Neues Sturmgewehr der Bundeswehr 12. Jun 2020 Von Peter Steinmüller

H&K-Chef Koch bringt G-36-Hersteller auf neuen Kurs

Jens Bodo Koch will den Waffenhersteller Heckler & Koch wieder rentabel und reputabel machen. Eine Begegnung.

Eine Panzergrenadierin übt während eines Gefechtschießens mit dem Sturmgewehr G36 von Heckler & Koch. Das Unternehmen hat gute Chancen, auch den Nachfolger zu liefern.
Foto: Steinmüller

Warum tut sich jemand so etwas an? Die Verantwortung für ein Unternehmen zu übernehmen, dessen Schlüsselprodukt eine Ministerin öffentlich brandmarkt, dessen Schulden dem Umsatz entsprechen und das zur besten Sendezeit im Fernsehen als „Meister des Todes“ vorgeführt wird? Jens Bodo Koch hat sich das angetan und wurde vor zwei Jahren CEO des Kleinwaffenherstellers Heckler & Koch (H&K).


Foto:Heckler & Koch

Die Antwort drängt sich nach zweieinhalb Stunden Gespräch auf: weil er etwas bewegen will. Der neue Kurs des 48-Jährigen macht sich in den Zahlen bemerkbar. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 239,4 Mio. €. Bei einer Verschuldung von 235 Mio € blieb nach Steuern und Zinsen ein bescheidener Gewinn von 1,6 Mio € übrig, gegenüber einem Verlust von 8,1 Mio. € im Vorjahr.

Wesentlich für den Weg aus den roten Zahlen war die Erhöhung der Produktivität. Im Rückblick machte Koch die Neugestaltung der Produktion, als an den Wochenenden der komplette Maschinenpark umgestellt wurde, merklich Spaß. „Einmal in die Kiste reingucken, woran muss ich ziehen, damit hinten das Richtige rauskommt?“ Schon in der Wortwahl zeigt sich, wieso Koch sich in der Kommunikation als „untypisch für einen Ingenieur“ einschätzt. „Ich kommuniziere gerne und moderiere auch gerne an der Metaplanwand. Ich bin überzeugt, dass der konstruktive Dialog mit Kollegen zu besseren Ergebnissen führt.“

Externe Expertise kam ins Haus

Allerdings war Koch nicht zu allen Managern so nett. Er verabschiedete einen Großteil der ersten H&K-Führungsebene, holte sich externe Expertise ins Haus, etwa für die Produktion, setzt aber vor allem auf eigene Talente. In einem Haustarifvertrag verlängerte er die Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich um zweieineinhalb Stunden. Gleichzeitig verringerte Koch den Anteil der befristeten Stellen und Zeitarbeitskräfte von rund 30 % auf deutlich weniger als ein Zehntel und erhöhte die Mitarbeiterzahl auf 970 Beschäftigte.

Auch mit der Öffentlichkeit geht Koch ganz anders um als seine Vorgänger. Das Image von Waffenherstellern ist in Deutschland denkbar schlecht, das von H&K noch schlechter. Im Februar 2019 verurteilte das Landgericht Stuttgart zwei ehemalige Führungskräfte des Unternehmens wegen illegaler Lieferungen von G36-Sturmgewehren nach Mexiko in den Jahren 2006 bis 2009 zu Bewährungsstrafen. Die Revision beim Bundesgerichtshof wird dafür sorgen, dass H&K in der Kritik bleibt. Genauso wie der Spielfilm „Meister des Todes 2“, der den Skandal vor knapp 4 Mio. TV-Zuschauern aufbereitete. Koch verweist auf die „Grüne-Länder-Strategie“. Erlaubt sind nur noch Verkäufe in EU- und Nato-Staaten, mit ihnen assoziierte Länder und „Demokratien, die das europäische Wertesystem teilen“, so die Formulierung. Zulässig ist aber auch die Lieferung in Staaten, an den denen die Bundesregierung außen- und sicherheitspolitische Interessen hat, etwa Oman und Jordanien. Koch betont, dass alle Auslandsgeschäfte stets von der Bundesregierung genehmigt würden, Kritik daran bleibe allerdings meist an H&K alleine hängen.

