B-2 Spirit der USAF übt mit RAF 19. Mrz 2020 Von Peter Steinmüller

Tarnkappenbomber unterwegs auf Europatour

Die strategischen Bomber vom Typ B-2 üben das Verlegen aus den USA und Einsätze über dem Nordatlantik.

Neulich Portugal, jetzt Großbritannien: Die US Air Force übt mit einigen ihrer Tarnkappenbomber Northrop B-2 Spirit von europäischen Flughäfen aus. Ungewöhnlich an der vor knapp 30 Jahren erstmals geflogenen B-2 ist zum einen ihre Auslegung als Nurflügelflugzeug ohne Höhen- und Seitenleitwerk sowie ihre Stealth-Eigenschaften, die sie für Radarsysteme schwer erfassbar macht. Das mit Abstand teuerste Kampfflugzeug der Welt ist ein strategischer Bomber, der 35 Stunden in der Luft bleiben und mit einer Waffenlast von knapp 20 t Ziele in einer Entfernung von 10 000 km angreifen kann.

Unterstützung durch Tankflugzeuge

Die drei Flugzeuge trafen von ihrem Stationierungsort in Missouri auf dem portugiesischem Stützpunkt Lajes auf den Azoren am 9. März ein. Begleitet wurden sie von Tankflugzeugen des Typs KC-10 Extender, die die B-2 bei ihren Einsätzen stets unterstützen und auch bei dieser Verlegung die Bomber über dem Atlantik mit Treibstoff versorgten. Einen Tag später flogen die Maschinen weiter zum britischen Luftwaffenstützpunkt RAF Fairford im Südwesten Englands. Hatten die B-2 auf dem Weg dorthin bereits Übungsangriffe an der Nordspitze von Schottland geflogen, so folgten nun Langstreckeneinsätze über dem Nordatlantik bis nach Island. Dabei übten die Bomberbesatzungen das Zusammenwirken mit in Europa stationierten Flugzeugen der US Air Force sowie mit den Luftstreitkräften europäischer Nato-Staaten, etwa der Luftwaffe Norwegens. Diese übte das Abfangen der B-2 mit ihren neuen Kampfflugzeugen F-35 – also Tarnkappenbomber gegen Tarnkappenjäger.

„Wie Batman im Sturzflug“

Die Tageszeitung Daily Mail zitierte einen Piloten eines Kleinflugzeuges, der die B-2 Spirit in Fairford aus der Luft begutachtet hatte: „Sie strahlen ein bisschen Düsterkeit aus – als wenn Batman damit im Sturzflug herabstoßen könnte.“ Mit einem offensichtlichen Seitenhieb auf die Coronakrise ließ sich Jeff Harrigian, Kommandeur der US-Luftstreitkräfte in Europa, mit den Worten zitieren: „Die Welt erwartet, dass die Nato und die USA ihre Übungen entschlossen fortsetzen, ohne Rücksicht auf externe Herausforderungen.“

Die B-2 Spirit üben regelmäßig in Europa. Zuletzt waren sie im Herbst vergangenen Jahres in Fairford stationiert. Damals landeten sie auch in Island, wohl als politisches Signal, dass die USA entschlossen sind, die Wege über den Nordatlantik für die Nato offenzuhalten. Die vorübergehende Stationierung schwerer US-Bomber in Großbritannien, im Kalten Krieg eine Routineaufgabe, wurde mit der Besetzung der Krim durch Russland und dessen Krieg in der Ukraine seit 2014 wieder aufgenommen.

Erster Kriegseinsatz im Jugoslawienkrieg

Die B-2 wurde etliche Male seit ihrer Indienststellung im Jahr 1993 in kriegerischen Auseinandersetzungen eingesetzt. Zum ersten Mal geschah dies 1999 im Kosovokrieg, als zwei Maschinen von ihrer Basis in Missouri abhoben und in einem 31-stündigen Nonstop-Flug Kasernen, Kommunikationseinrichtungen und Luftabwehrsysteme in Jugoslawien angriffen. Politisch geriet der Einsatz zum Desaster, weil eine Lenkwaffe die chinesische Botschaft traf. Den längsten Kampfeinsatz in der Geschichte der Luftfahrt mit einer Dauer von 44 Stunden flogen B-2 Ende des Jahres 2001. Die Flugzeuge starteten in den USA, griffen Ziele in Afghanistan an und landeten auf der Pazifikinsel Guam. Dort bewaffnete und betankte sie das Bodenpersonal bei laufenden Triebwerken. Die Maschinen flogen damit erneut Angriffe über Afghanistan und kehrten schließlich zur Whiteman Air Force Base zurück.

Von den 21 gebauten B-2 werden noch 19 im Einsatz geflogen. Eine dient als Testflugzeug, eine andere ging bei einem Unfall verloren.

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