Studie: Solardächer für Unternehmen zunehmend unattraktiv 05. Nov 2021 Von Stephan W. Eder

Solar: Einbruch bei Dachanlagen 2022 in Sicht

Während in Berlin die Ampelkoalitionäre in spe eine ehrgeizige Energiewende beraten, schlagen der deutsche Mittelstand und die Solarwirtschaft Alarm: Viele Unternehmen würden gerne Photovoltaikanlagen auf ihre Dächer bringen, aber die Bedingungen drohen so schlecht zu werden, dass die Firmen es wohl in Zukunft lieber bleiben lassen.


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Aufdachanlagen sind das Hoffnungssegment des deutschen und europäischen Solarmarktes. Während die Anlagen auf privaten Dächern ein Evergreen der deutschen Energiewende sind, haben sich diejenigen auf Dächern von Industrie und Gewerbe erst in den letzten Jahren daran gemacht, ihre Potenziale zu heben. Ausgerechnet dieses Segment droht einer neuen Studie des Bonner Marktforschungsinstituts EuPD Research zufolge in absehbarer Zeit massiv ausgebremst zu werden. Die Marktforscher, der Bundesverband Solarwirtschaft und (BSW) und der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) warnen daher vor über 30 % weniger Nachfrage nach Solardächern im kommenden Jahr.

„In Europa haben wir das Potenzial, dass der Markt für Aufdachanlagen bei privaten Haushalten und im Gewerbe jährlich im zweistelligen Prozentbereich zulegt“, sagte Martin Ammon, Geschäftsführer von EuPD Research, im Gespräch mit VDI nachrichten bereits Anfang Oktober anlässlich der Branchenmesse Intersolar. „2020 lagen wir im Gesamtmarkt bei 21 GW an Neuinstallationen, davon rund 11 GW an Aufdachanlagen auf Wohngebäuden und im Gewerbe. In diesem Jahr dürften es 25 GW bis 26 GW für den Gesamtmarkt werden und im Segment Aufdach und Gewerbe dürften wir bei 12 GW bis 13 GW liegen.“

Deutscher Solarmarkt braucht Booster

Auch der deutsche Markt zeigt in den Marktsegmenten Aufdach und Gewerbe laut Ammon in die richtige Richtung: „In diesem Jahr rechnen wir mit 160 000 privaten Aufdachanlagen und Balkonmodulen. Zudem wird über die KfW-Förderung in Deutschland 2021 wohl rund 1 Mio. Wallboxen hierzulande installiert werden. Wir haben aber steigende Systempreise bei den Aufdachanlagen beobachten können.“

Seit dem Tiefpunkt in Deutschland 2015/2016 (rund 1,5 GW Neuinstallation) hat sich der Markt wieder in den letzten Jahren auf fast 5 GW 2020 hochgearbeitet. Klar ist auch, so betonte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW), dass es eines Solarboosters benötige, um die deutschen Klimaschutzziele für 2030 zu erreichen. Waren in der ersten Dekade des Jahrhunderts 17 GW Nennleistung neu installiert worden und zwischen 2011 und 2020 37 GW, so gelte es, bis 2030 151 GW aufzubauen.

Einbruch bei Gewerbedachanlagen von 18 %

Was es daher nicht braucht, sind Hindernisse für Investitionen in diesem Bereich. „Immer mehr Unternehmer wollen in Solartechnik investieren und ihren künftigen Energiebedarf aus erneuerbaren Energien sichern. Dabei treffen sie aber auf immer mehr Marktbarrieren und Bürokratie“, beklagte hingegen gestern der Chefvolkswirt des BVMW, Hans-Jürgen Völz.

In der gestern veröffentlichten Studie machten die Marktforscher von EUPD Research eine kontinuierliche Verschlechterung der Investitionsbedingungen als wesentliche Ursache dafür aus, dass die Investitionsbereitschaft bei Unternehmen, in Photovoltaik-Aufdachanlagen zu investieren, deutlich abnimmt. Gleichzeitig warnen sie vor einem Markteinbruch auch bei Solarenergie in Privathaushalten im nächsten Jahr. Nach den Berechnungen von EuPD Research ging die neu installierte Solarstromleistung auf Gewerbedächern in den ersten neun Monaten dieses Jahres im Marktsegment zwischen 30 kW und 750 kW Nennleistung gegenüber dem Vorjahr bereits um 18 % zurück.