Mit Friedensaktivisten diskutieren

Auf politische Aktivisten geht Koch zu, verriegelt das Unternehmen nicht mehr, wie es früher üblich war. Als etwa Greenpeace in der Coronakrise die Rüstungsunternehmen aufforderte, ihre Produktion auf Medizingüter umzustellen, versicherte Koch, „dass H&K am Ende die gleichen Ziele verfolgt wie Greenpeace. Sie wollen den Frieden sichern, wir wollen das“. Mit Friedens­aktivisten diskutiert er, ohne vom Kurs abzuweichen: „Die wollen das Unternehmen dazu bewegen, sich anständig zu verhalten.“ Die Antwort darauf sei nicht der Verzicht auf die Waffenproduktion, sondern die Grüne-Länder-Strategie.

Doch keine Kritik traf das Unternehmen so tief wie 2015 das Diktum der damaligen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Heckler & Kochs Sturmgewehr G36 habe in der Bundeswehr „keine Zukunft“. Die Vorwürfe wegen mangelnder Zuverlässigkeit und Präzision sind längst widerlegt. H&K hat gute Chancen, die Ausschreibung für den Nachfolger zu gewinnen. Umso überraschender kam vor einem Jahr ein Schreiben Kochs an das Verteidigungsministerium, in dem er eine Änderung der Ausschreibung verlangte. Die Anforderungen seien mit dem kleinen Kaliber des G36 nicht zu erfüllen, man müsse zu den 7,62 mm des Vorgängers G3 zurückkehren. „Die Geschäftsführung erklärte das Ministerium für doof und die Ausschreibung für lebensgefährlich“, interpretierte die FAZ Kochs Worte. Bei diesem Zitat kann der konziliante Koch schon einmal heftiger werden. Er habe dem Ministerium „vertraulich einen sehr konstruktiven Brief geschrieben“. Im Anlagenbau sei es üblich, mit dem Kunden zu klären, welche Anlagen und Werkzeuge dieser benötige, um seine Ziele zu erreichen. Aus dem Kopf zitiert Jens Bodo Koch die im Vergleich zum G36 besseren Werte der Kalaschnikow bei der kinetischen Energie. Für Nichtingenieure drückt es der Fachmann bildlich aus: „Mit einem Messer brauche ich nicht zum Pistolenkampf anzutreten. Unsere Soldatinnen und Soldaten müssen mit der besten verfügbaren Ausrüstung ausgestattet sein.“ Koch ist bei diesem Thema auch Praktiker. Das H&K-Arsenal hat er durchprobiert, auch im taktischen Schießen. Dabei wird z. B. der Handwechsel mit der Waffe für den Fall geübt, dass man in die Schulter getroffen wird. Am Sonntagvormittag lässt Koch es ruhiger angehen. Da übt der Sportschütze mit seiner Pistole. Die Wirkung vergleicht er mit Yoga.

Frustration im Umgang mit der Politik

Das kann gegen Frustration im Umgang mit der Politik helfen. Es klingt Bedauern durch, wenn er deren Berührungsängste anspricht. Den Satz der französischen Verteidigungsministerin Florence Parly bei einem Besuch des H&K-Messestands in Paris 2018, sie sei froh darüber, dass ihre Streitkräfte mit Waffen von Heckler & Koch die Sicherheit Frankreichs garantieren könnten, habe er sich von Ursula von der Leyen mit Blick auf die von H&K an die Bundeswehr gelieferte Ausrüstung gewünscht.

Unter Kochs Führung konzentriert sich H&K auf staatliche Kunden, der Sportschützenbereich wurde heruntergefahren. Die Weltlage kommt ihm dabei entgegen. Die terroristische Bedrohung hat dazu geführt, dass Länderpolizeien Sturmgewehre anschaffen. H&K überholt gerade die Sturmgewehre der britischen Armee, Frankreich hat 100 000 der aktuellen Generation bestellt. Die Entscheidung des Verteidigungsministeriums über den G36-Nachfolger steht kurz bevor. Das internationale Engagement der Bundeswehr ist für Koch auch eine Begründung für seinen Kurs. „Unsere Waffen müssen in den richtigen Händen sein. Ich möchte nicht, dass ein deutscher Soldat einmal in Mali oder sonst wo gegen einen Feind mit einem H&K-Gewehr kämpfen muss.“

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