Produktion 17. Mai 2021 Von Martin Ciupek

Vier Szenarien machen Hoffnung für den Maschinenbau in 2030

Zurzeit ist die Zukunft vieler Branchen durch besonders große Unsicherheiten geprägt. Das gilt auch für den Maschinenbau im deutschsprachigen Raum. Eine Szenarioanalyse des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt nun in vier Szenarien für das Jahr 2030, wie die Branche dabei erfolgreich agieren kann.

Mobile Werkzeugmaschine der Firma Pictum MT.
Foto: Martin Ciupek

Die positive Nachricht vorneweg: In allen vier Szenarien können die Unternehmen im deutschsprachigen Maschinenbau laut den Experten von Deloitte auch künftig noch wirtschaftlich erfolgreich sein. Die gerade erschienene Analyse zeigt aber auch, dass sie dabei unterschiedliche Möglichkeiten haben, ihre Zukunft auch weiterhin in größerem Umfang selbst mitzugestalten. Zudem wird deutlich, dass die hohe Präzision der Produkte allein im globalen Wettbewerb nicht mehr reicht. Innovation bleibt ein Muss.

Die aktuellen Leistungen der Branche sind für die Experten ein positives Signal. Oliver Bendig, Partner und Sektor Lead Maschinenbau bei Deloitte, stellt fest: „In den vergangenen zwölf Monaten haben die europäischen Maschinenbauer ihre Kundenbeziehungen trotz der Kontaktbeschränkungen nicht nur aufrechterhalten, sondern darüber hinaus erfolgreich auf Remoteservice umgestellt. Einige Hersteller haben rund 80 % der elektronischen Störungen an ihren Maschinen aus der Ferne gelöst, ohne dass ein Techniker vor Ort war.“

Oliver Bendig, Partner und Sektor Lead Maschinenbau bei Deloitte.
Foto: Deloitte

Das ist für ihn in der Pandemie und angesichts des ökologischen Footprints der Präsenzkultur das richtige Serviceangebot. Gleichzeitig habe das bei vielen Kunden bleibende Erwartungen geweckt. „Die europäischen Maschinenbauer sind gut beraten, erfolgreiche Technologien, wie sie zum Beispiel im B2C-Bereich zur Warennachverfolgung genutzt werden, stärker einzusetzen. Auch der enge persönliche Austausch, der entscheidend ist für eine erfolgreiche Kundenbeziehung, steht vor neuen Herausforderungen“, macht er mit Blick auf die Ergebnisse der Szenarioanalyse deutlich.

Vier Szenarien im Fokus

Die Marktbeobachter von Deloitte haben anhand der öffentlichen Berichterstattung von Dezember 2019 bis Dezember 2020 sowie auf Basis von qualitativen Experteninterviews insgesamt 91 Treiber für den Maschinenbau in Deutschland, Österreich und der Schweiz identifiziert. Daraus haben sie die Trends mit der größten Eintrittswahrscheinlichkeit zu vier Szenarien zusammengefasst.

Szenario A ist für sie „ein fragiles Paradies“: Hier schreibt der Maschinenbau seine aktuelle Situation fort und besetzt mit spezialisierten und kundenspezifischen Maschinen attraktive Nischen. Durch einen offenen Welthandel und einen stabilen EU-Wirtschaftsraum gelingt es ihnen, die Konkurrenz aus Asien auf Abstand zu halten. Gleichzeitig schaffen Tech-Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen es nur langsam, in das Industriegeschäft einzusteigen. Weil die Herausforderungen aus dem Jahr 2021 weiter erhalten bleiben, sind die europäischen Maschinenbauer weiterhin gezwungen, ihren Vorsprung durch kontinuierliche Innovation zu sichern. Die Situation bleibt damit auch 2030 fragil.

Szenario B steht für „Erfolg durch Wandel“: Hier haben die europäischen Maschinenbauer ihre Produktion aus einer Position der Stärke heraus digitalisiert, modularisiert und standardisiert. Mit flexiblen Geschäftsmodellen haben sie die Konkurrenz aus Asien ebenso wie die Plattformanbieter hinter sich gelassen. Der Erfolg der Branche muss dabei nach Einschätzung von Deloitte durch attraktive Preise gesichert werden, die Gehälter und Strukturen der europäischen Unternehmen geraten unter erheblichen Kostendruck.

