Gefahr aus dem Weltall 08. Mrz 2024 Lesezeit: ca. 4 Minuten

Weltraumschrott kann heute auf Erde krachen

Vor drei Jahren wurde ein Batterieblock von der ISS abgetrennt und treibt seitdem im Weltraum. Laut NASA wird er voraussichtlich am Freitag in die Atmosphäre eintreten. Einige Fragmente könnten einem Medienbericht zufolge in Deutschland landen. Das Ministerium schätzt aber eine Gefährdung für Deutschland als „sehr unwahrscheinlich“ ein.

Batterieblock von der ISS könnte in Deutschland landen. (Symbolbild)
Foto: Nasa

Experten halten an ihrer Bewertung fest und gehen davon aus, dass die herabfallenden Trümmerteile eines ausgedienten Batteriepakets der Internationalen Raumstation ISS voraussichtlich keine Bedrohung für Deutschland darstellen. Ein Sprecher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) erklärte am Freitagmorgen (08. März) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass es unwahrscheinlich sei, dass Teile über Deutschland stürzen würden. Nach aktuellen Berechnungen wird erwartet, dass das Objekt über dem Norden Nordamerikas in die Atmosphäre eintreten wird. Das Zeitfenster für den Eintritt wurde auf einen 20-Stunden-Korridor rund um den späten Freitagabend deutscher Zeit festgelegt.

Gefahrenmeldung über mehrere Warn-Apps

Am Donnerstagnachmittag (07. März) hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) über mehrere Warn-Apps eine offizielle Gefahrenmeldung verbreitet, in der betont wurde, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Trümmerteile auf Deutschland stürzen, sehr gering sei. Es wurde darauf hingewiesen, dass im Falle einer erhöhten Gefahr eine aktualisierte Meldung herausgegeben würde. Es wurde jedoch darauf hingewiesen, dass es zu „Leuchterscheinungen oder der Wahrnehmung eines Überschallknalls“ kommen könnte.

Batterieblock sollte die Erde umkreisen

Vor drei Jahren wurde der Weltraumschrott von der Internationalen Raumstation ISS abgetrennt und seitdem driftet er durch den Weltraum. Nach Angaben der NASA soll der Batterieblock noch bis zu vier Jahre lang die Erde umkreisen, bevor er in der Atmosphäre verglüht. Doch jetzt steht der Wiedereintritt in die Atmosphäre unmittelbar bevor und laut Informationen des deutschen Ministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz, die die „Bild“ zitiert, wird er voraussichtlich am Freitag auf die Erde treffen.

Das betreffende Objekt ist eine Plattform, die Batteriepakete trägt und bereits am 21. März 2021 von der Internationalen Raumstation ISS abgekoppelt wurde. Es hat insgesamt Abmessungen von 4 m x 2 m x 1,5 m und eine Masse von etwa 2600 kg.

Kann der Batterieblock Deutschland treffen?

Es wird erwartet, dass der Batterieblock in Hunderte von Fragmenten zerfällt, von denen einige einzelne mehrere Kilogramm schwer sein können. Es ist ungewiss, wo genau diese Fragmente landen werden. Die Bild-Zeitung berechnete, dass in Deutschland ein 35 km breiter Korridor betroffen sein könnte, der sich vom Ruhrgebiet quer durch das Land bis nach Cottbus erstreckt. Die Trümmerteile sollen voraussichtlich diesem medienbericht zufolge zwischen 16:47 und 19:50 Uhr herabfallen.

Allerdings gibt es auch andere Einschätzungen. „Erste Analysen des deutschen Weltraumlagezentrums haben ergeben, dass Teile der Batteriepakete den Wiedereintritt überstehen und die Erdoberfläche erreichen können“, teilte das DLR gegenüber dpa mit. Vor dem Wiedereintritt überflog das Objekt mehrmals Deutschland, wobei eine potenzielle Gefährdung hierzulande „derzeit jedoch als statistisch unwahrscheinlich angesehen wird“, so eine Aussage des BMWK. Das Ministerium schrieb, dass eine Gefährdung für Deutschland „sehr unwahrscheinlich“ sei.

