Chemie 10. Okt 2022 Von Martin Boeckh Lesezeit: ca. 4 Minuten

Bislang keine echte Kreislaufwirtschaft bei Kunststoffen gelungen

Zu wenig Kunststoffe werden im Kreislauf geführt. Das könnte sicht ändern. Dafür aber ist auch die Entsorgungswirtschaft gefragt.

Sammlung: Von den dualen Systemen sollen Kunststoffe möglichst sortenrein erfasst werden, um sie werkstofflich recyceln zu können.
Foto: Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH

Wie viel Kunststoffabfall wird in Europa eigentlich gesammelt, sortiert und recycelt? Und reicht das, eine echte Kreislaufwirtschaft in Gang zu bringen? Fakten dazu liefert der europäische Verband der Kunststofferzeuger, Plastics Europe. Er veröffentlichte im Frühjahr dieses Jahres die zweite Auflage seines Reports „Circular Economy for Plastics – A European Overview“.

Darin aufgelistet alle aktuellen Zahlen zu den Kunststoffströmen in Europa, konkret zu Erzeugung, Verarbeitung, Verbrauch, Abfallbewirtschaftung und Wiederverwertung sowie dem Einsatz von recycelten Kunststoffen in Europa. Gesammelt wurden im Jahr 2020 in der EU27+3, also den 27 EU-Mitgliedstaaten plus den drei EFTA-Staaten Island, Liechtenstein und Norwegen, zusammen rund 29,5 Mio. t Post-Consumer-Kunststoffabfälle, also solche aus Haushalten und dem Gewerbe.

Europa produziert doppelt so viele Kunststoffe, wie es entsorgt

Ob das viel ist oder doch eher bescheiden, ist eine Frage des Standpunkts. „Bislang ist uns eine echte Kreislaufwirtschaft im Bereich Kunststoffe nicht einmal ansatzweise gelungen“, urteilt Bernard M. Kemper, Vorsitzender der Geschäftsführung der EEW Energy from Waste GmbH, dem größten thermischen Verwerter hierzulande.

Weltweit würden jährlich ca. 370 Mio. t Kunststoffe produziert und in Verkehr gebracht, davon rund 60 Mio. t in der EU. Knapp die Hälfte – etwa 29 Mio. t Kunststoffe – würden jedes Jahr entsorgt. Kemper sagt: „Das bedeutet, dass das anthropogene Kunststofflager jedes Jahr weiter anwächst, weil wir in Europa in etwa doppelt so viele Kunststoffe in den Markt bringen wie wir entsorgen.“ Und das bedeute auch, dass das Aufkommen an Kunststoffabfällen in den kommenden Jahren selbst dann steigen werde, wenn es uns durch politische Maßnahmen gelänge, die in Verkehr gebrachte Menge an Kunststoffen zu reduzieren.

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