Arbeitsmarkt: Studie von Accenture und Harvard Business School 12. Nov 2021 Von Claudia Burger

Firmen nutzen zu wenig den Pool der „versteckten Talente“

Sogenannte „Hidden workers“ könnten in Unternehmen die Talentpipeline deutlich erweitern, doch dafür müssten Firmen ihr Recruiting verändern. Das hat eine Studie der Harvard Business School und des Beratungsunternehmens Accenture ergeben.


Foto: panthermedia.net/ kopitin

Eine Arbeitgeberumfrage in Deutschland hat laut Accenture ergeben, dass es 31 % aller befragten Unternehmen schwierig finden, die richtigen Talente zu rekrutieren, um ihren Erfolg zu sichern. Ganze 49 % empfänden es heutzutage sogar schwieriger als noch vor drei Jahren und sehen in dieser Entwicklung ein langfristiges Problem. Und das, obwohl es im Jahr 2020 in Deutschland 2,3 Mio. Menschen ohne Festanstellung gab, von denen viele über die gesuchten Qualifikationen verfügen. Im Bewerbungsprozess stoßen sie laut Accenture dennoch auf Hindernisse, schaffen es oft nicht einmal zum Vorstellungsgespräch. 

„Hidden workers“ durch zugespitzte Jobbeschreibungen ausgegrenzt

Die Harvard Business School und das Beratungsunternehmen Accenture haben eine Studie über die sogenannten „Hidden workers“ , also „versteckte Talente“, veröffentlicht – ein breiter Pool an Talenten, die aufgrund der heutzutage gängigen Recruitingstrategien unentdeckt bleiben. Die Herausforderung beginnt oft schon bei den Jobbeschreibungen. Diese sind durch ihre Auswahlkriterien auf eine so enge Gruppe zugespitzt, dass Menschen ohne höheren Bildungsabschluss, Mütter, die lange nicht berufstätig waren, oder auch Geflüchtete von vornherein vom „Recruiting Management System“ aussortiert werden. Die Folge: ungenutztes Potenzial und ein vermeintlicher Mangel an Talenten. Für die Studie wurden die Profile von 8000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und die Aussagen von 2250 Führungskräften in den USA, Großbritannien und Deutschland ausgewertet. Als „Hidden workers“ werden Personen bezeichnet, die in die Kategorien „missing hours“, „missing from work“ und „missing from the workforce“ eingeordnet werden. Zur ersten Gruppe gehören Personen, die stundenreduziert oder halbtags arbeiten, aber gern Vollzeit arbeiten würden, die zweite Gruppe sind Arbeitslose, die aber auf Arbeitssuche sind, und zur dritten Gruppe gehören Menschen, die arbeitslos sind, aber nicht Arbeit suchend sind, aber unter den richtigen Umständen eine Arbeit aufnehmen würden.

Konkrete Maßnahmen wie eine andere Einstellung von Suchfiltern gefordert

Der „Hidden worker“-Bericht benennt konkrete Maßnahmen, um den Recruitingprozess zu verändern und ihn für ein breiteres Spektrum an Talenten zu öffnen. Erfahrungen und spezifische Kompetenzen sollen beispielsweise stärker berücksichtigt werden als Abschlusstitel oder Leerstellen im Lebenslauf. Bisher seien Suchfilter beim Recruiting so aufgestellt, dass bestimmte Kriterien wie Diplome und Noten über die Endauswahl entscheiden. Bewerberinnen und Bewerber, die nicht in dieses Raster passen, würden direkt vom weiteren Prozess ausgeschlossen. Die Studie schlägt vor, den Algorithmus umzustellen, sodass Entscheidungen nicht durch Aussortieren getroffen werden, sondern durch ein gezieltes Suchen von Skills und Expertisen. Beziehe man solche Kriterien und andere Perspektiven ein, würden sich Unternehmen selbst in die Lage versetzen, ihre Belegschaft deutlich diverser aufzustellen und gezielter Kompetenzen, die in der Organisation gebraucht werden, zu finden. 

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