Branchenanalyse der DZ Bank 24. Feb 2020 Von Bettina Reckter

Wachstumsbranche Öko-Landwirtschaft

Das aktuelle Agrarpaket der Bundesregierung schränkt vor allem die Nutzung von Pflanzenbehandlungsmitteln stark ein. Damit gerät die konventionelle Landwirtschaft unter Druck, zeigt jetzt eine Studie. Öko-Bauernhöfe aber gewinnen zunehmend Anteile an der Agrarproduktion.


Foto: panthermedia.net/Iakov

Die deutsche Landwirtschaft unterliegt ständigen Veränderungen. Während der Fleischkonsum stagniert, steigt bei den Verbrauchern die Nachfrage nach Bioprodukten stetig, so das Fazit einer Branchenanalyse der DZ Bank AG. Darauf müssen die Bauern reagieren. „Der Landwirt muss immer mehr zum Unternehmer werden“, beschreibt es Claus Niegsch, einer der Autoren der Studie.

Denn das Höfesterben hält an. Laut Statistischem Bundesamt gibt es deutschlandweit nur noch rund 267 000 landwirtschaftliche Betriebe. Zum Vergleich: 1960 waren es allein in Westdeutschland noch mehr als 1,5 Mio. – obwohl landwirtschaftliche Nutzfläche in etwa konstant blieb. Der Trend zum Großbetrieb aber funktioniert nur, wenn deren Produktivität deutlich steigt.

Moderner Maschinenpark und Digitalisierung

Möglich wurde dies durch die Modernisierung des Maschinenparks und den Einzug der Digitalisierung. GPS-gestützte Landmaschinen sowie Applikationen für ein precision farming unterstützen den Landwirt, indem etwa Wetterdaten und Bodenparameter direkt mit dem Nährstoffbedarf der Pflanzen digital abgeglichen werden. Auch in der Viehhaltung steigert digitale Technik die Produktivität, auch wenn von 5G an jeder Milchkanne, wie einst von der Bundesregierung versprochen, noch keine Rede sein kann.

Trockene Sommer und Extremwetter

Bei allem Erfolg werden die Landwirte künftig allerdings mit den zunehmenden Folgen des Klimawandels zu kämpfen haben, meinen die Autoren der Studie. Trockenere Sommer sowie mehr Starkregen und Hagel verursachen Ernteausfälle und die Erosion von Ackerboden. Dabei trägt die deutsche Landwirtschaft selbst zur Erderwärmung bei.

Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) stammen Treibhausgasemissionen in Höhe von rund 72 Mio. t CO2-Äquivalent aus dem Agrarsektor. Das entspricht rund 7,4 % aller deutschen Treibhausgasemissionen. Um die Klimaziele der Bundesregierung einzuhalten, müsste die deutsche Landwirtschaft zwischen 58 Mio. t und 61 Mio. t CO2-Äquivalent pro Jahr bis 2030 einsparen, heißt es in der Studie. Bis 2050 sei eine weitere deutliche Minderung klimaschädlicher Gase vorgesehen.

Öko-Landbau mit besserem Klimapotenzial

Um die deutschen Klimaziele zu erreichen, gelte es den ökologischen Landbau weiter auszudehnen, weil dabei die CO2-Speicherung im Boden besser ausfällt als in der herkömmlichen Landwirtschaft. Zugleich müsse auf die Verwendung von Kunstdünger verzichtet werden, sagt Mit-Autor Michael Stappel. Bodenanalysen zum tatsächlichen Bedarf sowie die punktgenaue Düngemittelgabe könnten zusätzlich helfen.

Zudem könne der Abbau der Überproduktion einen wichtigen Klimabeitrag leisten. „Das betrifft die gesamte Nahrungskette von der landwirtschaftlichen Produktion über die Ernährungswirtschaft und den Handel bis zum Verbraucher“, erklärt Stappel. Darüber hinaus können sich Land- und Forstwirtschaft als Produzenten von erneuerbaren Energien in Form von Biogas, Solarstrom und Heizwärme betätigen. Im Vordergrund der Maßnahmen stehen die Verwendung von Ernterückständen, Gülle und Stallwärme sowie die Nutzung von Brache oder Dachflächen für die Gewinnung von Solarstrom.

Massentierhaltung und Gewächshäuser

Die deutsche Landwirtschaft befindet sich im Umbruch. Der Trend zur Massentierhaltung hält an. Je größer ein Betrieb, desto leichter können allerdings auch notwendige Investitionen vorgenommen werden. Viele Landwirte setzen auf Spezialisierung, um mit den Weltmarktpreisen für Agrarerzeugnisse mithalten zu können. So werden Obst und Gemüse zunehmend in Gewächshäusern gezogen, um unabhängiger vom Wetter zu sein. Bei Erdbeeren beispielsweise nahm die Anbaufläche unter Glas oder Folie nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 3500 % zu.

Währenddessen entwickelt sich die ökologische Landwirtschaft in den letzten Jahren hervorragend. Allein 2018 und 2019 konnte das Biosegment der Studie zufolge seinen Umsatz um jeweils 5 % gegenüber dem Vorjahr steigern. Mittlerweile werden Biolebensmittel im Wert von über 10 Mrd. € in Deutschland umgesetzt. Die Autoren halten den ökologischen Landbau angesichts dieser Entwicklung sogar für eine Wachstumsbranche.

Rund 45 % Öko-Höfe im Jahr 2040

Veränderte Ernährungsgewohnheiten und schärfere Umweltschutzauflagen gelten als Wachstumstreiber für den Öko-Landbau. „Selbst wenn sich der Anstieg der Zahl ökologischer Bauernhöfe weiter abschwächt“, so Michael Stappel, „dürfte die Zahl der Ökobauern von derzeit gut 27 000 auf rund 45 000 wachsen.“ Bei gleichzeitig schrumpfender Gesamtzahl an Höfen könne das bedeuten, dass bis 2040 rund 45 % aller Betriebe ökologisch wirtschaften. Um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Bauern zu sichern, sollten Umwelt- und Klimaauflagen zumindest EU-weit durchgesetzt werden. Daraus resultierende finanzielle Belastungen sollten durch eine neue Ausrichtung der EU-Agrarpolitik abgefedert werden, fordert die Studie.

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