Wird der Maschinenbau zum Zulieferer?

Szenario C trägt den Titel „das verlorene Paradies“: Hier haben Software- und Plattformanbieter ihre Vision der Zukunft umgesetzt. Die Tech-Unternehmen haben damit auch den Maschinenbau deutlich verändert. Im Gegensatz zu Szenario B hängt die Effektivität und Spezialisierung im Maschinenbau nun aber vor allem von der Software ab. Damit haben europäische Maschinenbauer ihre Gestaltungskraft verloren und sind zu austauschbaren Zulieferern von mechanischen Komponenten geworden

Szenario D ist „Abhängig vom System“: Hier zeigt sich, wie andere Marktteilnehmer durch Ökosysteme an Bedeutung gewinnen. Auch hier kann der Maschinenbau laut Deloitte zwar weiterhin erfolgreich agieren. Die technologische Vorreiterrolle und wesentliche Bereiche der Wertschöpfung haben dann jedoch Software- und Industrieserviceanbieter sowie Finanzdienstleister übernommen. Servicemodelle prägen dieses Szenario. Wie bereits in Szenario C sind europäische Hersteller in die Rolle von Lieferanten gerutscht. Ihre Abhängigkeit von Software- und Plattformanbietern ist groß. Damit liegt auch der direkte Zugang zum Kunden und zu den Maschinendaten nicht mehr in der Hand der Maschinenbauer. Im Wettbewerb mit den Tech-Firmen müssen sich die Vorreiter des Maschinenbausektors früh in einem europäischen Verbund zusammenschließen, um hier langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Ökosysteme selbst mitgestalten

Thomas M. Döbler, Partner und Industry Lead Energy, Resources & Industrials bei Deloitte folgert daraus: „Die verschiedenen Szenarien zeigen sehr deutlich, wie wichtig es ist, bereits heute das Maschinenbauökosystem mitzugestalten – bevor man selbst dadurch umgestaltet wird.“ Denn noch geht er davon aus, dass der europäische Maschinenbau für die Weltwirtschaft auch 2030 entscheidend sein wird.

Oliver Bendig fügt mahnend hinzu: „Die europäischen Hersteller verlieren in den Szenarien C und D jedoch merklich ihren Gestaltungsspielraum.“ Er sieht das insbesondere auch vor dem Hintergrund der Attraktivität des Maschinenbaus für entsprechende Fachkräfte. „Die Hersteller sind gut beraten, ihre Attraktivität für die entscheidenden Talente zu steigern sowie durch umfassende Digitalisierung und Konsolidierung ihre Effizienz zu erhöhen“, macht er deutlich. Einzelne Maschinenbauunternehmen könnten allein jedoch kaum gegen große Technologiefirmen aus der Plattformökonomie bestehen. „Das Denken in Netzwerken ist jetzt entscheidend, wenn wir morgen die Zukunft gestalten wollen“, folgert er deshalb. Als Beispiel dafür nennt er Adamos. Hier arbeiten Maschinenbauunternehmen wie DMG Mori, Dürr und Engel sowie wichtige Zulieferer der Branche an einer digitalen Plattform.

Bereitschaft zu Kooperationen wächst

Laut Bendig hat die Offenheit von Unternehmen für solche Kooperationen im vergangenen Jahr zugenommen. Auch Initiativen wie die Kooperation zwischen dem Maschinenbauer Trumpf, dem IoT -Infrastrukturanbieter Relayr und dem Rückversicherer Munich Re zeigten, dass den Europäern nicht bange sein muss. In diesem Konzept können Kunden Laservollautomaten von Trumpf nutzen, ohne diese kaufen oder leasen zu müssen. Im sogenannten Pay-Per-Part-Modell zahlen sie nur für die auf den Maschinen hergestellten Blechteile. „Mit Kooperationen wie diesen können die deutschen und europäischen Maschinenbauer auch in Zukunft den Ton angeben“, zeigt sich der Maschinenbauspezialist von Deloitte überzeugt.

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