Ingenieurmonitor für das 3. Quartal 03. Nov 2020 Von Claudia Burger

Arbeitsmarkt für Ingenieure unter Druck

Die Coronakrise hinterlässt auch auf dem Ingenieurarbeitsmarkt gravierende Spuren. Das zeigen die Zahlen für das 3. Quartal 2020 aus dem aktuellen Ingenieurmonitor, den der VDI mit dem Institut der deutschen Wirtschaft herausgibt.


Foto: VDI/Catrin Moritz

Entgegen dem sonstigen Trend einer steigenden Arbeitskräftenachfrage sind die offenen Stellen seit März stark gesunken und die Zahl der Arbeitslosen ist sprunghaft angestiegen: Verglichen zum Vorjahresquartal stieg die Zahl der arbeitslos Gemeldeten damit um 44,9 %.

Allein im dritten Quartal 2020 sank die Anzahl der offenen Stellen um 26,2 %. In absoluten Zahlen waren monatsdurchschnittlich im dritten Quartal 92 380 offene Stellen zu besetzen, wovon 61 170 auf die acht klassischen Ingenieurberufskategorien und 31 200 auf Informatikerberufe entfielen. Eine Beschäftigung in einem Ingenieurberuf suchten im dritten Quartal 2020 monatsdurchschnittlich 46 088 Personen, wovon 33 465 auf die acht klassischen Ingenieurberufskategorien und 12 623 auf Informatikerberufe entfielen.

Verstärkte Nachfrage im Bereich Informatik und Bau

„Da die Ingenieurarbeitgeber weiterhin versuchen, ihr Stammpersonal zu halten, viele von ihnen jedoch vorübergehend auf Neueinstellungen verzichten, betrifft dieses Problem insbesondere jüngere Ingenieurinnen und Ingenieure mit auslaufenden Projektverträgen sowie Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger“, sagt VDI-Direktor Ralph Appel (Foto). Ralf Klemme, Vorsitzender des VDI-Fachbeirats Beruf und Arbeitsmarkt und Director Human Resources Management der Lenze SE, betont, dass Fachkräftesicherung trotz der Delle durch die Pandemie weiterhin ein wichtiges Thema sei. Er mahnt an, dem Nachwuchs auch in schwierigen Zeiten einen erfolgreichen Berufsstart zu ermöglichen.

Die Krise bekräftigt laut Appel darüber hinaus einen Trend, der sich auch schon vorher abzeichnete: eine deutliche Verschiebung der Arbeitskräftenachfrage in den Ingenieurberufen. Die verstärkte Nachfrage im Bereich Informatik und Bau zeige, „dass die prekäre Lage – befeuert durch die Corona-Pandemie – doch zumindest eine Chance birgt: Sie wirkt als Katalysator für einen schnelleren Strukturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft“, so Appel. Bei der Gestaltung dieses Strukturwandels spielten Ingenieurinnen und Ingenieure eine entscheidende Rolle. Sie seien die Treiber der Digitalisierung. „Ob Energiewende, Smart Home oder die Transformation der Autobranche – die Komplexität der technischen Herausforderungen steigt. Das führt langfristig wieder zu einem wachsenden Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren sowie Informatikerinnen und Informatikern“, prognostiziert Appel.

Digitalisierung, Dekarbonisierung und Demografie stärken langfristig die Nachfrage

Der Meinung ist auch Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln: „Die Anzahl erwerbstätiger Ingenieurinnen und Ingenieure der Fachrichtung Umweltschutz, Umwelttechnik, Abfallwirtschaft und Naturschutz ist seit 2005 um über 200 % gestiegen – mit steigender Tendenz. Auswertungen der IW-Patentdatenbank machen deutlich, dass in der Kfz-Industrie die Forschungsschwerpunkte in Technologien der Dekarbonisierung stark an Bedeutung gewonnen haben. Hier werden vor allem Ingenieurinnen und Ingenieure benötigt, die Produkte der Zukunft zu erforschen und zu entwickeln.“ Außerdem würden in den kommenden Jahren jährlich über 62 000 Mint-Akademikerinnen und -Akademiker aus Altersgründen aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden. Ein Großteil davon seien Ingenieurinnen und Ingenieure sowie Informatiker und Informatikerinnen.

Unternehmen versuchen, Kündigungen zu vermeiden

In der aktuellen Phase der konjunkturellen Abkühlung versuchen laut VDI die Unternehmen, ihre Fachkräfte zu halten. „Um sich für die zukünftigen Herausforderungen wie den demografischen Wandel zu wappnen, setzen Ingenieurarbeitgeber in ihrer Personalpolitik erfolgreiche arbeitsmarktpolitische Instrumente wie die Kurzarbeit ein und verzichten größtenteils auf Kündigungen“, so Ralf Klemme.

Tags: Arbeitsmarkt

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