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Montag, 11. Dezember 2017

Mobilfunk

Abschied von UMTS

Von Frank Erdle | 2. März 2017 | Ausgabe 09

Mit der Telekom bereitet sich der erste deutsche Mobilfunkanbieter auf die Abschaltung von UMTS vor. Bedeutet das Versorgungslücken auf dem Land?

BU Aus für UMTS
Foto: dpa Picture-Alliance/D. Reinhardt

Frequenzen sind der rare Rohstoff der Mobilfunkbranche. Für die fünfte Generation müssen sich Betreiber von spektrumintensiven Techniken trennen.

August 2000: Die Versteigerung der deutschen UMTS-Lizenzen wird zum medialen Großereignis. Am Ende geben die siegreichen Kommunikationskonzerne Deutsche Telekom, Mannesmann Mobilfunk (später übernommen von Vodafone), Mobilcom, Viag Interkom (später aufgekauft von O2) und die inzwischen aufgelöste Group 3G mit dem Bieterduo Telefónica/Sonera insgesamt knapp 51 Mrd. € aus. Das mobile Internetzeitalter in der Bundesrepublik kann beginnen. Doch bis die dritte Mobilfunkgeneration (3G) auf Touren kommt und genügend passende Smartphones verfügbar sind, vergehen noch Jahre. Die Hoffnungen der Investoren, dass sich die Milliarden irgendwann in satte Gewinne ummünzen lassen, haben sich wegen der anhaltenden Preiskämpfe im Markt bis heute nicht erfüllt.

Vorhandene Mobilfunkstandards

Trotzdem ist der teuer subventionierte 3G-Datenfunk bald reif fürs Museum. Ende vergangenen Jahres hat die Bundesnetzagentur ein wenig beachtetes Zukunftspapier veröffentlicht. Darin kündigt der Präsident Jochen Homann an, dass die Behörde „frühzeitig geeignete Frequenzen für die nächste Mobilfunkgeneration 5G zur Verfügung stellen“ will.

Um dieses Versprechen einlösen zu können, sollen „auch die im Jahr 2000 versteigerten UMTS-Frequenzen genutzt werden“, wie es in der Veröffentlichung heißt. In der Realität bedeutet das: Wenn in vernetzten Fabriken Maschinen mit Maschinen sprechen, smarte Stromnetze die Energieversorgung regeln und Autos autonom durch die Innenstädte rollen, bleibt kein Platz für behäbige Datenübertragungsverfahren.

Telefonieren und Surfen über LTE wird Standard

Die Zeit drängt: Nach einer kürzlich erschienenen Untersuchung der Unternehmensberatung IDC sollen im Jahr 2020 rund 30 Mrd. Maschinen über das Internet kommunizieren. Der IT-Konzern Cisco prognostiziert, dass bald auf jeden Bundesbürger durchschnittlich zehn Geräte mit Webanbindung kommen.

Im künftigen 5G-Umfeld macht es aber auch aus anderen Gründen keinen Sinn, die veraltete Technik am Leben zu erhalten: Im Vergleich zur Übertragungsleistung verlangt UMTS sehr viel Spektrum. „Die Netzbetreiber werden die derzeitigen 3G-Frequenzen so umschichten, dass sie für LTE nutzbar sind“, sagt Bernd Theiss, Test & Technik-Chef des Fachmagazins „connect“. „Moderne Mobilfunkzellen arbeiten mit Software-Defined-Radio-Technik. Die Umschaltung auf LTE ist per Software möglich.“

Einen ersten Schritt in diese Richtung plant offenbar die Deutsche Telekom. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen heißt es unter Punkt 5.3: „Die Netztechnologie 3G ... ist vorbehaltlich einer Verlängerung nur bis zum 31. 12. 2020 verfügbar.“ Blaupausen für das Vorgehen des Bonner Riesen liefern Netzbetreiber aus dem Ausland: In Japan und Südkorea sind die ersten Netze nach GSM-Standard bereits abgeschaltet, ebenso beim führenden australischen Betreiber Telstra und bei AT&T in den USA. Die deutschen Niederlassungen von Vodafone und Telefónica sehen diesbezüglich noch keinen Handlungsbedarf.

Dass Deutschland nicht zu den Vorreitern zählen wird, hat triftige Gründe: Mit dem Abschalten der Mobilfunknetze der zweiten (GPRS, EDGE) und dritten (UMTS, HSPA) Generation wären beispielsweise zahlreiche Aufzugalarmsysteme und elektronische Anzeigetafeln nur noch Elektronikschrott. Und eine Aufrüstung auf neuere Datenübertragungsstandards ist mit immensen Kosten verbunden.

„Dazu kommt, dass einige Mobilfunk-Reseller ihre Kunden von der LTE-Nutzung ausschließen“, betont Bernd Theiss. Dies ist vor allem bei Providern der Fall, die Tarife und Prepaid-Karten im Telekom- oder Vodafone-Netz vermarkten, zum Beispiel Congstar und 1&1. Telefónica ermöglicht den LTE-Zugang auch Discountern (Blau, Smartmobil, Tarifhaus etc.).

Die internetaffine Kundschaft leidet aber vielerorts darunter, dass das 4G-Netz der Spanier aktuell nur in Großstädten ausgebaut ist. UMTS wird bis auf Weiteres dringend benötigt, um im Rest der Republik zufriedenstellenden Smartphone-Zugang ins Web sicherzustellen.

Schlussendlich sind im deutschsprachigen Raum viele Business-Notebooks mit integrierter Modemfunktion, Tablets, Surfsticks und Smartphones im Einsatz, die nur über ein UMTS-Modul verfügen und sich nicht ohne Weiteres auf den 4G-Funk aufrüsten lassen.

Matt Hatton, ein britischer Experte in Sachen Internet der Dinge (IoT: Internet of things), hat einen Strategiereport zum Thema veröffentlicht („2G and 3G switch-off: a navigation guide for IoT“). Er hält die Abschaltung der GSM-Netze in den nächsten fünf Jahren für unabdingbar: Ohne deren Frequenzspektrum wird die deutschlandweite Verfügbarkeit von breitbandigen LTE-Diensten ein Wunschtraum bleiben.

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