kürzlich die erste erfolgreiche Betankung des Lkw mit Flüssigwasserstoff (LH2) erfolgt, so Daimler Trucks. -253 °C tiefkalter Flüssigwasserstoff findet in zwei jeweils seitlich am Fahrgestell montierte 4-kg-Tanks Platz.

Zudem arbeitet Daimler Truck gemeinsam mit Linde an der Entwicklung eines neuen Betankungsverfahrens für flüssigen Wasserstoff („subcooled“ liquid hydrogen, „sLH2-Technologie“). Der Ansatz soll im Vergleich zu LH2 unter anderem eine noch höhere Speicherdichte und einfachere Betankung möglich machen. Die Unternehmen planen die erste Betankung eines Prototyp-Lkw an einer Pilotstation in Deutschland für das Jahr 2023.

Daimler Trucks peilt für Wasserstoff-Lkw Reichweiten von über 1000 km an

Bei der Entwicklung wasserstoffbasierter Antriebe bevorzugt Daimler Truck nach eigenen Angaben den flüssigen Wasserstoff. Der Energieträger habe im Vergleich zu gasförmigem Wasserstoff eine deutlich höhere Energiedichte bezogen auf das Volumen. Dadurch könne mehr Wasserstoff transportiert werden, was die Reichweite deutlich erhöhe und so eine vergleichbare Leistungsfähigkeit des Fahrzeugs mit der eines konventionellen Diesel-Lkw ermöglicht.

Entwicklungsziel des serienreifen GenH2 Truck ist eine Reichweite von bis zu 1000 km und mehr, um auch flexible und anspruchsvolle Einsätze vor allem im wichtigen Segment des schweren Fernverkehrs abdecken zu können. Der Serienstart für wasserstoffbasierte Lkw ist bei Daimler Truck für die zweite Hälfte des Jahrzehnts vorgesehen.

Wasserstoff-Lkw auf Langstrecke besser als batteriegetriebene Trucks

Logistikunternehmen wie DB Schenker wollen heute schon Wasserstoff-Lkw erproben. Die Bahn-Tochter gab heute bekannt, im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Leasing-Start-up Hylane, einem Spin-off des Versicherungskonzerns DEVK, schrittweise eine mit wasserstoffbetriebene Flotte von Brennstoffzellen-Elektrofahrzeugen (FCEV) aufzubauen. Hylane ist auf Wasserstoff fokussiert und bietet heute schon Wasserstoff-Lkw von Daimler, Hyundia, des US-Herstellers Hyzon sowie von MAN an. Ende 2022 soll Hylane einen Hyzon-Lkw als erstes Fahrzeug an DB Schenker übergeben.

Für den Langstreckentransport hätten brennstoffzellenbetriebene Lkw im Vergleich zu batterieelektrischen Fahrzeugen mehrere Vorteile, heißt es bei DB Schenker: Die maximale Nutzlast sei höher, die Reichweite größer und der Betankungsvorgang vergleichbar mit dem von Dieselfahrzeugen. „Neben einem 360-Grad-Leasingkonzept ist das Ziel der Zusammenarbeit die Entwicklung einer Wechselbrücken-Lkw-Anhänger-Kombination, die unseren Standard-Wechselbrückentyp mit 7820 mm Länge trägt. Das ist neu auf dem Markt und wird es uns ermöglichen, unser Landverkehrsnetz ohne Effizienzverlust zu dekarbonisieren“, erklärte Wolfgang Janda, Executive Vice President, Head of Network & Line Haul Management bei DB Schenker.

Die Bahn-Tochter plant, Anfang 2023 mit ausgewählten Kunden Praxistests auf einigen ausgewählten Strecken zu beginnen, und beabsichtigt, das System ab dem dritten Quartal 2023 zu erweitern und zu kommerzialisieren, abhängig von Faktoren wie der Wasserstoffinfrastruktur und der Marktakzeptanz.

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