Wege aus der Wegwerfgesellschaft 04. Feb 2022 Von Martin Ciupek

Recyclingbranche unterstützt Pläne zur Reparierbarkeit von Produkten

Auf den ersten Blick mag es verwundern, dass sich Recyclingverbände für ein „Recht auf Reparierbarkeit“ einsetzen. Sie haben dabei die Kreislaufwirtschaft im Blick, für die ein nachhaltiges Produktdesign ebenfalls wichtig ist.

Reparieren statt wegwerfen, das ist das Ziel der aktuellen EU-Politik.
Foto: PantherMedia / belchonock

In ihrer Sustainable Products Initiative (SPI) macht sich die Europäische Union für Reparatur von Produkten stark. Und auch im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP ist ein „Recht auf Reparierbarkeit“ verankert. Das bedeutet, Produkte wie Elektrogeräte sollen künftig so entwickelt werden, dass defekte Teile einfach ausgetauscht werden können. Damit soll unnötiger Abfall vermieden werden. Deshalb klingt es auf den ersten Blick verwunderlich, dass sich ausgerechnet die Recyclingbranche nun mit einer Drei-Punkte-Checkliste für den „Reparierbarkeits-Index“ stark macht.

Reparierbarkeits-Index als Orientierungshilfe für Verbraucher

Den Reparierbarkeits-Index hatte vorige Woche Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) als Maßnahme ins Spiel gebracht. „Mit dem Recht auf Reparatur werden wir einen wichtigen Schritt aus der Wegwerfgesellschaft gehen“, sagte sie gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Sinnvoll ist ein Reparierbarkeits-Index, auf dem man erkennen kann, wie reparierfreundlich ein Produkt ist“, erklärte Lemke. Der Verbraucherzentrale-Bundesverband hatte die Bundesregierung zum Jahreswechsel aufgefordert, das geplante Recht auf Reparatur bis Mitte März auf den Weg zu bringen.

Für die Entsorger in Deutschland ist ein nachhaltiges Produktdesign eine „unerlässliche Voraussetzung für Kreislaufwirtschaft“. Deshalb unterstützen die Verbände BDE (Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft), bvse (Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung), BDSV (Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen) und VDM (Verband Deutscher Metallhändler) die Pläne. Die Organisationen sind gemeinsam der Auffassung, dass die Weichen für die Langlebigkeit eines Produkts und die spätere bestmögliche Rohstoffrückgewinnung bereits beim Produktdesign gestellt werden. Die Möglichkeit, Akkus zu entnehmen, ist aus Sicht der Verbände sowohl für die Reparatur als auch für ein sicheres und umweltfreundliches Recycling ein notwendiges Anliegen. Sie fordern deshalb eine ökologische Produktgestaltung für alle Geräte, die in der EU auf den Markt kommen.

Drei-Punkte-Checkliste soll Ökodesign fördern

Um das Ökodesign zu fördern, haben die Recyclingorganisationen gemeinsam eine Drei-Punkte-Checkliste erstellt. Danach müsse erstens: jeder, der in Deutschland ein Produkt in Verkehr bringt, dafür Sorge tragen, dass Reparatur und ein ordnungsgemäßes und schadloses Recycling möglich sind. Zweitens: Auch Importware von außereuropäischen Märkten muss den gleichen Standards unterliegen wie europäische Ware. Und drittens: Die Einhaltung dieser Standards muss regelmäßig und umfassend kontrolliert werden.

Für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ist es nach Ansicht der Verbände nötig, dass ihre Mitgliedsunternehmen ihr Augenmerk auf optimale Entsorgung und effizientes Recycling legen. Welches Material den Unternehmen zur Verfügung stehe, hänge dabei in erster Linie von den Herstellern ab. Produkte, die nicht demontiert werden können, werden beispielsweise erst geschreddert, um dann die einzelnen Materialien mit speziellen Verfahren wieder heraus zu sortieren.

Materialauswahl im Produktdesign stellt Recyclingbetriebe vor Herausforderungen

„Bereits mit der Produktidee und der Materialauswahl treffen sie Festlegungen, mit denen die Unternehmen bei Entsorgung und Recycling umgehen müssen und sie oft vor große Herausforderungen stellen. Wir appellieren daher an die Hersteller, reparaturfähige Komponenten und Materialien zu verwenden, die recyclingfähig sind oder bereits aus einem Recyclingvorgang stammen“, heißt es im gemeinsamen Statement der Recyclingorganisationen. Die Verbände sind sich zudem einig, dass die Sustainable Products Initiative (SPI) der Europäischen Union sinnvolle Anknüpfungspunkte bietet, um die Herstellung von langlebigen, leichter reparierbaren, recyclingfähigen und energieeffizienten Produkten voranzutreiben. „Als Verbände befürworten wir die Einführung eines digitalen Produktpasses, der ebenfalls in der SPI vorgesehen ist“, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme.

Mit Material von dpa.

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