Continental-Mobilitätsstudie 2020 07. Jan 2021 Von Regine Bönsch

Skepsis an E-Mobilität dominiert

Zwar ist der Anteil von Autobesitzern, die sich vorstellen können, zukünftig ein reines E-Auto zu fahren, in vielen Ländern deutlich gestiegen. Dennoch gibt es weiterhin große Vorbehalte gegenüber der Elektromobilität: Geringe Verfügbarkeit an Ladestationen, Zweifel an Umweltfreundlichkeit und der hohe Preis gehören dazu.

Die Mehrheit der Deutschen (59 %) kann sich den Kauf eines Elektrofahrzeugs auch in Zukunft noch nicht vorstellen. So lautet eines der zentralen Ergebnisse der Continental-Mobilitätsstudie 2020. In Kooperation mit dem Sozialforschungsinstitut Infas wurden dafür bevölkerungsrepräsentative Gruppen von Menschen in Frankreich, den USA, Japan, China und Deutschland befragt. Die Befragten beklagen vor allem einen Mangel an Ladestationen und die geringen Reichweiten im Vergleich zu Benzinern oder Dieselfahrzeugen.

Auch in Frankreich (57 %) und den USA (50 %) sieht sich mindestens die Hälfte der Bevölkerung noch nicht in einem Elektroauto. In Japan (46 %) liegt der Anteil nur unwesentlich darunter. Deutlich mehr Zustimmung gibt es nur in China.

In vier von fünf Ländern sind fehlende Ladestationen ein Grund

Laut der Studie existieren nach wie vor viele Zweifel gegenüber Elektroautos: Fehlende Ladestationen sind in vier der fünf untersuchten Länder der wichtigste Grund für die Menschen gegen das elektrische Fahren. Nur in Frankreich ist es der Preis, der die meisten Menschen abschreckt. International gleichmäßig verteilt sind die vier wichtigsten Argumente der E-Mobilitätsskeptiker: geringe Verfügbarkeit an Ladestationen, kurze Reichweite, erzwungene Ladepausen bei längeren Reisen und der hohe Preis im Vergleich zu Wagen mit Verbrennungsmotoren.

„Wirklich attraktiv wird die Elektromobilität mit intelligenter Vernetzung“, davon ist Continental-Vorstandsmitglied Helmut Matschi überzeugt. „Gerade beim Thema Reichweite ist die Vernetzung ein wesentlicher Lösungsbaustein für mehr Akzeptanz unter den Autofahrern.

Kaufabsicht deutlich gestiegen

Doch insgesamt ist eine positive Entwicklung zu erkennen: Seit 2013 ist der Anteil der Autobesitzer, die eine Kaufabsicht für einen reinen Stromer äußern, in den USA (+28 Prozentpunkte), China (+27 Prozentpunkte) und Deutschland (+18 Prozentpunkte) deutlich gestiegen. In Frankreich (+3 Prozentpunkte) und Japan (+1 Prozentpunkt) lässt sich dagegen nur eine geringe Zunahme feststellen. „Es wird deutlich, dass Hersteller und Zulieferer die in der Sache selten berechtigten Vorbehalte der Verbraucherinnen und Verbraucher gegenüber der Elektromobilität ernstnehmen und diese entkräften müssen“, so Conti-Manager Matschi. Nur so könne die Technik den breiten Durchbruch am Markt schaffen“.

Das Thema Ladestation ist laut der Continental-Mobilitätsstudie 2020 vor allem ein Thema in den Ballungsräumen: In den größeren Städten ist der Anteil der Autobesitzer, die die Möglichkeit haben, ein Elektroauto auf ihrem üblichen Parkplatz aufzuladen, deutlich geringer als in ländlichen Gebieten. Dies gilt insbesondere für europäische und japanische Städte. Fehlende Ladestationen werden in den Metropolen häufiger als Hindernis für den Kauf eines Elektroautos in der nahen Zukunft genannt.

Förderung in allen fünf Ländern

Dabei wird in allen untersuchten Ländern versucht, durch monetäre und andere Anreize von politischer Seite die Käufer in Richtung alternativer Antriebe zu lenken. So gibt es in allen fünf Ländern Kaufprämien für Elektrofahrzeuge. In Deutschland wurden diese als Teil des Konjunkturpakets zur Linderung der Corona-Folgen für die Wirtschaft erhöht; auch in China wurden die eigentlich auslaufenden Kaufprämien verlängert. In Japan setzt die Politik zusätzlich bei den Herstellern an und zahlt Innovationsprämien für Reichweitensteigerungen. Auch die Lade­infrastruktur wird in allen untersuchten Ländern ausgebaut.

Zweifel an Umweltfreundlichkeit

Die Angst vor unzureichender Reichweite ist in allen Ländern ein weiteres zentrales Argument gegen den Kauf eines Elektroautos, das attestiert die Studie. Dabei, so argumentiert Continental, könnten schon heute die meisten Menschen ihre Alltagsmobilität problemlos elektrisch bewältigen. In erster Linie würden kurze Strecken gefahren und zu Hause oder am Arbeitsplatz sowie an öffentlichen Orten – also dort, wo längere Standzeiten üblich sind –, seien zunehmend Lademöglichkeiten vorhanden.

Dazu gibt es weitere Hindernisse, die sich nicht durch technologische Entwicklungen allein lösen lassen werden. In Deutschland gibt ein Drittel der Menschen an, dass ein Elektroauto für sie nicht infrage kommt, weil die Bürger daran zweifeln, dass die Technologie umweltfreundlich ist. In Frankreich wird dies von einem Viertel der Menschen angegeben. Ganz anders in den anderen drei Vergleichsländern: Hier sind es nur zwischen 11 % in den USA und 1 % in Japan, die an der Umweltfreundlichkeit der Stromer zweifeln.

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