Drohnen und Lufttaxis 04. Mai 2022 Von Peter Kellerhoff/RWTH Aachen

Mobilität der Zukunft: Center for Vertical Mobility geht in Betrieb

Im Rheinischen Revier startet die RWTH Aachen mit Partnern ein bundesweit einzigartiges Kompetenz- und Testzentrum zur vernetzten und automatisierten vertikalen Mobilität.

RWTH-Professor Dieter Moormann (li.) demonstriert dem Wirtschafts- und -Innovationsminister Andreas Pinkwart, der Verkehrsministerin Ina Brandes und weiteren Gästen beim Lift-off des Centers for Vertical Mobility (CVM) das Potenzial automatisierter Luftfahrzeuge.
Foto: Andreas Schmitter

Wie können unbemannte Kleinstfluggeräte eilige medizinische Güter sicher transportieren und Rettungskräfte bei der Vermisstensuche unterstützen? Wie werden vertikal startende Lufttaxis medizinisches Personal zu Patientinnen und Patienten bringen?

Drohnen: Neues europäisches Regelwerk reicht nicht aus

Diesen und weiteren Fragen zur vernetzten und automatisierten vertikalen Mobilität wird sich das neue Center for Vertical Mobility (CVM) in Aldenhoven, Kreis Düren, widmen. Im Rheinischen Revier entsteht damit in Zusammenarbeit des Instituts für Flugsystemdynamik der RWTH Aachen mit weiteren Hochschulinstituten und Partnern aus der Industrie ein bundesweit einzigartiges interdisziplinäres Kompetenz- und Testzentrum.

Bei einem symbolischen Lift-off auf dem Gelände des Aldenhoven Testing Centers (ATC) haben nun Ina Brandes, Ministerin für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, und Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, mit dem Rektor der RWTH, Ulrich Rüdiger, den ersten unbemannten Flug auf den Weg gebracht. Das Vorhaben sei, so betonten alle Beteiligten, ein wichtiger Bestandteil zum Strukturwandel in der Region.

Vertikale Mobilität: Ohne besondere Infrastruktur an jedem Ort einsetzbar

„Mobilität ist eine Schlüsselkomponente, durch die die künftige Entwicklung von Bevölkerungs- und Wirtschaftsstrukturen im ländlichen Raum nachhaltig beeinflusst und geprägt wird. Vertikale Mobilität hat das Potenzial, ohne Notwendigkeit einer besonderen Infrastruktur am Boden zu jedem beliebigen Ort zu kommen und Transportleistungen oder Verkehrsdienste anzubieten, und dies jederzeit und bei jedem Wetter“, erläutert Dieter Moormann, Leiter des Instituts für Flugsystemdynamik. Start und Überwachung des Premierenflugs sowie die Übertragung der Bilddaten wurden über das 5G-Netz von Vodafone sichergestellt, dieses wird als „5G.air“ für hochdynamische Luftfahrtanwendungen am CVM ausgebaut.

Vertikale Mobilität: Für den Transport eiliger Güter, für die Datengewinnung, die digitale Produktion und für die Unterstützung von Rettungskräften

Im Fokus der Arbeiten stehen Forschung, Entwicklung und Betrieb von vertikalstartfähigen unbemannten Luftfahrzeugen etwa für den Transport eiliger Güter, für die Datengewinnung, die digitale Produktion und für die Unterstützung von Rettungskräften.

Drohnen suchen Seltene Erden

Auch geht es um den Test eines sicheren automatisierten Betriebs von vertikalstartfähigen Lufttaxis. Alle Flugsysteme starten und landen vertikal. Eine Landebahn ist dafür nicht erforderlich, allerdings ein sogenannter U-Space als Luftraum, in dem ein sicherer gleichzeitiger Betrieb dieser Luftverkehrsteilnehmer auch mit der heute üblichen bemannten Luftfahrt möglich ist. Damit versteht sich das CVM als Ergänzung zu den Forschungsaktivitäten am Aeropark Aachen-Merzbrück und auf dem Innovationsflughafen in Mönchengladbach.

Agenda vertikaler Mobilität: Erforschung und Optimierung von Flugwindkraftwerken

Auf der Agenda stehen zudem die Erforschung und Optimierung von sogenannten Flugwindkraftwerken, die effizient und nachhaltig unter Nutzung von Höhenwinden weit oberhalb der Blattspitzen heutiger Windenergieanlagen Energie erzeugen. Wirtschafts- und Innovationsminister Andreas Pinkwart: „Die effizientere Nutzung von Höhenwinden birgt großes Potenzial für den Ausbau der erneuerbaren Energien.“

Stimmen aus der Politik zur vertikalen Mobilität

Verkehrsministerin Ina Brandes: „Nordrhein-Westfalen ist Heimat der Mobilität 4.0 mit selbstfahrenden Bussen im Linienverkehr, automatisierten Binnenschiffen, landesweitem E-Tarif für Bus und Bahn oder leisen und emissionsfreien E-Flugzeugen, die in Aachen-Merzbrück abheben. Das neue Center for Vertical Mobility stärkt die Rolle Nordrhein-Westfalens als Pionier bei der Entwicklung des Flugverkehrs der Zukunft. Besonders freut mich, dass auch Luftfahrzeuge für den Notfall erforscht werden, um Menschenleben zu retten.“

Wirtschafts- und Innovationsminister Andreas Pinkwart: „Die Luftfahrt von morgen wird nicht nur klimafreundlicher und leiser, sondern liefert auch branchenübergreifend wichtige Impulse für viele weitere Anwendungen. Ich bin davon überzeugt, dass mit dem Kompetenz- und Testzentrum ein Standort entsteht, der neue Technologien entwickelt, erprobt und zum Durchstarten verhilft. Ein tolles Beispiel dafür sind die Flugwindkraftwerke: Die effizientere Nutzung von Höhenwinden birgt großes Potenzial für den Ausbau der erneuerbaren Energien.“

Weitere Projekte zur vertikalen Mobilität

Schon jetzt ist das Institut für Flugsystemdynamik mit weiteren Instituten der Hochschule an Forschungsprojekten zur innovativen Luftmobilität beteiligt. Diese werden seitens des Bundes oder der Europäischen Union gefördert. Dazu gehören die Projekte „Eule“ für europäische Transportlösungen bei medizinischen Gütern, „Grenzflug+“ für die grenzüberschreitende Suche von geschädigten Personen, „Safir-med“, ebenfalls für die medizinische Versorgung und „FlutNetz“, ein Projekt für eine Notfallversorgung von Schlangenbissopfern aus Überflutungsgebieten in Bangladesch. Am CVM wird diese Forschung mit weiteren Projekten zusammengeführt.

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