Neues Kampfflugzeug der Bundeswehr 09. Okt 2019, 10:18 Uhr Peter Steinmüller

Warum die F/A-18 der Favorit der Luftwaffe für die Tornado-Nachfolge ist

Bei der Nachfolge für das Kampfflugzeug Panavia Tornado läuft es auf die F-18 aus US-Produktion hinaus, melden die Medien. Denn nur so könne rechtzeitig sichergestellt werden, dass die Bundesrepublik weiterhin Atomwaffen einsetzen könne. Doch warum ist das so wichtig, und was kann dieses Flugzeug?

Eine F/A-18 Super Hornet auf dem Deck eines US-Flugzeugträgers. Reichweite und Zuladung machen den Typ für die Bundeswehr attraktiv.
Foto: Petty Officer 3rd Class Jason Johnston, U.S. Navy/Public Domain

Ein Panavia Tornado der Luftwaffe im Flug. Bis 2025 will die Luftwaffe die letzten Maschinen ausmustern.
Foto: Master Sgt. Kevin J. Gruenwald, U.S. Air Force/Public Domain

Die Atombomben B61 gehören seit Jahrzehnten zum Bundeswehr-Arsenal. Nun wird ein neues Trägerflugzeug gesucht.
Foto: United States Department of Defense (SSGT Phil Schmitten)/Public Domain

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Wenn in den einschlägigen Medien von der „F-18“ geschrieben wird, geht es tatsächlich um die F/A-18  Super Hornet in den Versionen E und F. Ähnlich wie der Tornado ist das von Boeing gebaute Flugzeug in der Lage, hohe  Waffenlasten über größere Entfernungen gegen eine starke Verteidigung ins Ziel zu bringen. Das  Mehrzweckkampfflugzeug fliegt seit 2001 im Dienst der US-Navy, die damit ihre Flugzeugträger ausgestattet hat. Sie wurde aus der ähnlich benannten F/A-18 Hornet entwickelt, die aber wesentlich kleiner ist und gerade bei der US-Marine außer Dienst gestellt wird.

Block-III-Variante mit überarbeitetem Cockpit

Bis heute wurden von der Super Hornet rund 600 Maschinen gebaut, erst im März bestellt die US-Navy noch einmal 78 Exemplare. Die gleiche Konfiguration, Block III genannt, würde auch den Bundeswehrmaschinen zugrunde liegen. Von früheren Varianten unterscheidet sie sich über verbesserten Datenaustausch mit der Einsatzleitung in Echtzeit, schlechtere Erfassung durch Radarsysteme und größere Reichweite. Zudem ist das Cockpit so überarbeitet, dass der Pilot kritische Angaben auf den Displays schneller erfassen kann.

Den Ausschlag für die F/A-18 soll den Berichten zufolge die Zusicherung des Herstellers Boeing gewesen sein, ihr Produkt rechtzeitig zur Außerdienststellung des Tornado im Jahr 2025 für den Einsatz von Atomwaffen auszurüsten. Die Fähigkeit, solche Bomben ins Ziel zu tragen, hat im Arsenal der Luftwaffe ausschließlich der Tornado. Bei dem europäischen Kampfflugzeug Eurofighter, das seit 15 Jahren im Dienst der Luftwaffe steht, wäre die Aufrüstung nicht in dieser Zeit zu schaffen. Verteidigungsminister Annegret Kramp-Karrenbauer hatte vor zwei Wochen  die Entscheidung über die Tornado-Nachfolge für das nächste Jahr angekündigt. Dabei betonte sie, dass bei der Auswahl des Flugzeugtyps die Fähigkeit zum Einsatz von Nuklearwaffen ausschlaggebend sein werde.

Nukleare Teilhabe von großer politischer Bedeutung

Die sogenannte nukleare Teilhabe ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil der bundesdeutschen Sicherheitsdoktrin. Sie besagt im Wesentlichen, dass die Bundeswehr für die Nato Waffensysteme für den Fall eines Nuklearkrieges bereitstellt. Im Gegenzug entscheidet die Bundesregierung mit, ob und wie Atomwaffen eingesetzt werden – im Kalten Krieg, als der Dritte Weltkrieg allen Planspielen zufolge auf deutschem Boden ausgetragen worden wäre, hatte dies eine besondere Bedeutung. In der aktuellen Situation ist für die europäischen Nato-Staaten wichtig, dass die USA sich über die gegenseitigen Verpflichtungen in der nuklearen Teilhabe nicht so leicht aus der Verantwortung für die Sicherheit Europas zurückziehen können.

Ausgerüstet würden deutsche F/A-18 für den Abwurf der taktischen Atombomben vom Typ B61. Die Waffe gehört seit den 60er-Jahren zum Arsenal der US- und Nato-Luftstreitkräfte. Obwohl der  Stationierungsort der deutschen B61 geheim ist, wird in der Öffentlichkeit stets dafür der Fliegerhorst Büchel mit dem Taktischen Luftwaffengeschwader 33 genannt. Bei der sogenannten Zertifizierung der F/A-18 für den Waffentyp geht es etwa um die Anpassung der Software des Waffenrechners und die passende Verkabelung. Da sowohl die B61 sowie das Trägerflugzeug aus US-Produktion sind, liegt das notwendige Know-how komplett in den USA. Dass Boeing diese Aufrüstung erst einmal entwickeln muss, liegt vor allen Dingen daran, dass aktuell die Super Hornet nicht für den Atomwaffeneinsatz vorgesehen ist. Denn die US-Navy sieht dafür schon lange keine Flugzeuge mehr vor, sondern verlässt sich auf ihre Schiffe und U-Boote. Ähnliches gilt für Großbritannien, das bei seiner Tornado-Flotte die entsprechenden Vorrichtungen bereits nach der Jahrtausendwende ausgebaut hatte.

Frei fallende Bomben sind veraltet

Wären die F/A-18 bis 2025 bei der Luftwaffe eingeführt und zum Nukleareinsatz fähig, blieben sie damit aber technisch auf dem Stand der 80er-Jahre stehen. Denn freifallende Bomben, die erst unmittelbar vor dem Ziel ausgeklinkt werden und ungesteuert weiterfliegen, sind seit Jahrzehnten überholt. So nutzen die israelischen Luftstreitkräfte Lenkwaffen bei ihren Angriffen auf stark verteidigte iranische Stellungen in Syrien. Und selbst die jemenitischen Aufständischen setzten kürzlich Drohnen gegen die saudischen Ölanlagen ein. Entsprechend gering fiele die politische Wirkung der deutschen Aufrüstung bei Verbündeten und potenziellen Gegnern aus.

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