Porträt der Woche 24. Nov 2016, 13:34 Uhr Simone Fasse

„Ich liebe den Geruch von Beton“

Sandra Katz ist nur noch selten auf Baustellen zu sehen – eigentlich nur, wenn etwas nicht so klappt wie geplant.
Foto: Anton Rauc/BR

Am morgigen Samstag wird es wieder einmal spannend für Sandra Katz: Eines ihrer wichtigsten Projekte wird in Betrieb genommen. Die neue Aurachtalbrücke nahe Emskirchen ist 530 m lang und technisch hochkomplex, denn sie ist quasi aus einem Guss entstanden – das semi-integrale Bauwerk hat praktisch keine Fugen und Lager. „So eine große Brücke baut man nicht so oft“, erklärt Sandra Katz stolz, wenn sie über die filigrane Betonkonstruktion spricht. Als Leiterin Regionales Projektmanagement für die Projekte im Konstruktiven Ingenieurbau der DB Netz AG betreut Sandra Katz alle Brückenprojekte im bayerischen Bestandsnetz. Mehr als 875 Brückenneubauten stehen allein bis Ende 2018 auf ihrem Programm, hinzu kommen die Instandhaltungen.

Sandra Katz

ist Leiterin Regionales Projektmanagement – Projekte Konstruktiver Ingenieurbau bei der Deutschen Bahn – DB Netz AG.
wurde in Bochum geboren und studierte dort Bauingenieurwesen

Nach dem Studium an der Ruhr-Universität in Bochum war die Deutsche Bahn der erste Arbeitgeber für die Bauingenieurin. „Zum Berufsstart ging es mir genauso wie heute vielen Bewerbern – mir war überhaupt nicht bewusst, dass die Bahn so viele Bauingenieure braucht. Dabei ist die Deutsche Bahn der größte öffentliche Auftraggeber im Bau.“ Schon früh übernimmt sie Verantwortung in der Bauherrenvertretung und der Projektleitung. Doch dann zieht es sie in ein Ingenieurbüro, das für den Fraport-Konzern tätig ist. Nach diesem Ausflug bietet die DB Netz AG ihr einen Posten in der Zentrale an. Sie arbeitet nun strategisch für den Konzern. Anschließend wird sie Portfolio-Manager und Leiterin Portfolio Konstruktiver Ingenieurbau, ihre Führungsverantwortung steigt stetig.

„Ich liebe den Geruch von Beton“, sagt die 39-Jährige. Auf der Baustelle trifft man sie jedoch nur noch selten. „Ich muss vor allem vor Ort sein, wenn es brennt“, schildert die Ingenieurin. Fast die Hälfte ihrer Arbeitszeit verbringt sie heute im Büro, während der anderen Hälfte ist diplomatisches Geschick gefragt. „Wenn ich nicht am Schreibtisch bin, erkläre ich meist Nicht-Technikern wie Bürgermeistern oder Stadträten, was wir genau tun und warum.“ Dabei muss sie mit ihrem Team dafür sorgen, dass der Bahnbetrieb so wenig wie möglich eingeschränkt wird. Der Druck ist groß, doch der Job macht Sandra Katz sichtlich Spaß. „Ich wollte einen Beruf, bei dem ich die Ergebnisse meiner Arbeit sehen kann“, sagt sie, und zeigt begeistert das Foto ihres ersten abgeschlossenen Bauprojekts in Trier.

Die Projekte loszulassen und in der Ausführung an ihre Teams zu übergeben, das fiel ihr anfangs als Führungskraft nicht leicht, gesteht Katz ein. „Letztlich trage ja immer ich die Verantwortung.“ Doch diese Verantwortung übernimmt sie gern. Der Austausch mit den Menschen, die für sie arbeiten, ist ihr dabei wichtig. Mit zunehmender Größe der Teams hat sich jedoch die Kommunikation verändert. „Früher konnte ich mit jedem meiner Mitarbeiter mindestens einmal wöchentlich sprechen – bei 50 Beschäftigten an den Standorten München und Nürnberg ist das leider heute in dieser Form nicht mehr möglich“, bedauert Katz. Umso größer ist der Vertrauensvorschuss, den sie ihrer Mannschaft gibt. Eine Stechuhr gibt es nicht, dafür müssen die Ergebnisse stimmen. „Mein Team führe ich sehr kollegial, ich setze auf Vertrauen und darauf, dass meine Mitarbeiter freiwillig die beste Leistung erbringen. Ab und zu sind aber auch sehr klare Ansagen nötig“, beschreibt es die Managerin.

Gerne würde sie noch viel mehr Nachwuchskräfte von den Vorzügen ihres Arbeitgebers überzeugen. Es sei aber nicht einfach, neue Talente zu gewinnen. „Der Markt ist quasi leer gefegt.“ Und vielen Bewerbern fehle es zudem an Erfahrung und fachlichem Wissen.

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