Autonome Systeme: Messe Xponential zeigt Vielfalt bei Drohnen und anderen Fahrzeugen
Die Entwicklung von Drohnen sowie anderen hochautomatisierten Lösungen schreitet schnell voran. Worauf es jetzt ankommt, wird im Vorfeld der Messe Xponential in Düsseldorf deutlich.
Foto: Martin Ciupek
Drohnen und Fahrzeuge, die komplett selbstständig entscheiden und untereinander kommunizieren, sind noch Zukunftsmusik. Doch die Technik entwickelt sich rasant weiter. Abbilden will das die Messe Düsseldorf Ende März mit der Xponential Europe, der „Robotikmesse für autonome Technologien und unbemannte Systeme“. Noch sind die meisten Lösungen vor allem hoch automatisiert. Dank Teleoperation können sie aber auch auf unbekanntem Terrain unbemannt eingesetzt werden.
Messe-Chef Wolfram N. Diener sagt: „Die Xponential Europe ist eine Hightech-Messe für autonome Systeme und dazu gehören auch Drohnen. Spätestens mit dem Ukrainekrieg ist deren Bedeutung gewachsen. Aber nicht nur im militärischen Bereich, sondern auch in zivilen Anwendungen sehen wir hier große Entwicklungen.“
Nomenklatur ist für den Veranstalter ein Spagat. „Bei Drohnen gibt es neben der Verteidigung Dutzende zivile Anwendungen“, berichtet Diener. Er macht jedoch direkt deutlich: „Das Anwendungsfeld Verteidigung hat aktuell das größte Wachstum. Auch was die technologische Weiterentwicklung angeht, ist der Bereich sehr dynamisch.“ Davon profitiere die Messe, aber auch die gesamte Industrie.
Diener freut sich, die drei größten Verteidungstechnologie-Unternehmen Deutschlands als Aussteller in Düsseldorf begrüßen zu können. Das sind KNDS, vormals Krauss-Maffei, Diehl Defence und Rheinmetall. Die Verteidigung wird in diesem Jahr ein neues Themenfeld auf der Messe, die voriges Jahr Prämiere feierte, einnehmen. Dafür hat sich der Aufsichtsrat der Messe Düsseldorf im Mai 2025 mit großer Mehrheit ausgesprochen.
Rheinmetall-CTO Kappen zu Drohnen auf der Messe Xponential Europe
Bereits zum zweiten Mal dabei ist in diesem Jahr der Düsseldorfer Konzern Rheinmetall, der sowohl Drohnen als auch Technologien für unbemannte Mobilitätslösungen und Roboter entwickelt. „Das, was wir voriges Jahr in den Bereichen Robotik und unbemanntes Fahren vorgestellt haben, sind für uns Dual-Use-Themen“, erklärt Klaus Kappen, Chief Technology Officer (CTO) von Rheinmetall, gegenüber VDI nachrichten.
Welche Highlights es in diesem Jahr geben wird, lässt er noch offen. Er gibt jedoch Einblicke in aktuelle Themen. Drohnen sind für Rheinmetall in doppelter Hinsicht ein Thema. Einerseits entwickelt das Unternehmen schon länger eigene Drohnen, andererseits gilt es zunehmend, Bedrohungen durch Drohnen abzuwehren.
„Der volle Schutz von Fahrzeugen, Truppen, Liegenschaften und auch kritischer Infrastruktur ist Gegenstand unserer Technologie- und Portfolioentwicklungen“, lässt Kappen durchblicken. Zu den Lösungen sagt er: „Die ‚Layered Drone Defence‘ reicht von weitreichenden Systemen wie unserem System „Der volle Schutz von Fahrzeugen, Truppen, Liegenschaften und auch kritischer Infrastruktur ist Gegenstand unserer Technologie- und Portfolioentwicklungen“, lässt Kappen durchblicken.
Zu den Lösungen sagt er: „Die ‚Layered Drone Defence‘ reicht von weitreichenden Systemen wie unserem System SkyRanger, das mit der klassischen Flugabwehr vergleichbar ist, über kleinere Systeme für die ‚Fliegerabwehr aller Truppen‘, also der Selbstschutz gegen Drohnen im Nächstbereich.“ Darüber hinaus gebe es aktive Schutzsysteme für den hemisphärischen 360°-Schutz gegen ferngesteuerte FPV-Drohnen (First-Person View). Solche über integrierte Kameras und Videobrillen gesteuerte Drohnen seien gerade in der Ukraine zu sehen.
Teleoperation für Verkehr und Militär
Zu den Parallelen zwischen dem teleoperierten Fahren im zivilen Straßenverkehr, mit dem sich die Rheinmetall-Tochter Mira GmbH beschäftigt, und dem Verteidigungsbereich sagt der Entwicklungschef: „Wir brauchen in beiden Bereichen Automatisierung, um Personal zu entlasten – schon allein, weil Menschen fehlen.“ Deswegen seien automatisierte Lösungen für den Konzern generell ein Thema.

Er konkretisiert: „Automatisierte Systeme werden weder im Straßenverkehr noch in militärischen Anwendungen alle Situationen selbstständig bewältigen können. Im Hintergrund wird also immer ein Mensch benötigt. Wir sprechen von Human-Supervised Autonomy.“
Im Bereich des teleoperierten Fahrens lassen sich Erfahrungen nach seiner Ansicht zwischen beiden Bereichen sehr gut übertragen. „Im Bereich des automatisierten Fahrens macht es dagegen einen Unterschied. Im unstrukturierten Umfeld gibt es andere Herausforderungen“, betont er.

