PRODUKTION 15. Jul 2019, 15:54 Uhr Roland Hensel

Werkzeugbau im Spannungsfeld von Industrie 4.0

Beim Wettbewerb „Excellence in Production“ ist ein Trend zu vernetzten Wertschöpfungsprozessen zu erkennen. Manfred Baumann, Geschäftsführer beim Vorjahressieger Gerresheimer Regensburg GmbH, nennt Beispiele.


Foto: panthermedia.net / sarah5

VDI nachrichten: Welcher Trend prägt den Werkzeugbau?

Baumann: Industrie 4.0 ist der nächste Schritt, um Produktionsprozesse weiter zu verschlanken und die Produktivität weiter zu steigern. Dabei geht es nicht nur um die technologische Ausrüstung, sondern auch um die organisatorische Ausrichtung. Aber wir hätten diese Automatisierung und Segmentierung in unserem Werk auch ohne das Label Industrie 4.0 gemacht.

Wie sieht dies konkret aus?

Alles, was man braucht, sind intelligente Maschinen und intelligente Werkstücke, die erkennen, was sie gerade bearbeiten bzw. wo sie gerade bearbeitet werden. Implementiert werden diese Daten z. B. auf einem RFID-Chip, mit dem die Werkzeugmaschinen vorher gewählte Bearbeitungsparameter abrufen und sich selbst optimieren. Wenn wir dann noch die Messmaschine einbinden, entscheidet das Werkstück bzw. sein Einsatz, ob es zur Nacharbeit zum Erodieren oder zum Fräsen geht – je nachdem, was schneller oder wirtschaftlicher ist. Beziehen wir zusätzlich die Lieferkette mit in diesen Prozess ein, so findet später der intelligente Werkzeugeinsatz genau die passenden Partnerteile mit den entsprechenden Toleranzen zu einer kompletten Baugruppe zusammen. Wichtig dabei ist immer, dass wir das Werkzeug als Basis nehmen und mit der Maschine kommunizieren lassen.

Wie geht es weiter?

Den angestoßenen Prozess von Industrie 4.0 kann man in alle Segmente einbringen. Mit intelligenten Maschinen und Werkzeugen weiß man, was wer wann wie und mit welchem Werkzeug produziert hat. Künftig können unsere Spritzgussmaschinen mit fahrerlosen Systemen be- und entstücken. Zudem steuert ein Warenbegleitsystem die Einzelteile so, dass später an den Montagelinien die richtigen Teile zum richtigen Zeitpunkt zusammengebaut werden. Heute prüfen wir alle vier Stunden die Fertigungstoleranzen der produzierten Kunststoffteile. Mit intelligenten Werkzeugen geschieht dies in Echtzeit. Das spart viele Prüf- und Anpassungsprozesse und ermöglicht einen günstigeren Preis.

Können Sie schon sagen, dass sich Industrie 4.0 rechnet?

Wir sollten Industrie 4.0 nicht nur auf die Technik reduzieren. Industrie 4.0 ist sowohl ein Mittel zur Effizienzsteigerung als auch ein Anpassungsprozess an die vorhandenen Mitarbeiter.

Wir haben heute in Deutschland ein Nachwuchsproblem und wir sind nicht sicher, ob wir in zehn oder 20 Jahren noch ausgezeichnete Werkzeugmacher bekommen. Folglich müssen wir unsere Prozesse so gestalten, dass sie immer weniger abhängig werden von einzelnen Mitarbeitern. Hier ist Industrie 4.0 ein Mittel zum Zweck, um die Systeme weiter zu automatisieren.

Unsere Mitarbeiter können dann verstärkt andere Aufgaben übernehmen, beispielsweise die Netzwerkbetreuung und die Datenanalyse.

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