US-Wahl 23. Okt 2020 Von Uwe Sievers

Informationskrieg im Internet

Am 3. November ist es so weit. Dann soll in den USA der nächste Präsident gewählt werden. Doch längst gibt es erneut massive Hinweise auf ausländische Einflussnahme über Internetkanäle.

CIA, Homeland Security und FBI warnten 2020 eindringlich vor Einflüssen aus dem Ausland bei der anstehenden Wahl zur US-Präsidentschaft. Auch damasls Hauptverdächtiger: Russland.
Foto: PantherMedia/BeeBright

Geheimdienste und Sicherheitsbehörden der USA schlagen Alarm: CIA, Homeland Security und FBI warnen eindringlich vor Einflüssen aus dem Ausland bei der anstehenden Wahl zur US-Präsidentschaft. Der oberste Sicherheitsbeamte für die US-Wahl, Bill Evanina, äußerte kürzlich öffentlich, dass Russland aktiv daran arbeite, den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden zu verunglimpfen. Selbst der amtierende FBI-Direktor Christopher Wray warnte in der letzten Woche eindringlich: „Wir beobachten sehr, sehr aktive Bemühungen der Russen, unsere Wahl im Jahr 2020 zu beeinflussen.“ Und auch er ist überzeugt, dass diese Aktivitäten sich darauf konzentrierten, Biden zu diskreditieren.

Russische Troll-Truppen und Hacker versuchen US-Präsidentenwahl 2020 zu manipulieren

Facebook gab Anfang letzten Monats bekannt, man habe eine Operation blockiert, „bei der Mitglieder einer Sankt Petersburger Trollgruppe versuchten, US-Amerikaner anzuwerben“. Microsoft teilte mit, eine russische Hackergruppe habe vor Kurzem staatliche Gremien in den USA sowie rund 200 Berater und Vereinigungen, die für die Republikaner und Demokraten arbeiten, ins Visier genommen. Bei der Gruppe handele es sich um die gleiche, die auch für die Angriffe auf die letzte Wahl im Jahr 2016 als hauptverantwortlich gesehen wird, wie das Wall Street Journal berichtet. Um falsche Informationen über Biden zu verbreiten, setze der Kreml sogar pro-russische Ukrainer ein, heißt es dort weiter. Viele solcher Falschmeldungen seien bereits vom US-Präsidenten und seinen Verbündeten aufgegriffen und weiterverbreitet worden.

Die US-Dienste beobachten technisch raffinierte Cyberattacken

Laut einem gemeinsamen Bericht von FBI und der Cybersecurity and Information Security Agency (Cisa) werde mit Advanced Persistent Threats, sogenannten APT-Angriffen, versucht, Regierungsnetzwerke von US-Gouverneuren und lokalen Verwaltungsbehörden sowie kritische Infrastrukturen und Wahlorganisationen einzelner Bundesstaaten zu kompromittieren. Ein APT-Angriff besteht aus einzelnen aufeinander aufbauenden Attacken, die möglichst wenig Aufsehen erregen sollen, um lange unentdeckt zu bleiben. Ein solcher Angriff kann sich über Monate erstrecken.

Die russischen Aktionen von 2016 bilden die Blaupause für die Beeinflussung der aktuellen Wahl. Damals wie heute sind auch Wahlmaschinen Ziel von Angriffen. Der durch die Watergate-Enthüllungen berühmt gewordene Journalist Bob Woodward schreibt in seinem gerade erschienenen Buch „Rage“, CIA und NSA lägen Beweise vor, dass die Russen 2016 Malware in Wahlregistrierungssysteme in mindestens zwei Bezirken Floridas eingeschleust hätten. Diese Schadsoftware sei jedoch nicht aktiviert worden, hätte sich also im Schläferzustand befunden.

Informationelle Kriegsführung aus Russland gegen die USA

Die Beeinflussung der US-Wahl von 2016 wurde schließlich durch eine Untersuchungskommission analysiert. Das Ausmaß der dabei offengelegten Propagandakampagnen ist beunruhigend (Details s. Kasten): Der Sonderermittler und frühere FBI-Chef Robert Mueller hat mit seinem Team zwei Jahre ermittelt und spricht in seinem rund 500 Seiten starken Abschlussbericht diesbezüglich von „informationeller Kriegsführung gegen die USA“. Seine Untersuchungskommission macht ebenfalls die bekannte Trollfabrik in Sankt Petersburg für die Vorgänge verantwortlich.

