Porträt der Woche: Martin C. Klein 20. Dez 2021 Von Regine Bönsch und Heike Freimann Lesezeit: ca. 3 Minuten

Elektroautos: Gestandener Automobilist soll Elektro-Zweisitzer etablieren

Seit Anfang Dezember ist Martin C. Klein neuer CEO des Aachener Elektroauto-Pioniers Next.e.GO Mobile SE. Das einst von RWTH-Professor Günther Schuh als e.Go Mobile gegründete Start-up erhält unter niederländischer Führung mit dem neuen CEO eine zweite Chance.

Martin C. Klein, der neue CEO von Next.e.GO Mobile SE, mag heterogene Teams. Nur sie können seiner Meinung nach innovativ sein.
Foto: Next.e.GO Mobile SE

Winziger als ein Smart, kompakter als ein Renault Twingo oder ein Fiat 500: Das ist der e.GO Life, der minimalistische Elektrofloh aus Aachen. Sein besonderes Markenzeichen: Für ihn wurde zunächst die Produktion konzeptioniert und dann erst das Auto. Doch das einst gehypte Start-up der RWTH Aachen schaffte den Sprung in den Markt nicht. Jetzt wollen niederländische Investoren und der neue CEO Martin C. Klein das kleine Fahrzeug und das Unternehmen neu beleben und fit für den Markt machen.

Veteran der Automobilindustrie führt jetzt Elektroauto-Pionier

„Next.e.GOs disruptive Mikrofabriken und die einzigartige Produktplattform in Kombination mit einer unglaublich starken Innovationskultur bieten enormes Potenzial“, davon ist der Verwaltungsratsvorsitzende Ali Vezvaei überzeugt. Und er schwärmt: Klein bringe eine Fülle von Erfahrungen in der Umsetzung mit, um das Team bei der Beschleunigung von Fortschritt und Wachstum zu unterstützen. Schließlich sei er ein Veteran der Automobilindustrie mit über drei Jahrzehnten internationaler Erfahrung.

Vezvaei, der Klein mit so vielen Vorschusslorbeeren bedenkt, ist zugleich Chef der ND Group, des niederländischen Investors, der den insolventen Aachenern erst einen Neustart ermöglichte. Im September 2020 ging das gesamte Geschäft der Aachener einschließlich aller Mitarbeitenden und Tochtergesellschaften in den Besitz der Investmentgruppe über.

Martin C. Klein: Volkswirt soll Elektro-Mini e.Go life durchstarten helfen

Das war 2019: Damals präsentierte die e.Go Mobile AG auf dem Genfer Automobil-Salon als Premiere den e.GO Life Concept Sport. Als Next.e.GO Mobile SE positioniert sie sich nun unter dem neuen CEO Martin C. Klein. Foto: e.Go Mobile AG

Aus e.Go Mobile wurde Next.e.GO Mobile SE. Ein externer Geldgeber, so wurde im Juni dieses Jahres publik, wolle über 30 Mio. € investieren. Gleichzeitig zog sich der Gründer Günther Schuh zurück. Der agile Produktionstechnik-Professor der RWTH wurde einst für seine e.Go- und Streetscooter-Konzepte gefeiert. Nun will er sich auf seine akademische Laufbahn konzentrieren.

Jetzt also soll der Volkswirt Klein – eben kein Ingenieur – die Geschicke der Aachener Elektroflöhe leiten. Er soll das Unternehmen so schnell wie möglich profitabel machen. Auch wenn er jahrelang in verschiedenen Führungspositionen für Daimler arbeitete, den Zulieferer Recaro Automotive Seating sowie den Anlasserspezialisten Remy leitete – sein Name ist nur wenigen bekannt.

Martin C. Klein: Langer Weg vom roten Porsche 911 zur Elektromobilität

Wer also ist Klein? Wer das wissen will, sollte über den großen Teich Richtung USA schauen. Dort hat Mark Green, Gründer und Produzent des Podcasts „Cars Yeah“, den neuen Chef von Next.e.GO Mobile interviewt. Vor rund drei Jahren, als er noch Chef des Sitzherstellers Recaro war. „Ich bin ins Automobilgeschäft hineingeboren“, erzählt Klein da. Sein Großvater hätte am Fließband gearbeitet, sein Onkel hatte eine Porsche-Vertretung und sein Vater sei Managing Director eines Automobilzulieferers gewesen.

„Der Gedanke an Benzin und der Sound der Motoren waren immer um mich herum.“ Da wird sich Klein in Aachen umstellen müssen. Elektromobilität riecht nicht und kommt auch meist eher leise daher. Ganz anders gestrickt ist auch das Auto, das der neue CEO in seinem Leben nie vergessen wird: ein roter Porsche 911 aus den 1970er-Jahren, den er als junger Mann fuhr – rostig, aber mit 125 kW.

Unternehmenslenker Klein setzt für Innovation auf Kommunikation und heterogene Belegschaft

Wenn Klein auf seine Karriere zurückschaut, so antwortet er im Gespräch mit Green zunächst im amerikanischen Jargon: „Aus Fehlschlägen lernt man mehr als aus Erfolgen.“ Doch er hat noch mehr in petto: So glaubt der neue CEO daran, dass eine heterogene Belegschaft besonders innovativ sein kann. Als Unternehmenslenker legt er großen Wert auf Gespräche mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Ich muss einem Ingenieur zuhören und verstehen lernen, um dann verstanden zu werden.“ Sein persönliches Mantra: Es gibt immer Raum für Verbesserung. Wir dürfen also gespannt sein, wie er das in den kommenden Jahren in Aachen ausleben wird.

Einige Weichen sind schon gestellt. Die Neuzulassung nach der Umfirmierung als Automobilhersteller und das vorgeschriebene Jahr Pause, die sogenannte Homologation, haben die Aachener hinter sich. Es kann mit der Produktion im Aachener Stadtviertel Rothe Erde wieder losgehen. Künftig sollen die Elektroflöhe aber auch in Mexiko und Bulgarien gefertigt werden.

Automobilexperten berichten, dass neue Modelle des e.GO geplant sind – etwas Sportliches, etwas für Rollstuhlfahrer. Auch bei der spartanischen Ausstattung soll nachgebessert werden – von der Federung über die Digitalausrüstung bis hin zur Batteriereichweite. Mal schauen, was dem Mann mit Benzin im Blut und seinem Team sonst noch alles für die Elektroflöhe einfällt.

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