Installation neuer Solardächer wirtschaftlich zunehmend unattraktiver

Zwei wesentliche Hindernisse machen BSW und BVMW aus, weshalb Unternehmen zunehmend weniger auf eine Photovoltaik-Dachanlage setzen wollen. Zum einen lohnt es sich immer weniger, zum anderen gibt es einen überbordenden Bürokratiedschungel, durch den sich die Willigen schlagen müssen. So seien die Marktprämien für neue Solarstromanlagen seit Anfang 2020 um 29 % gefallen und sinken monatlich weiter, während die Preise für Solarstromanlagen in diesem Zeitraum gestiegen sind.

Die Installation neuer Solardächer wird damit wirtschaftlich zunehmend unattraktiver. „Es ist überfällig, den Anspruch des Gesetzgebers wieder einzulösen und die Fördersätze mit der Technologie- und Systempreisentwicklung sowie den verschärften Klimaschutzzielen politisch in Einklang zu bringen“, meint Ammon. Ohne rechtzeitige politische Gegenmaßnahmen werde die Nachfrage nach Solardächern nicht – wie politisch auch gewünscht – wachsen, sondern im kommenden Jahr um ein Drittel einbrechen, so seine Prognose.

Solaranlagen werden teuer

Dabei stehe im Ergebnispapier der Sondierungsverhandlungen für die Ampelkoalition, der Ausbau erneuerbarer Energien solle „drastisch beschleunigt werden“. Der BSW übersetzt das dahingehend, dass er eine Vervierfachung der Ausbauziele auf 20 GW jährlich fordert. Zudem heißt es im Papier, dass „alle geeigneten Dachflächen für Solarenergie genutzt“ werden sollten.

Aber das lohnt sich, wie gesagt, immer weniger, denn die Stromgestehungskosten neu installierter Anlagen liegen unterhalb der EEG-Vergütungssätze. Letztere sinken, die Kosten aber steigen. So lagen selbst für größere Dachanlagen der 250-kW-Klasse Stand November 2021 die Stromgestehungskosten bei 6,45 Cent/kWh, die EEG-Vergütung aber bei 5,75 Cent/kWh. Damit sich das rechnet, gilt es, den erzeugten Strom nicht nur einzuspeisen, sondern selbst zu verbrauchen. Schon heute errechnen sich so Amortisationszeiten von 13 Jahren, so Ammon, zukünftig wird es noch länger. Die Wirtschaft rechnet da mit zehn Jahren, die als vertretbar gelten.

Solarbooster soll „atmenden Deckel“ ersetzen

Größtes Hindernis nach Angaben des BSW sei dabei der in §§ 48, 49 EEG gesetzlich festgelegte sogenannte „atmende Deckel“. Der bestimmt die Förderhöhe für Solarstrom aus neu errichteten Solaranlagen. Weil er aber inzwischen völlig ungeeignet sei, führe er „systematisch zu geringer Kompensation für eingespeisten Grünstrom aus Solaranlagen und entsprechend zu geringer Nachfrage“, so der Verband. Nach den Vorstellungen beider Verbände sollte dieser „atmende Deckel“ in einem 100-Tage-Solarbeschleunigungsgesetz neu kalibriert und somit zu einem „Solar-Booster“ weiterentwickelt werden.

Rückendeckung erhält die Branche in dieser Frage auch vom Umweltbundesamt. Die von der Ampelkoalition geplante Einführung von Solarpflichten könnte wegen ihres zu geringen Marktimpulses diesen seit Jahren bestehenden Reformstau hingegen nicht kompensieren, sondern bestenfalls flankierend wirken, so die übereinstimmende Meinung von BSW und BVMW. Der Reformstau wäre damit aber mitnichten behoben.

Der BSW fordert schon seit Längerem eine Anhebung der Ausschreibungsgrenze für Aufdachanlagen und die Abschaffung der Personenidentität beim Verbrauch des erzeugten Stroms vor Ort. Zudem müssen Unternehmen bisher immer noch die EEG-Umlage auf den selbst hergestellten Strom entrichten, den sie im eigenen Unternehmen selbst verbrauchen. Auch dies gelte es abzuschaffen.

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