Diese als Internetforschungsagentur – Internet Research Agency (IRA) – deklarierte Einrichtung soll dem Oligarchen Jewgeni Prigoschin gehören bzw. unter dessen Kontrolle operieren. Prigoschin gilt als Vertrauter Putins. Schon zwei Jahre vor der Wahl, also 2014, begann die IRA ihre Aktionen.

Internetkampagnen durch aus Russland geschaltete Werbeanzeigen für Trump, zum Beispiel auf Insta­gram und Facebook

Sie wurden in Rubel bezahlt. Um ihre wahre Herkunft zu verschleiern, nutzten die russischen Trolle VPN-Dienste. Durch das VPN erschienen sie nun als Mitbürger aus den USA. Sie kontaktierten darüber US-Bürger, um sie zum Protest auf der Straße zu bewegen. Aus der Ferne organisierten sie auch Demonstrationen für Trump. Protestierende bekamen in Einzelfällen sogar Geld für die Teilnahme, ebenso wie für Megafone und den Druck von Plakaten. Vor einer Demonstration in New York versendeten sie zudem Pressemitteilungen.

Zum Bezahlen verwendeten sie neben extra angelegten Paypal-Accounts auch mit gestohlenen Sozialversicherungsnummern und Adressdaten eröffnete Konten bei US-Banken. Dank des Erfolgs ihrer Kampagnen konnten sie damit sogar Geld einnehmen: Die hohe Reichweite, gemessen in Suchmaschinenplatzierungen oder Followern in sozialen Netzwerken, erlaubte es, auf ihren eigenen Seiten für 25 $ bis 50 $ Inhalte anderer Social-Media-Accounts und aus Russland gesteuerter Seiten wie „Being Patriotic“, „Defend the 2nd“ und „Blacktivist“ zu platzieren, heißt es in Muellers Bericht.

Das fruchtete bei vielen gutgläubigen US-Amerikanern. Sie teilten beispielsweise massiv Lügen über angeblich aufgedeckten Wahlbetrug der Demokraten in Iowa, North Carolina und Florida. Damit erhöhten sie die Reichweite der Accounts so stark, dass in einem Fall der aus Russland geführte Fake-Account bei Twitter zehnmal so viele Follower besaß wie der echte Account der republikanischen Partei in Tennessee.

Häufig verzichtet Muellers Bericht bei derartigen Schilderungen auf Quellenangaben. Jedoch haben bereits in der Vergangenheit ehemalige Mitarbeiter der russischen Troll­fabrik ausgiebig Details preisgegeben. Auch existieren schon länger Ableger der Einrichtung aus Sankt Petersburg. Selbst in Nigeria und Ghana wurden im Frühjahr russische Trollfabriken enttarnt, wie aus einem CNN-Beitrag hervorgeht. Eben nicht nur Geheimdienste, sondern auch US-Journalisten beobachten die Entwicklung akribisch.

Für die anstehende Wahl wurden die Kampagnen geringfügig verändert

Ein Vox-Artikel zeigt, wie die russische IRA ihre Wahlmanipulation weiterentwickelt. So werden z. B. die Trolle und Bots von 2016 bei der bevorstehenden Wahl durch angeheuerte US-Verfasser ersetzt. Offensichtlich gefälschte Nachrichten werden gegen tendenziöse, stark polarisierende Beiträge ausgetauscht, die vom Publikum wütend kommentiert und massenhaft geteilt werden. Das Ziel ist, so viel Aufregung und Unruhe wie möglich zu erzeugen. Vereinfacht würde dies zusätzlich durch Trumps Äußerungen, schreibt die New York Times dazu. So würden soziale Netzwerke schließlich zur Waffe.

US-Präsident Trump hat eine Wahleinmischung seitens Russlands immer wieder bestritten. Er bezeichnet Muellers Ermittlungen als Hexenjagd und diffamiert die Ermittler. Gleichzeitig behauptet das Weiße Haus, die größte Gefahr einer Wahlbeeinflussung gehe von China aus. Die US-Geheimdienste fanden dafür jedoch keine Belege.

Dennoch wurden Ermittlungsbeamte angewiesen, die nachrichtendienstlichen Untersuchungen russischer Aktivitäten einzustellen und sich auf chinesische und iranische Aktionen zu konzentrieren. Die russischen Trolle wird es freuen.

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