Industrielle Produktion im Bioreaktor 12. Jul 2021 Von Bettina Reckter

Pilze als Fleischersatz

Immer mehr Menschen wollen sich bewusster ernähren und greifen nach vegetarischen oder gar veganen Produkten. Doch Alternativen zum Fleisch etwa aus Soja können ebenfalls zum Teil mit negativen Auswirkungen auf die Umwelt einhergehen, wenn sie zum Beispiel in fernen Erdteilen für den heimischen Markt gefertigt werden. Ein Hamburger Start-up setzt jetzt auf heimische Pilzproteine, hergestellt im Bioreaktor.

Das Start-up Mushlabs verwendet Pilze, um daraus ein fleischähnliches Produkt herzustellen.
Foto: Mushlabs

Vegane Ernährung ist längst kein Spleen mehr. Viele Deutsche verzichten bewusst auf Fleisch und tierische Produkte – und es werden täglich mehr. Doch sie alle mit pflanzlichen Ersatzprodukten zu versorgen, ist nicht immer einfach, weil sie auf Soja basieren, das in Deutschland nicht gut gedeiht. Deshalb will der Hamburger Biologe Mazen Rizk nun Pilze als Basis für Fleischersatz züchten.

Damit könnte Rizk, der an der Technischen Universität Hamburg promovierte, sogar zu einer nachhaltigeren Bereitstellung von Nahrung beitragen. Vor drei Jahren gründete der Mikrobiologe aus einem Labor der TU Hamburg heraus das Start-up Mushlabs. Die Idee hat auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) überzeugt, von dem das findige „Pilzlabor“ nun eine Förderzusage im Rahmen des Förderprogramms Industrielle Bioökonomie erhielt.

Wurzelgeflecht der Pilze als Basis für den Fleischersatz

Mazen Rizk, der Erfinder und Gründer von Mushlabs, verwendet Pilze, um daraus ein fleischähnliches Produkt herzustellen. Allerdings nimmt er nicht den oberirdischen Fruchtkörper, sondern das Wurzelgeflecht. „Wir züchten und ernten das Myzel, weil es schneller wächst und fast genauso schmeckt wie der Fruchtkörper der Pilze“, sagt der Hamburger Mikrobiologe.

Mazen Rizk promovierte an der TU Hamburg in der Technischen Mikrobiologie und gründete vor drei Jahren das Start-up Mushlabs.
Foto: Mushlabs

Als Myzel werden die Wurzeln von Pilzen bezeichnet. Meist bilden sie ein weitverzweigtes fadenförmiges Netzwerk unter der Erde aus. Für die industrielle Produktion wird das Pilzmyzel in Bioreaktoren fermentiert und mit Nebenprodukten aus der Lebensmittelindustrie „gefüttert“. Als Nahrung eignen sich Sägemehl, Getreideabfälle oder Reishülsen, aber auch Kaffeesatz und Teebeutel.

Ernte bereits nach wenigen Tagen

Die Biomasse wächst schnell heran: Bereits nach wenigen Tagen kann das Pilzgeflecht geerntet werden. Es ist der Hauptbestandteil für die Produkte, die anschließend zu Steaks oder Fleischbällchen weiterverarbeitet werden.

„Unsere Produkte sind besser für die Natur und die Gesundheit, denn wir verbrauchen keine landwirtschaftlichen Flächen für die Anzucht und setzen weder giftige Chemikalien noch Pestizide ein“, erzählt Mazen Rizk. „Es ist ein tolles Gefühl mit unserer Arbeit Teil der aktuellen Veränderung zu sein, mit beiden Händen anzupacken und die Welt zukunftsfähig zu gestalten.“

Das Förderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums

Mit seinem Förderprogramm Industrielle Bioökonomie fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie den Transfer bioökonomischer Produkte und Verfahren in die industrielle Praxis. Zahlreiche bioökonomische Produkte und Verfahren wurden bereits in der Vergangenheit im Labormaßstab entwickelt. Mit ihnen lassen sich fossile Rohstoffe, häufig unter Nutzung biobasierter Rest- und Abfallstoffe, ersetzen. Zudem können Treibhausgasemissionen minimiert und Beiträge zur Erschließung neuer Wertschöpfungsketten geleistet werden. Ziel der aktuellen Förderung ist es, die innovativen Prozesse in den industriellen Maßstab zu überführen und breit umzusetzen.

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