Porträt der Woche 05. Jul 2018 Martin Ciupek

Ein Fräser als Zigarrenersatz

Der emeritierte Produktionsforscher und Fertigungsexperte Fritz Klocke wechselt von Aachen nach Stuttgart.

Fritz Klocke gönnt sich keine Pause und ergänzt zwei Jahre die Leitung des Fraunhofer IPA in Stuttgart.
Foto: Fraunhofer IPT/WZL der RWTH Aachen

Wer Fertigungstechnik dröge findet und die Leiter entsprechender Hochschulinstitute für spießig hält, der kennt Fritz Klocke nicht. Lange war er Leiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie (IPT) sowie Mitglied des Direktoriums des Werkzeugmaschinenlabors der RWTH Aachen. Eigentliche hätte der 67-jährige Westfale in Ruhestand gehen können, nachdem er seinen Lehrstuhl für Technologie der Fertigungsverfahren an der Aachener Hochschule dieses Jahr an seinen Nachfolger Thomas Bergs abgegeben hatte. Jetzt hat er kommissarisch eine Leitungsrolle am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart übernommen. Dort wird er Thomas Bauernhansl zur Seite stehen, der das Institut – immerhin eines der größten Fraunhofer-Institute –zuletzt alleine geführt hat.

Fritz Klocke

ergänzt seit diesem Monat die Leitung des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart.

leitete zuvor das Fraunhofer IPT an der RWTH Aachen und gehörte bis Anfang 2018 dem Direktorium des Werkzeugmaschinenlabors (WZL) an.

Der Fertigungstechnikingenieur promovierte an der TU Berlin und engagierte sich als Professor international.

In Aachen denkt man noch gerne an Fritz Klocke. Seine Mitarbeiter beschreiben ihn als „großartigen Chef“, der trotz seiner vielen Aufgaben immer gut zu erreichen war, sich um wichtige Belange kümmerte und „seinen Mitarbeitern ein enormes Vertrauen schenkte“.

Sein Nachfolger Thomas Bergs erinnert sich an den gemeinsamen Besuch einer Konferenz internationaler Produktionsexperten (CIRP) in Cape Town im Jahr 2017: „Während eines wissenschaftlichen Vortrags hat mir Fritz per SMS vorgeschlagen, dass wir lieber in die Hotelsauna mit Panoramablick gehen sollten.“ Dort habe man über die Biologisierung der Produktion philosophiert – dem Thema angemessen im Adams-Kostüm.

Wer sich davon überzeugen möchte, dass Klocke eine gehörige Portion Humor mitbringt und auch vor Selbstironie nicht haltmacht, braucht nur den Internetkanal Youtube aufzurufen und den Supergeil-Weihnachts-Remix von seinen Instituten IPT und WZL anzusehen. Darin tritt der Professor mit Sonnenbrille auf, hält einen fingerförmigen Schlichtfräser wie eine Zigarre und nimmt ein Bad in einer „Ölwanne“, während er sich scheinbar mit weißer Kühlschmieremulsion übergießt. Das alles und auch seine Mitarbeiter findet er in dem fast 4 min langen Videofilm aus dem Jahr 2014 „supergeil“. Es ist angelehnt an das Werbevideo einer Supermarktkette.

Ursprünglich war der Film nur für die interne Weihnachtsfeier vorgesehen. Weil er dort so gut ankam, wurde er ins Internet gestellt. Das führte zwar zur Verwunderung in der Fraunhofer-Zentrale. Geschadet hat es dem erfahrenen Produktionsexperten scheinbar nicht. Er steht dazu, zumal er und auch seine Ehefrau der Veröffentlichung zugestimmt hatten.

Sein Lebensweg führte den 1950 in Vlotho im Kreis Herford geborenen Fritz Klocke zunächst an die Hochschule in Lemgo sowie an die Technische Universität Berlin, wo er Fertigungstechnik studierte. In Berlin promovierte er 1982 zudem, bevor er zehn Jahre in der Industrie arbeitete. 1995 begann schließlich seine Karriere als Universitätsprofessor an der RWTH Aachen, wo er in diesem Jahr ausschied. Zu den schwersten Momenten dort, dürfte für ihn der Brand einer WZL-Halle im Jahr 2016 gehören, bei der die komplette Einrichtung zerstört wurde.

Nun führt es ihn also nach Stuttgart. Denn das Fraunhofer IPA war zuletzt stark gewachsen und war mit eine Haushaltsgröße von fast 100 Mio. € kaum noch von einer Person zu managen. In den kommenden zwei Jahren soll Klocke dort insbesondere die Leitung der Bereiche Oberflächentechnik und Prozesstechnik übernehmen und sich um interne administrative Prozesse kümmern. Bauernhansl, der zusätzlich noch eine Professur an der Universität Stuttgart hat und das Institut seit 2014 allein leitete, wird sich um Digitalisierung und Automatisierung (Industrie 4.0), Ressourceneffizienz sowie Medizin- und Bioproduktionstechnik kümmern. Klocke zeigt sich voller Vorfreude: „Ich freue mich wirklich sehr, dass ich nun nach meiner Emeritierung noch eine Weile meine Erfahrung, Ideen und Kompetenz in den Forschungsfeldern des IPA einbringen kann.“

An Auszeichnungen mangelt es dem umtriebigen Produktionsforscher nicht. Ende 2017 erhielt er die Fraunhofer-Münze als „Würdigung seiner herausragenden Verdienste um die Produktionstechnik in der Fraunhofer-Gesellschaft“. Neben seinem Engagement am Fraunhofer IPT wurde dabei auch sein Einsatz bei der Gründung des Fraunhofer Center for Manufacturing Innovation (CMI) in Boston/USA hervorgehoben, mit dem die Fraunhofer-Gesellschaft den Grundstein für weiterführende Aktivitäten in den USA legte. Dazu kommen weitere Auszeichnungen wie die Otto-Kienzle-Gedenkmünze und Ehrendoktorwürden der Universitäten Hannover, Thessaloniki und Tokio.

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