Gesellschaft 14. Jul 2022 Von Wolfgang Schmitz

Der demografische Wandel fordert Bildung und Arbeitsmarkt

Die Bevölkerung in Deutschland ist seit der Wiedervereinigung älter, bunter und individueller geworden. Auf die Herausforderungen des demogarfischen Wandels müssen Bildung und Arbeitsmarkt reagieren, bilanziert das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in einer Studie. Die Tendenz sei vielversprechend.

Die Erwerbsbeteiligung von Frauen ist in den vergangenen 30 Jahren gestiegen. Dennoch sieht das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung das weibliche Arbeitspotenzial noch nicht ausgeschöpft.
Foto: PantherMedia / Gorodenkoff

Der demografische Wandel stellt die Gesellschaft vor Probleme, die sich nicht ohne Eingriffe in Bildung und Arbeit erledigen werden. Um den Herausforderungen von Alterung und Bevölkerungsrückgang zu begegnen, gilt Bildung als Schlüsselelement. „Die sogenannte ,Bildungsexpansion‘ mit einem starken Ausbau des Bildungswesens hat in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass heute mehr Menschen als jemals zuvor höhere Schul- und berufliche Bildungsabschlüsse besitzen“, schreibt das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in einer aktuellen Veröffentlichung, die bislang unbekannte Perspektiven auf den demografischen Wandel zwischen 1991 und 2021 zeigt.

Demnach hatten 1991 im Alter von 40 Jahren rund 20 % aller Männer und 13 % aller Frauen Abitur. Mittlerweile seien die Vergleichswerte auf 45 % bzw. sogar auf 48 % angestiegen. Eine ähnliche Entwicklung zeige sich bei der beruflichen Bildung mit einem starken Zuwachs akademischer Abschlüsse. Hier kletterten die Anteile im gleichen Alter von 18 % auf 26 % bei Männern und von 10 % auf 28 % bei Frauen.

Arbeit: Dynamische Entwicklung bei der Erwerbstätigkeit von Frauen

Bau und Maschinenbau: Geflüchtete Fachkräfte in den Arbeitsmarkt bringen

Das habe weitreichende Konsequenzen für den Arbeitsmarkt – auch langfristige, denn mit den geburtenstarken Babyboom-Jahrgängen der 1950er- und 1960er-Jahre werden in den kommenden Jahren altersbedingt deutlich mehr Personen aus dem Erwerbsleben ausscheiden, als im jüngeren Alter eintreten. „Der altersbedingte Rückgang der Erwerbspersonenzahl kann zumindest teilweise durch ein steigendes Bildungsniveau ausgeglichen werden, da mit einem höheren Bildungsniveau tendenziell eine höhere Pro-Kopf-Produktivität einhergeht“, erklärt Elke Loichinger, Forschungsgruppenleiterin am BiB.

Was tun, wenn in Zukunft immer weniger Menschen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen werden? „Eine Möglichkeit ist, jene Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, die bislang nicht erwerbstätig sind“, heißt es in der Studie. Das zeige ein Blick auf die Erwerbstätigkeit von Frauen im Alter zwischen 15 und 65. Dort gibt es erhebliche Veränderungen: Während 1991 nur etwa 57 % aller Frauen einer bezahlten Tätigkeit nachgingen, sind es heute 72 %. Besonders dynamisch hätten sich Beschäftigtenverhältnisse fernab der 40-Stunden-Woche entwickelt. „So arbeitet mittlerweile mehr als jede zweite Frau ab Mitte 30 in Teilzeit, was vor allem mit steigender Müttererwerbstätigkeit zusammenhängt.“

Zuwanderung erhöht das Arbeitskräftepotenzial und schwächt demografische Alterungsprozesse

Ältere Menschen stehen heute länger im Job als vor 30 Jahren. Bei den 60- bis unter 65-Jährigen üben laut Studie 66 % der Männer und 57 % der Frauen eine Tätigkeit aus. Auch im Alter darüber gab es deutliche Anstiege, wenn auch ausgehend von einem niedrigeren Niveau.

Arbeitsmarkt: Kompetenzen und Anforderungen im Wandel

Auch Zuwanderung aus dem Ausland kann die Dynamik des Arbeitsmarkts beeinflussen. Da es zu einem großen Teil jüngere Menschen seien, die nach Deutschland ziehen, erhöhe Zuwanderung das Arbeitskräftepotenzial und schwächt demografische Alterungsprozesse tendenziell ab. „Zuzüge aus dem Ausland haben erheblich dazu beigetragen, dass die Bevölkerung heute auf einem breiteren Sockel steht als Mitte der 2000er-Jahre“, befindet Katharina Spieß, Direktorin des BiB. Die Integration der nach Deutschland gekommenen Menschen sei vor dem Hintergrund des demografischen Wandels deshalb eine zentrale Aufgabe. „Hierbei geht es auch um die Eingliederung in das Bildungswesen“, so Spieß, was schon bei Kindern mit einer frühen Kita-Nutzung beginnen sollte, um beispielsweise den Spracherwerb zu erleichtern: „Es ist nie zu früh, in Bildung zu investieren. Und auch nie zu spät.“

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