Studie zur Stellenausschreibung 09. Sep 2021 Von Wolfgang Schmitz

Befristung kann für Arbeitgeber Eigentor sein

Unsicherheit zur Eignung der Kandidaten und Kandidatinnen oder zur Entwicklung der Absatzmärkte verleiten Unternehmen gerade in Krisenzeiten dazu, neue Stellen nur befristet auszuschreiben. Wie eine Studie zeigt, reduziert ein befristetes Beschäftigungsangebot die Arbeitgeberattraktivität deutlich.


Foto: panthermedia.net/ garagestock

Befristete Beschäftigungsangebote ermöglichen Unternehmen, Arbeitsverhältnisse auch nach der Probezeit relativ unproblematisch zu beenden, und werden im großen Maße eingesetzt. Seit 2010 liegt der Anteil befristeter Verträge zwischen 38 % und 46 %, unter Fachkräften bei 37 %. Arbeitgeber verringern dadurch das eigene Risiko, gleichzeitig aber auch den Pool potenzieller Kandidatinnen und Kandidaten. „Ein befristetes Angebot reduziert im Vergleich zum unbefristeten die Arbeitgeberattraktivität substanziell“, sagt Michael Knappstein vom Kienbaum Institut @ ISM, Co-Autor der Studie.

Wichtig: Die Begründung der Befristung

Anhand eines fiktiven Bewerbungsprozesses wurde getestet, welchen Einfluss ein unbefristetes bzw. befristetes Vertragsangebot auf die Zu- oder Absage der Kandidatinnen und Kandidaten hat. Befragt wurden abschlussnahe Studierende sowie Absolventinnen und Absolventen an verschiedenen Hochschulen. Erhielten die Teilnehmenden nach einem fiktiven Auswahlgespräch ein befristetes Angebot, sank die Attraktivitätseinschätzung und die Bereitschaft zur Fortsetzung des Bewerbungsprozesses im Vergleich zum unbefristeten Angebot deutlich.

Eine Rolle bei der Einschätzung des Arbeitgebers spielt die Begründung der Befristung. Wird die befristete Einstellung als verlängerte Probezeit eingesetzt, schließen die Kandidatinnen und Kandidaten auf ein schlechtes Betriebsklima. „Aus Sicht der Bewerberinnen und Bewerber ist es schwer bis unmöglich nachzuvollziehen, wie sich das Betriebsklima eines Unternehmens gestaltet. Also suchen sie nach sichtbaren Signalen, die Ableitungen ermöglichen. Ein solches Signal kann eine Befristung sein“, erklärt Knappstein. Befristungen könnten ein Zeichen für ein Klima der Unsicherheit sein, in dem Beschäftigte nicht gerne arbeiten und das Wohlergehen der Beschäftigten nicht so sehr wie vielleicht woanders im Mittelpunkt steht.

Über alternative Lösungen nachdenken

Sollten Arbeitgeber bei Neueinstellungen deshalb komplett auf Befristungen verzichten? Nicht unbedingt, sagt Knappstein: „Unternehmen sollten Befristungen nicht gedankenlos einsetzen, wie es aktuell teilweise geschieht. Vielmehr sollte man sorgsam abwägen, welcher Faktor im Einzelfall schwerer wiegt: die Risikoreduktion zugunsten des Unternehmens oder die Attraktivitätsreduktion zulasten des Unternehmens.“

Gerade junge Beschäftigte schätzen, so Knappstein, Arbeitsplatzsicherheit und Planbarkeit. Die Coronakrise habe die Bedeutung dieser Faktoren noch weiter erhöht. Das sollten Unternehmen nicht außer Acht lassen.

Um die Befristung als verlängerte Probezeit zu ersetzen, könnten stattdessen alternative Lösungen eingesetzt werden. „Bessere Auswahlprozesse können ein Weg sein, um ohne die Befristung auszukommen. Außerdem können Prozesse zur Leistungsbeurteilung optimiert werden, zum Beispiel mit anderen Verfahren oder in kürzeren Zeitabständen.“ Mit realistischeren Ergebnissen in der Leistungsbeurteilung könne das Instrument der Probezeit wirkungsvoller genutzt werden und müsse nicht künstlich verlängert werden.

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