„Sollten sich wider Erwarten Hinweise auf eine Betroffenheit Deutschlands abzeichnen, so werden die bestehenden Krisenreaktionsmechanismen von Bund und Ländern genutzt, um auf eine mögliche Gefährdung entsprechend zu reagieren. Diese ist nach aktuellem Stand allerdings mehr als unwahrscheinlich. Dennoch wird das Objekt eng überwacht“, heißt es seitens BMWK.

Dem Zufall überlassen

Auch Jan Wörner, ehemaliger Leiter der europäischen Raumfahrtagentur ESA, schätzt die Gefahr als gering ein. „Batterien brennen sehr gerne. Ich gehe davon aus, dass das Paket nahezu komplett in der Atmosphäre verglüht“, erklärte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Vielleicht sieht man das Zerlegen ja als schöne Sternschnuppe“, so er weiter. Dabei wies er darauf hin, dass unter der großen Fläche, die das Paket überfliegt, sehr viel Wasser sei.

Allerdings sollte man berücksichtigen, dass es sich um einen unkontrollierten Wiedereintritt handelt, was die Genauigkeit von Vorhersagen beeinträchtigt.

„Die großen Unsicherheiten kommen daher, dass wir nicht genau voraussagen können, wie dicht die Atmosphäre sein wird. Es hängt von vielen Faktoren ab und bleibt zu einem großen Teil dem Zufall überlassen. Insofern kann man selbst einige Stunden vorher den Ort noch nicht genau benennen. Man kann vielleicht einige Kontinente ausschließen, aber man kann die Vorhersage auf keinen Fall auf ein Land oder eine Stadt herunterbrechen“, zitiert die dpa Worte des Leiters des Esa-Programms für Weltraumsicherheit, Holger Krag.

Dabei erklärte er, dass von einer Höhe von 100 Kilometern, in der der Wiedereintritt stattfindet, bis zum Boden nur etwa zehn Minuten vergehen, wenn das Objekt beginnt, sich zu zerlegen. Er erwähnte zudem, dass der Batterieblock nicht als kompaktes Einzelteil auf einem eng begrenzten Gebiet landen wird, sondern dass sich die Trümmer eher über eine längere Strecke verteilen werden. Es wird erwartet, dass in dem betroffenen Gebiet alle 10 oder 20 Kilometer kleinere Teile zu erwarten sind.

Experten waren noch 2021 wegen der Frachtpalette „besorgt“

Gemäß der NASA-Sprecherin Leah Cheshier, die dem Onlinefachmagazin „Spaceflight Now“ dies noch 2021 bestätigte, hat die Frachtpalette (geschätzt im Jahr 2021) ein Gewicht von 2,9 t. Das Magazin bezeichnete sie daher als „das massivste Objekt, das jemals von diesem Außenposten in der Umlaufbahn abgeworfen wurde“. MDR zitierte aus diesem Anlass einen Experten, den Astrophysiker Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge, Massachusetts. McDowell erklärte in einer E-Mail an „Gizmodo“, dass es früher „keine große Sache“ war, Dinge von der ISS abzuwerfen, da zu dieser Zeit nur sehr wenige Satelliten in einer Höhe von weniger als 400 km unterwegs waren. Dies sei heute jedoch anders und er äußerte daher „Bedenken“.

Lesen Sie auch: Wie Weltraumschrott die Raumfahrt gefährdet und was sich dagegen tun lässt

Nach dem Abwurf der ISS äußerte sich auch der Astronom und Fachautor Philip Plait auf Twitter besorgt über die Situation. Er bezeichnete das Abwurfobjekt als gefährlich, da es groß und dicht sei. Plait hielt es für „unwahrscheinlich“, dass es beim Eintritt in die Atmosphäre „vollständig“ verbrennen werde. (ili/dpa)

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