DIW Studie 08. Apr 2022 Von Claudia Burger

Wie Millionäre und Millionärinnen ticken

Wie werde ich Millionär? Vielleicht haben Sie sich das auch schon gefragt. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt jetzt, welche Eigenschaften Millionäre und Millionärinnen aufweisen.

Selfmade-Millionäre und -Millonärinnen weisen besonders oft bestimmte Persönlichkeitsmerkmale auf, hat eine Studie ergeben.
Foto: panthermedia.net/Robert Kneschke

Millionärinnen und Millionäre sind im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung risikobereiter, emotional stabiler, offener, extrovertierter und gewissenhafter. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster, die die Persönlichkeit von Vermögensmillionärinnen und -millionären untersucht haben. Die Studie ist in der Fachzeitschrift „Humanities and Social Sciences Communications“ erschienen.

Bei den „Selfmade“-Reichen sind die Eigenschaften besonders ausgeprägt

Datengrundlage der Persönlichkeitsanalyse ist das SOEP, eine repräsentative Zufallsstichprobe aus der Gesamtbevölkerung in Deutschland. Diese wurde 2019 um eine Zufallsstichprobe von mehr als 2000 Hochvermögenden ergänzt. Im SOEP wurden über 1100 Vermögende befragt, die im Durchschnitt über ein Nettovermögen von etwa 4 Mio. € verfügen. „Damit sind die Hochvermögenden nun im SOEP stark überrepräsentiert, sodass es möglich ist, diese sehr kleine Bevölkerungsgruppe aussagekräftig zu analysieren“, erläutert SOEP-Forscher Carsten Schröder, der die Hochvermögenden-Erhebung initiiert hat.

Es zeige sich, dass das typische Persönlichkeitsprofil der Millionäre und Millionärinnen besonders stark unter Selfmade-Vermögenden ausgeprägt ist, die ihren Reichtum als selbst erwirtschaftet ansehen. Erben-Millionäre und -Millionärinnen würden dieses Profil weniger aufweisen. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Persönlichkeit ein relevanter Faktor für die Vermögensbildung ist“, sagt Johannes König, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim SOEP und Hauptautor der Studie.

In der Allgemeinheit gibt es die „Millionärspersönlichkeit“ auch

Dabei ist das Vermögen derjenigen Reichen besonders hoch, deren Persönlichkeit stärker dem typischen Profil entspricht. In der restlichen Bevölkerung lässt sich die Millionärspersönlichkeit in abgeschwächter Form ebenfalls bei denjenigen nachweisen, die sich aus eigener Kraft hochgearbeitet haben. Diese Menschen verfügen laut DIW zwar noch nicht über ein Millionenvermögen, aber auch sie sind der Ansicht, dass sie aus eigener Kraft zu Reichtum gekommen sind. „Zusammengenommen deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Persönlichkeit ein relevanter Faktor für die Vermögensbildung ist“, so König.

Mitautor Mitja Back, Professor für Psychologische Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie an der WWU, ergänzt: „Da besonders die Reichen Einfluss auf gesellschaftliche Entscheidungsfindungsprozesse haben und die Persönlichkeit maßgeblich Denken und Handeln bestimmt, ist die Untersuchung ihrer Persönlichkeit von großer gesellschaftlicher Relevanz.“

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