Vega C 13. Jul 2022 Von Iestyn Hartbrich

Italienische Rakete Vega C absolviert Erstflug

Die neue europäische Trägerrakete hat sieben Satelliten erfolgreich abgesetzt. 13 weitere Starts sind bereits gebucht, aber die Verfügbarkeit eines ukrainischen Antriebs könnte sich als Problem erweisen.

Die neue europäische Rakete Vega C hat ein erfolgreiches Debut hingelegt.
Foto: ESA-Manuel Pedoussaut

Die europäische Trägerrakete Vega C ist zum ersten Mal gestartet. Vom Weltraumbahnhof Kourou aus hat sie am Mittwochnachmittag (MESZ) insgesamt sieben Satelliten in Orbits mit Bahnhöhen von annähernd 5900 km gebracht. Die Mission ist planmäßig verlaufen.

Hauptnutzlast war der italienische Forschungssatellit Lares-2, der messen soll, wie sich infolge der Erdrotation die Raumzeit krümmt. Als Sekundärnutzlasten waren sechs Cubesats an Bord.

Vega C: Tandem mit der Ariane 6

Die Vega C bildet – gemeinsam mit der Ariane 6 – das zukünftige europäische Raketentandem. Mit einer Nutzlastkapazität von 2300 kg in einem polaren Referenzorbit mit 700 km Höhe ist die Vega C der kleinere der beiden Träger. Sie kann aber annähernd 50 % mehr Nutzlast transportieren als ihre Vorgängerin, die Vega.

Lesetipp: Großauftrag für die Ariane 6

Wie die Vega ist auch die Vega C vierstufig. Die Erststufe ist ausgetauscht worden. Beim Start versorgt nun das mächtige P120C die Rakete mit Schub, das auch als Booster für die Ariane 6 verwendet wird. Dies ist als Element einer Gleichteilestrategie von den ESA-Mitgliedstaaten beschlossen worden.

Das P120C gilt als größter aus Carbonfasern gewickelter Motor der Welt. Es handelt sich um einen Feststoffantrieb. Das bedeutet: Einmal gezündet, lässt sich der Schub während des Abbrands nicht mehr steuern.

Die Zweit- und Drittstufen – Zefiro-40 und Zefiro-9 – sind ebenfalls Feststoffantriebe. Sie stammen aus italienischer Produktion.

Vega C: die italienische Rakete

Die Vega C ist vom italienischen Raumfahrtkonzern Avio entwickelt worden und wird auch von diesem gebaut. Italien finanziert 52 % des Programms.

Mehrfach hatte es in der ESA Streit in der Frage gegeben, wo das P120C produziert werden soll. Deutschland hatte ins Gespräch gebracht, die Hälfte der P120-Antriebe für die Ariane- und Vega-Programme in Augsburg zu fertigen, offenbar mit dem Ziel, eine neue Carbon-Wickeltechnik einzusetzen. Italien sperrte sich gegen die Aufteilung der Fertigung und setzte sich durch.

Die Erststufe der Vega C, das Feststofftriebwerk P120 C, ist der größte aus Carbon gefertigte Motor der Welt.
Foto: ESA/CNES/Arianespace

Schwachstelle Oberstufe

Zur echten Bedrohung für die Vega C könnte der Antrieb der Oberstufe werden: Avum. Avio bezieht dafür das wiederzündbare Flüssigtriebwerk RD-843 vom ukrainischen Hersteller Yuzhmash, dessen Zukunft nach der russischen Invasion der Ukraine ungewiss ist.

Lesetipp: Wiederentdeckung der vergessenen Staged-Combustion-Technologie

Bislang hat Avio laut ESA sechs Triebwerke eingekauft, von denen nach dem Erstflug also noch fünf verbleiben. Allerdings hat der Startdienstleister Arianespace, der die europäischen Trägerraketen vermarktet, Medienberichten zufolge bereits 14 Starts verkauft. Ob es für das RD-843 einen Ersatz geben kann, ist bislang unklar.

Vega C für Space Rider eingeplant

Die Vega C soll unter anderem den Space Rider der ESA transportieren. Das ist eine Art fliegendes Labor, das zwei Monate in einem erdnahen Orbit verbleiben kann, während an Bord Experimente automatisiert durchgeführt werden. Der Erststart ist für 2023 geplant.

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