Probleme begannen schon vor der Pandemie 20. Mai 2021 von Iestyn Hartbrich Lesezeit: ca. 2 Minuten

Handformguss in der Krise

Die Riege der Handformgießereien in Deutschland ist klein geworden. Wer noch da ist, hat sich frühzeitig spezialisiert.


Foto: Siempelkamp

Der Eisenguss der Friedrich Wilhelms-Hütte in Mülheim a. d. Ruhr, die Smart Foundry in Hasloch, Baettr Stade: Sie alle haben in den vergangenen 15 Monaten den Betrieb eingestellt. Beschleunigt durch die Covid-19-Pandemie hat das Gießereiensterben im deutschen Handformguss 2020 seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Laut Branchenverband BDG sind in den letzten fünf Jahren zwischen 10 % und 15 % der Kapazität weggebrochen.

Die Handformgießer, die die Gussformen für Einzelstücke und kleine Serien von Hand herstellen, machen annähernd 15 % der deutschen Gießereiindustrie aus. Ihre Probleme haben lange vor der Pandemie begonnen. „Gutes Geld wurde zuletzt vor 2009 verdient“, sagt Dirk Howe, Geschäftsführer der Krefelder Siempelkamp-Gießerei.

Handformgießereien: Vielfach zu klein für die Globalisierung

Die meisten Handformgießereien sind Mittelständler. Als ihre Kunden – Windanlagenbauer und Pressenhersteller zum Beispiel – den OEMs nach Mexiko oder China folgten, waren die Gießereien zu klein für die Globalisierung. „Unsere Kunden waren Global Player geworden, aber wir waren immer noch Familienbetriebe aus der Pfalz oder aus dem Schwarzwald“, sagt Johannes Heger, geschäftsführender Gesellschafter von HegerGuss.

Jetzt, im Frühjahr 2021, stehen die Zeichen auf Erholung. Hans Dhonau, Inhaber der gleichnamigen Eisengießerei im Schwarzwald, berichtet von vollen Auftragsbüchern. Er lehne Aufträge ab, die er vor einem Jahr hätte annehmen müssen. Dhonau rechnet damit, dass die verbliebenen Gießereien ab dem Herbst ausgelastet sind. „Der Spuk ist rum. Wer sich bis jetzt durchgerettet hat, dem wird es bald besser gehen“, sagt der Gießereichef.

Den Fokus „Handformguss“ lesen Sie im aktuellen E-Paper der VDI nachrichten mit folgenden Themen:

Gießschwund

Industrie: Abwandernde Kunden, kürzere Produktzyklen, Konkurrenz aus China: Handformgießer suchen Antworten auf viele Probleme. Porträt einer Branche zwischen Subventionsfall und Hidden Champion.

Es werden weniger

Wirtschaft: In den vergangenen sechs Jahren sind im Handformguss bis zu 150 000 t Kapazität verloren gegangen. Ein Blick auf die unvollständige Gießereien-Landkarte.

Hand drauf

Werkstoffe: Wie wird Gusseisen formbar? Und wie entsteht ein 300-t-Teil? Eine kurze Werkstoffkunde.

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