Viele davon habe Rheinmetall bereits gelöst. „Auf der europäischen Leistungsschau der Land-Robotik, der ELROB, haben wir das mit unseren HX-Trucks und dem Platooning gezeigt. Da folgen einem bemannten Lkw mehrere unbemannte Fahrzeuge“, nennt er ein Beispiel.
Kappen ergänzt: „Das ist noch keine komplette Automatisierung in jedem Gelände. Ergänzt durch die Teleoperation, kommen wir dennoch zu unbemannten Fahrzeugen. Damit kann ich dann selbst komplexe Aufgaben komplett erfüllen.“
Rheinmetall baut rouste Roboter mit Zulieferen aus Europa
Seit Kurzem entwickelt Rheinmetall auch eigene kollaborierende Roboter, sogenannte Cobots. „Wir haben das Start-up Yardstick gegründet, um mit einem jungen Team robotische Lösungen schnell zu den Kunden zu bringen“, berichtet der CTO. Das sei nicht nur ein Thema für zivilen Anwendungen, sondern auch für die Bundeswehr, Feuerwehr, Polizei etc.
„Wir wollen damit Lösungen schaffen, um in unstrukturierten Umgebungen operieren können. Lösungen, die man heute für Fabriken kaufen kann, sind für diese harschen Umgebungen nur sehr bedingt tauglich“, so Kappen. Bei der Bundeswehr könnten die Roboter beispielsweise die Handhabung von Munition übernehmen. „Sie können damit Menschen sowohl bei monotonen als auch gefährlichen Aufgaben entlasten.“
Für Kappen gibt es aber noch einen weiteren wichtigen Grund nun eigene Roboter zu entwickeln: „Ein wesentlicher Aspekt war für uns auch, dass wir da nicht auf chinesische Anbieter setzen können. Unternehmen wie Kuka sind von Chinesen gekauft worden. Das kann und ist auch bei Start-ups passiert.“
Rheinmetall wolle komplette robotische Systeme mit deutschen oder europäischen Zulieferern in der Lieferkette bauen. „Das gilt einschließlich des Know-how, das nötig ist, um ein Gesamtsystem anbieten zu können. Für uns ist das eine Notwendigkeit, wenn ich auf den wachsenden Markt mit Kunden wie der Bundeswehr schaue“, unterstreicht der Entwicklungschef.
Chancen für Automobilzulieferer in der Rüstungsbranche
Vor dem Hintergrund, dass insbesondere Automobilzulieferer über eine Zusammenarbeit mit der Rüstungsbranche nachdenken, sagt Kappen: „Wir sind Generalunternehmer, wir liefern Gesamtsysteme und Teilsysteme an unsere Kunden. Aber natürlich geht das nicht ohne eine stabile Lieferkette, ohne einen stabilen Mittelstand.
Er warnt aber vor überzogenen Erwartungen und macht das an einem Beispiel deutlich: „Im Bereich logistische Lkw liefern wir mehr als 4000 Fahrzeuge im Jahr an unsere Kunden aus. Für einen zivilen Lkw-Hersteller ist das keine nennenswerte Stückzahl. Das gilt entsprechend auch für die Lieferkette.“
Schutz kritischer Infrastrukturen rückt in den Fokus
Diener freut sich auch über ein wachsendes Interesse seitens der Politik, sowohl für die Ausstellung als auch den Konferenzbereich. „Da geht es beispielsweise um den Schutz kritischer Infrastrukturen und interoperative Anwendungen.“ Das betreffe sowohl die Interaktion zwischen verschiedene Waffengattungen als auch das Zusammenwirken im zivilen Bereich, beispielsweise zwischen Drohnen und der traditionellen Luftfahrt oder beispielsweise zwischen Fahrzeugen in der Logistik und der Entladung von Schiffen.
Darüber hinaus werde das Thema Cybersecurity mit einem eigenen ganztägigen Programm in diesem Jahr eine besondere Rolle im Konferenzbereich spielen. Ein Highlight aus Sicht des Messechefs: „Von der dreitägigen Konferenz wird ein ganzer Tag von der Bundeswehr mit Unterstützung von Diehl Defence ‒ einem der drei größten Verteidigungsunternehmen Deutschlands ‒ veranstaltet.“ Auch im Ausstellerbeirat der Messe ist die Bundeswehr mit Flotillenadmiral Christian Bock, dem neuen Leiter des Innovationszentrums der Bundeswehr, vertreten.
Wettbewerb zu anderen Messen für Rüstung und Verteidigung
Zur Wettbewerbssituation mit anderen Verteidigungsmessen wie der DSEI Germany im März in Hannover sagt Diener: „Natürlich sehen wir im Bereich Verteidigung eine große Nachfrage.“ Allerdings gebe es im Ausland bereits starke, etablierte Anbieter. Außerdem sei der Markt durch die verschiedenen Waffengattungen stark fragmentiert.
Es gebe keine Messe, die in allen Bereichen gleich stark sei. „Da ist die Frage, ob man in die Offensive geht, mit einer breit aufgestellten Verteidigungsmesse oder sich nicht doch lieber auf den Kern der Xponential Europe mit einem unglaublichen Potenzial im Bereich der unbemannten Systeme fokussiert und diese Stärke langfristig ausspielt.“