Telekommunikation 15. Aug. 2022 Von Rainer Bücken Lesezeit: ca. 3 Minuten

Funk: Wo und warum sich Astronomie und andere Nutzergruppen in die Quere kommen

Auf den Weltfunkkonferenzen wird bei Konflikten zwischen Nutzergruppen über Frequenzen ein Ausgleich gesucht. Ein Überblick über das Konfliktpotenzial aus Sicht der Radioastronomie.

Künstlersicht auf einen Pulsar, einen schnell rotierenden Neutronenstern, der mit einer festen Frequenz sowohl im Radiospektrum (grün) als auch im Gammaspektrum (violett) emittiert. Die Beobachtung von Pulsaren erfolgt durch die Radioastronomie unter anderem in bisher ungeschützten Funkbereichen.
Foto: dpa Picture-Alliance/NASA/Goddard Space Flight Center/Handout via Reuters

Über die Weltfunkkonferenzen (WRC: World Radiocommunication Conference) wird bereits im Vorfeld möglicher Konflikte über die Nutzung einzelner Frequenzen oder Frequenzbänder versucht, das Störungspotenzial so gering wie möglich zu halten, sodass schädliche Störungen ausgeschlossen werden können. So ist bei der Zuteilung an das Satellitenfunknetz Starlink mit seinen angekündigten 12 000 Satelliten von SpaceX eine nationale Ausschlusszone zum Schutz des Radioastronomie-Standortes Effelsberg festgelegt worden ist. Sollte es im internationalen Bereich zu Störungen kommen, dann wird gemeinsam mit den internationalen und nationalen Partnern nach einer Lösung gesucht, um die schädlichen Störungen zu beseitigen. So die Theorie, die Praxis ist mitunter etwas holpriger.

Mobilfunk und Festnetz geflutet

In Deutschland ist die entscheidende Instanz bei Konflikten von Funknutzung die Bundesnetzagentur in Bonn. Geht es um die Radioastronomie und Effelsberg, ist für die Agentur das Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) der Hauptansprechpartner. Es werden gegebenenfalls auch die Internationale Gemeinschaft der Radioastronomen (IUCAF) oder das europäische Pendant, das Committee on Radio Astronomy Frequencies (CRAF), mit einbezogen. Damit nicht genug. So stehen auch die International Astronomical Union (IAU), die International Union of Radio Science (URSI) und das Committee on Space Research (COSPAR) bereit.

Viele Radiofrequenzen sind für die Astronomie wichtig, aber ungeschützt

In Europa stellt das CRAF, ein Komitee der Europäischen Wissenschaftsstiftung, das die Radioastronomie-Community vertritt, ein Bindeglied zwischen der Europäischen Konferenz der Verwaltungen für Post und Telekommunikation (CEPT) und der Community dar. Zudem ist CRAF vom Institut de Radioastronomie Millimétrique (IRAM) und dem International VLBI Service for Geodesy and Astrometry mandatiert, da sie für ihre wissenschaftliche Forschung die gleichen Bänder wie die Radioastronomie verwenden und ebenfalls nur passiv ins Weltall lauschen, selbst aber keine aktiven Sender nutzen.

Es gibt eine Reihe wichtiger und für die Radioastronomie aber bisher ungeschützter Frequenzen. Dies sind mögliche Konfliktpotenziale: Ein Beispiel betrifft die Bänder 1718,8 MHz bis 1722,2 MHz und 2655 MHz bis 2690 MHz. CRAF fordert da die Behörden auf, „den Radioastronomiedienst-Betrieb bei Zuordnungen zu anderen Diensten in diesen Bändern zu schützen. Beide Bänder werden derzeit Mobile/Fixed Communications Networks (MFCN) in der CEPT zugeordnet und Radioastronomiedienst-Nutzungen sind kaum möglich.“

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