Innovationspreis 15. Apr. 2026 Ken Fouhy Lesezeit: ca. 2 Minuten

Hermes Award: Die Gewinner 2026

Entwicklungen kommen aus den Bereichen Robotik, Medizintechnik und Antriebstechnik – von Festo, Schaeffler und Ziehl-Abegg.

Hermes-Award-Verleihung auf der Hannover Messe 2025. Fraunhofer-Präsident Holger Hanselka wird auch in diesem Jahr die Laudatio halten.
Foto: Deutsche Messe/ Kai-Uwe Knoth

Seit mehr als 20 Jahren entscheidet eine hochkarätig besetzte Jury im Vorfeld der Hannover Messe über den „Hermes Award“, einen der wichtigsten Innovationspreise der Industrie. Experten aus Wissenschaft, Industrie und Medien bewerten technologische Reife, wirtschaftliches Potenzial sowie den Nutzen für Umwelt und Gesellschaft. Die Auszeichnung wird am 19. April im Rahmen der Messeeröffnung verliehen.

Für 2026 sind Festo, Schaeffler und Ziehl-Abegg nominiert – mit Lösungen aus Medizintechnik, Robotik und Antriebstechnik.

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Festo: Funktionale Integration auf Mikrofluidik-Ebene

Festo tritt mit hochintegrierten Manifolds an, mehrlagigen Kunststoff-Verteilerplatten zur präzisen Handhabung von Flüssigkeiten. Im Unterschied zu klassischen, passiven Kanalplatten kombinieren diese Systeme aktive Funktionen wie Mischen, Dosieren und Ventilsteuerung auf engstem Raum. Ergänzt wird dies durch integrierte Sensorik für Temperatur, Druck, Durchfluss, Farbigkeit und pH-Wert.

Kern der Innovation ist die Verbindung mikrostrukturierter Mehrlagenkanäle mit integrierten Ventil- und Dosierelementen sowie eingebetteten Messpunkten. Ein skalierbares Fertigungskonzept ermöglicht die wirtschaftliche Serienproduktion. Das Resultat sind kompakte, validierbare Fluidiksysteme für Anwendungen in Biotechnologie, Medizintechnik und Halbleiterfertigung. Erste Anwendungen zeigen sich im automatisierten Wirkstoff-Screening, bei dem präzise Fluidsteuerung für reproduzierbare Testergebnisse entscheidend ist.

Schaeffler: Aktuatorplattform für humanoide Robotik

Schaeffler adressiert mit einer hochintegrierten Aktuatorplattform zentrale Anforderungen der humanoiden Robotik. Die Systeme kombinieren Servo-Elektromotor, Leistungselektronik und Encoder in einer kompakten Einheit und lassen sich modular mit Planeten- oder Wellgetrieben konfigurieren.

Im Fokus der Entwicklung standen Bauraumreduktion und hohes Dauerdrehmoment. Gegenüber aktuellen Marktstandards konnte der Bauraum um rund 20 % reduziert werden. Gleichzeitig sorgt ein erhöhter Kupferfüllfaktor in der PSM-Maschine für verbessertes thermisches Verhalten unter Last. Die Integration senkt Systemkosten und erleichtert die Skalierung robotischer Anwendungen.

Schaeffler nutzt seine vertikale Integration, um Komponenten entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu optimieren. Das Portfolio umfasst lineare und rotatorische Aktuatoren, die einen wesentlichen Anteil an humanoiden Systemen ausmachen. Ziel ist die Positionierung als Technologiepartner für industrielle Robotikplattformen.

Ziehl-Abegg: Antriebstechnik ohne Seltene Erden

Ziehl-Abegg wurde für eine Aufzugssynchronmaschine nominiert, die ohne Permanentmagnete aus Seltenen Erden auskommt. Stattdessen werden Ferritmagnete eingesetzt, wodurch kritische Rohstoffe wie Neodym und Dysprosium ersetzt werden.

Entscheidend ist ein neu entwickeltes Motordesign, das trotz Materialsubstitution eine hohe Drehmomentdichte, Laufruhe und Energieeffizienz sicherstellt. Die Maschine erreicht vergleichbare Leistungsdaten wie konventionelle Lösungen – bei identischen Abmessungen. Damit eignet sie sich insbesondere für drehmomentstarke Aufzugsanwendungen mit hohen Anforderungen an Effizienz und Geräuschverhalten.

Neben der technischen Leistung adressiert das Konzept die Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit in der Antriebstechnik. Ferritmagnete sind global verfügbar und in der Herstellung weniger umweltbelastend. Die Serienproduktion soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 starten.

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