Klimaforschung 05. Okt. 2023 Von Stephan W. Eder Lesezeit: ca. 2 Minuten

Kranker Regenwald im Amazonas gefährdet Monsun

Der Klimawandel, die Entwaldung und die intensivierte Landnutzung im Amazonas könnten den südamerikanischen Monsun gefährden und zu größerer Trockenheit auf dem Subkontinent führen. Das fanden zwei Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) heraus.

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Luftaufnahme der Stadt Tefé im Amazonas-Gebiet vom 3. Oktober 2023. Boote und Hausbote im Tefé-See liegen durch die Trockenheit teilweise auf Grund.
Foto: dpa Picture-Alliance / Reuters/Bruno Kelly

Die Auswirkungen der globalen Erwärmung, der Entwaldung und der intensivierten Landnutzung können zu einer kritischen Destabilisierung des südamerikanischen Monsuns führen, so das Ergebnis einer Studie zweier Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Sei der Punkt der kritischen Destabilisierung einmal überschritten, sei in weiten Teilen des südamerikanischen Kontinents mit deutlich weniger Niederschlag zu rechnen, meldet das Institut in einer Mitteilung. Das aber wiederum hätte „erhebliche Auswirkungen auf die Stabilität des Amazonas-Regenwaldes“. Auch Gebiete, die noch nicht direkt von Landnutzungsänderungen betroffen sind, wären dann von existenziellen Schäden bedroht.

Warum die Kipppunkte für das Klima so wichtig sind

Das Gebiet des Amazonas-Regenwaldes in Brasilien ist bereits von Trockenheit betroffen, wie aktuelle Bilder des Tefé-Sees im Westamazonas im brasilianischen Bundesstaat Amazonas zeigen. Die Autoren Nils Bochow und Niklas Boers untersuchten, wie Veränderungen von Waldschäden und der Monsunzirkulation miteinander zusammenhängen. „Waldverluste durch direkte Abholzung, Dürren und Brände können das Klima in Südamerika demnach erheblich verändern und dazu führen, dass die komplexen Kopplungsmechanismen zwischen Amazonas-Regenwald und südamerikanischer Monsunzirkulation einen kritischen Punkt der Destabilisierung überschreiten“, so Erstautor Bochow. Die Ergebnisse deuteten auf eine bevorstehende Verschiebung im Amazonas-Ökosystem hin, wenn die Abholzung und die globale Erwärmung nicht gestoppt würden.

Deutliche Anzeichen für abnehmende Stabilität des Monsuns in Südamerika

Luftaufnahme der Stadt Tepé im Amazonas-Gebiet vom 3. Oktober 2023. Die Rauchentwicklung rund um die Stadt ist durch Brände im Umland hervorgerufen. Foto: dpa Picture-Alliance / Reuters/Bruno Kelly

Ein großer Teil des Regens in den westlichen Teilen des Amazonasgebiets und im südlichen Südamerika stammt aus der Verdunstung durch Amazonas-Bäume selbst, so das PIK. Für das Funktionieren des südamerikanischen Monsuns und damit auch für die Verfügbarkeit der Feuchtigkeit, die der Amazonas-Regenwald zum Überleben brauche, sei dieser Feuchtigkeitsaustausch entscheidend. Vor allem im östlichen Amazonasgebiet, wo in den letzten Jahren am stärksten abgeholzt wurde, erhöhe die Schädigung des Waldes jedoch das Risiko, dass dieser Feuchtigkeitsaustausch unterbrochen würde.

Naturschutz spielt Schlüsselrolle für erfolgreichen Klimaschutz

„Ein Zusammenbruch des gekoppelten Regenwald-Monsun-Systems würde in weiten Teilen Südamerikas zu einem erheblichen Rückgang der Niederschläge führen“, so PIK-Forscher und Co-Autor Boers. Aufgrund der Komplexität dieses Systems sei eine Abschätzung der Auswirkungen eines Zusammenbruchs des Monsuns jedoch noch mit großen Unsicherheiten verbunden. Dass es den Zusammenhang gibt, ist also gesichert, wie groß die Auswirkungen sind, hat aber noch einen größeren Unsicherheitsbereich. „Unsere Studie setzt den südamerikanischen Monsun auf die Landkarte der potenziellen Kipppunkte des Erdsystems“, so Boers.

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