ESA-Sonde soll Jupiter-Monde erforschen 27. Apr 2020 von Iestyn Hartbrich, mit Airbus-Material Lesezeit: ca. 2 Minuten

Jupiter-Sonde JUICE nimmt Formen an

Die Jupiter-Sonde JUICE wird gerade im Airbus-Reinraum in Friedrichshafen zusammengebaut.

Die JUICE-Sonde soll die Eismonde des Jupiter erforschen.
Foto: Airbus

Es dauert lange, bis eine Raumsonde der größten Klasse startet, geschweige denn ihr Ziel erreicht. Das Raumschiff JUICE, das für die ESA die Jupitereismonde erforschen soll, ist keine Ausnahme. 2012 ausgewählt, ist die Sonde jetzt, im April 2020, bereit zur Endmontage.

Die erste Hardware ist im Reinraum am Airbus-Standort Friedrichshafen eingetroffen, wo JUICE bis Ende des Jahres mit allen noch ausstehenden Komponenten ausgerüstet und verkabelt wird: Elektronik, Bordcomputer, Kommunikationssysteme, Navigationssensoren, und Wärmeisolierung. Auch die insgesamt zehn wissenschaftlichen Instrumente werden hier montiert.

Nächste Station der Sonde wird das niederländische Noordwijk, wo die ESA das Raumfahrttestzentrum Estec betreibt. Dort muss JUICE eine monatelange Umwelttestkampagne durchlaufen, um zu beweisen, dass sie für ihre Reise über Venus und Mars zum Jupiter und ihre Mission im Jupiter-System bereit ist.

Die 5,2 t schwere Raumsonde (davon mehr als 3 t Treibstoff) wird im Mai 2022 an Bord einer Ariane-Rakete starten – möglicherweise mit einem der ersten Ariane-6-Launcher. Es folgt eine knapp 600 Mio. km lange Reise mit zahlreichen Swing-by-Manövern, mit denen JUICE immer Distanz zwischen sich und die Sonne bringt. JUICE soll sich mit einem Mond-Swing-by in eine Jupiterumlaufbahn einbremsen.

Die Sonde wird mit zehn hochmodernen Instrumenten ausgestattet sein, darunter Kameras, Spektrometer, ein eisdurchdringendes Radar, ein Höhenmesser, Radioexperimente und Sensoren zur Beobachtung der Magnetfelder und Ionosphären des Jupitersystems. JUICE wird auf ihrer einzigartigen Reise durch das Jupitersystem drei Monde ausführlich erkunden, unter deren Oberfläche extraterrestrische Ozeane vermutet werden: Ganymed, Europa und Kallisto.

In den vergangenen Monaten wurde bereits das chemische Antriebssystem am deutschen ArianeGroup-Standort Lampoldshausen in die von Airbus in Madrid gebaute JUICE-Struktur eingebaut. Spezialisten von ArianeGroup haben das Antriebssystem – bestehend aus zwei Titan-Treibstofftanks, dem 400-N-Hauptmotor, der für das Einschwenken in die Jupiter-Umlaufbahn verwendet werden soll, und weiteren 20 kleinen Triebwerken – in die Satellitenstruktur integriert. Nach einem nächtlichen Spezialtransport traf die schwere und übergroße Ladung sicher am Integrationszentrum in Friedrichshafen ein.

Wegen der Corona-Pandemie werden dort bis zu 60 Ingenieure in zwei Schichten arbeiten. Parallel dazu wurde im Satellitenintegrationszentrum von Airbus in Toulouse ein 1:1 Engineering-Modell von JUICE gebaut, um Software in vollem Umfang zu testen, bevor diese dann in Friedrichshafen in das Flugmodell integriert werden kann.

JUICE wird mehr als drei Jahre im Jupiter-System verbringen und Daten über die Bedingungen sammeln, die zur Planetenentstehung und zur Entstehung von Leben führen können. JUICE wird neun Monate damit verbringen, den eisigen Mond Ganymed zu umkreisen und seine Entwicklung und Beschaffenheit sowie seine potenzielle Bewohnbarkeit zu analysieren.

Ursprünglich war eine gemeinsame Jupitermission von ESA und Nasa geplant, die aber wegen Budgetkürzungen in den USA gestrichen wurde. JUICE ist aus dem europäischen Missionsbeitrag hervorgegangen, dem Jupiter Ganymede Orbiter.

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